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Neue Publikation: Lobbyismus an Schulen und was dagegen zu tun ist Digitalisierung als neues Einfallstor für Konzerneinfluss an Schulen

Berlin, 29.01.2018 – Mit Werbung, Schulsponsoring oder Schenkungen nehmen Unternehmen zunehmend Einfluss an deutschen Schulen. Vor allem Digitalkonzerne wie Apple, Google oder Microsoft drängen verstärkt ins Klassenzimmer. Mit einer neuen Broschüre liefert LobbyControl LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen Hintergründe und gibt praktische Tipps, wie Schulen und Politik dieser Einflussnahme begegnen sollten.

Die kostenfreie Broschüre benennt Akteure und Strategien von Unternehmen und Stiftungen, um an Schulen aktiv zu werden. Gleichzeitig geht die kostenfreie Publikation anhand von aktuellen Fällen auf die damit verbundenen Gefahren ein.

Fabian Kaske, LobbyControl-Experte für Lobbyismus an Schulen: „Angesichts knapper Kassen sehen viele Schulleitungen in den Angeboten von Unternehmen und Stiftungen vor allem eine Chance. Mit dieser Broschüre wollen wir sie, sowie Lehrkräfte, Eltern und SchülerInnen, dafür sensibilisieren, ihren Blick zu schärfen.“

Checkliste: Lobbyismus an Schulen erkennen und verhindern

Auf der politische Ebene fordert LobbyControl ein Werbeverbot an Schulen, eine Monitoringstelle für Unterrichtsmaterialien und höhere Transparenzpflichten.
Zudem hat LobbyControl eine Checkliste für Lehrer, Schüler und Eltern erarbeitet. Sie sollten unter anderem die Interessen der Anbieter hinterfragen, Kooperationen und Geldflüsse offenlegen sowie kritisch mit Unterrichtsmaterialien, Experten und Sponsoring umgehen. Wie nötig das ist, hat zuletzt ein Fall in Hannover gezeigt, als Grundschüler im Rahmen einer Weihnachtswerbeaktion einen Rewe-Supermarkt besuchten und dort eine Lobeshymne auf den Konzern sangen.

Digitalisierung ist zentrales Einfallstor für Lobbyismus

LobbyControl beobachtet, dass die Digitalisierung ein zunehmendes Einfallstor für Lobbyismus an Schulen bietet. Das reicht von scheinbar neutralen Organisationen mit Unternehmenshintergrund wie dem „Netzwerk Digitale Bildung“ bis zu den Aktivitäten der Calliope gGmbH, die von großen Konzernen wie Google finanziert wird und über den Weg der Schenkungen Lehrinhalte beeinflusst. In den USA wiederum sind Apple oder Google an den Schulen längst durch Apps und Lernplattformen („Apple Classroom“, „Google Classroom“, “Apple School Manager”) weit verbreitet. Die kürzlich eröffnete Google Zukunftswerkstatt in Deutschland zeigt die zunehmende Bedeutung auch hierzulande.

„Die großen Digitalkonzerne drängen auf den deutschen Bildungsmarkt. Ihre zunehmenden Aktivitäten zeigen, dass wir eine gesellschafltiche Debatte darüber brauchen, welche Form der digitalen Bildung wir in unseren Schulen wollen. Diese Diskussion dürfen wir nicht den Digitalkonzernen überlassen“, sagt Kaske.

Hinweise an die Redaktion

Autor: Fabian Kaske

Studierte Lehramt Sonderpädagogik und machte sein Referendariat an einer inklusiven Schule. Seit Juni 2017 arbeitet er bei LobbyControl. @FabianKaske

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