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Worst EU Lobby Awards 2010 gestartet – Stimmen Sie jetzt über das schlimmste Lobbying in Brüssel ab!

Lobbyregister
WorstLobbyAward 2010

Die Lobby-Putze ist wild entschlossen, mit dem Lobbyismus in Brüssel aufzuräumen

Tausende von Lobbyistinnen und Lobbyisten bevölkern in Brüssel die Flure der Macht. In den nächsten sechs Wochen geben wir Ihnen mit den Worst EU Lobby Awards wieder die Möglichkeit, unter verschiedenen Nominierten die Lobbyisten mit den schmutzigsten Lobbypraktiken in Brüssel zu küren und mit unserem berühmten “Anti-Preis” auszuzeichnen. Wählen Sie jetzt auf der Homepage der Worst EU Lobby Awards die Lobbyisten, die diesen Preis im Jahr 2010 am meisten “verdienen” – und machen Sie damit auf das Problem des unverhältnismäßigen Einflusses großer Unternehmenslobbies auf die EU-Politik aufmerksam!

In diesem Jahr werden die Worst EU Lobby Awards in den Kategorien Klimapolitik und Finanzpolitik vergeben. Diese beiden “Krisenherde” haben die Jahre 2009 und 2010 geprägt (da der Worst Lobby Award im vergangenen Jahr zugunsten des Angry Mermaid Award in Kopenhagen aussetzte, haben wir uns in unseren Recherchen auf beide Jahre bezogen). In beiden Bereichen ist es Lobbyisten gelungen, dringend notwendige politische Maßnahmen und Regeln zu verhindern und statt dessen ihre unternehmerischen Interessen durchzusetzen. So scheiterten der Weltklimagipfel in Kopenhagen und die Weltklimakonferenz in Bonn, und bei der Reform der Finanzmärkte wurden Reformen bis heute vertagt, verwässert oder ihnen gleich ganz die Zähne gezogen. Daher soll es dieses Jahr darum gehen, die krassesten Fälle von Lobbyismus entgegen dem öffentlichen Interesse in diesen beiden Bereichen anzuprangern.

In der Kategorie Klimapolitik sind nominiert:

  • RWE: Weil sie ihr Image fleißig „grünwaschen”, in Wahrheit aber massiv Lobbying betrieben haben, um ihre schmutzigen Öl- und Kohlekraftwerke in England am Laufen zu halten, ohne Investitionen für bessere Umweltstandards vornehmen zu müssen.
  • ArcelorMittal: Weil der Stahlgigant dreist durchgesetzt hat, dass Klimazertifikate unter dem europäischen Emissionshandelssystem noch bis 2020 kostenlos an ihn vergeben werden, obwohl er bereits jetzt Millionen an Gewinnen durch überschüssige Zertifikate verdient hat.
  • BusinessEurope: Weil der mächtige Unternehmerverband aggressive Lobbyarbeit unternommen hat, um effiziente Klimaschutzmaßnahmen der EU zu verhindern – während er vorgibt, den Klimaschutz zu unterstützen.

In der Kategorie Finanzpolitik sind nominiert:

In beiden Kategorien handelt es sich bei den Nominierten um Firmen und Lobbyverbände, die hinter den Kulissen Lobbyarbeit betreiben und dabei falsche Argumente, Manipulationsversuche und Drohungen angewendet haben, um effektive Regulierungen zu verhindern. Ihre irreführende Lobbyarbeit zielt auf die Sicherung eigener Profite auf Kosten der Allgemeinheit. Mit den Worst EU Lobby Awards wollen wir auf besonders schmutzige Lobbypraktiken jenseits der generellen privilegierten Zugänge aufmerksam machen und sie diskreditieren.

Stimmen Sie jetzt mit ab auf worstlobby.eu/de !

Die Lobby-Putze

In diesem Jahr unterstützt uns dabei unser Maskottchen Lobby-Putze. Die Anti-Heldin der Worst EU Lobby Awards 2010 ist wie die Lobbyistinnen und Lobbyisten unterwegs auf den Fluren der Macht in Brüssel, hat aber ein anderes Ziel: eine saubere Lobby und saubere Lobbyarbeit. Sie ist gekommen, um das von Lobbyisten in Brüssel angerichtete Chaos zu beseitigen.

Ihren ersten Aufrtritt wird die Lobbyputze am 13. Oktober haben – dem Eröffnungstag der Lobbyawards – und während der Abstimmungsphase immer wieder in Europa und speziell in Brüssel auftauchen. Unsere Lobbyputze ist nicht allein, es gibt eine große Bewegung von “Lobby-Putzen und -Putzern”. Sie können eine oder einer von ihnen sein: Zuerst, indem Sie sich mit Ihrer Stimme an den Awards beteiligen. Und dann dadurch, dass Sie Druck ausüben auf Ihre Parlamentsmitglieder und EU-Entscheidungsträger, damit diese ein verpflichtendes Register und Ethikregeln für den EU-Lobbyismus durchsetzen.

Die Worst EU LobbyAwards werden von den Nichtregierungsorganisationen LobbyControl, Friends of the Earth Europe, Spinwatch und Corporate Europe Observatory ausgerichtet. Unterstützt werden wir in diesem Jahr außerdem von 38degrees und Campact, sowie in der Klimakategorie von Climate Action Network Europe, Oxfam und World Development Movement und in der Finanzkategorie von ATTAC Network und World Development Movement.

Die Pressemitteilung zum Start der Worst EU Lobbying Awards 2010 finden Sie hier (pdf).

Autor: Nina Katzemich

Geboren 1975, arbeitet seit Mai 2009 bei LobbyControl insbesondere zum Lobbyismus in Brüssel.

4 Kommentare

  1. Die Idee mit dem Worst EU Lobby Award finde ich großartig. Das ist die Art von Kreativität, wie wir sie brauchen, um dem anscheindend immer ungezügelteren Treiben der Interessenvertreter mit ihren dicken Brieftaschen und den eleganten Anzügen Einhalt zu gebieten, indem wir sie wenigstens erst mal an die Öffentlichkeit zerren.
    Bravo Lobbycontrol! Weiter so!
    Was allerdings bisher fehlt sind Hinweise auf Veröffentlichungen, die die Anschuldigungen gegen die Oberlobbyisten auch belegen. Oder habe ich sie bisher nur noch nicht gefunden auf den LC-Seiten?

  2. Ich würde allen vors Schienbein treten. Sie haben sich alle angestrengt und verdienen es alle, als Lobbyisten-Pack gebrandmarkt zu werden.

  3. Gratulation! Bitte veroeffentlichen Sie all dies in Englisch, das ist ganz dringend noetig. Ich habe soeben versucht etwas ueber lobby control in Englisch zu finden, via google news, und da ist…NICHTS.
    Ich wohne in Kanada, und sowohl dieses Land als auch die USA sind gerade dabei auseinanderzufallen, weil Lobbyisten -unbemerkt von den meisten Buergern- inzwischen alle Zuegel fest in der Hand halten. Und Europa ist auch nicht mehr allzu weit davon entfernt. Politiker, die zuerst in hohen Positionen einer oeffentlichen Institution dienen und dann weiterziehen zu einer Bank oder einem Unternehmen: Sowas muss in Zukunft als vollkommen inakzeptabel gelten. Hier auf dem nordamerikanischen Kontinent ist es inzwischen zu spaet: In zu vielen Koepfen hat sich die Doktrin festgesetzt dass der ‘freie Markt’ alles automatisch zum Besten regelt, und Regierung immer bloss schlecht ist, und Steuern ein Uebel. Niemand merkt, dass man sich die eigentlich ganz guten Regierungssysteme (demokratie, unabhaengige Justiz etc) damit langsam kaputtmacht. Ich sage zu spaet, weil ich inzwischen weiss dass es hierzulande mindestens eine Generation neuer Waehler brauchen wird um die Einsicht zu gewinnen, das ‘Regierung’ auch gute Dinge tun kann. Und dass man Steuern nicht einfach abschafft, sondern sinvoll und effektiv einsetzen muss. Aber hierzulande sind fuer die naechsten Jahrzehnte erst mal Hopfen und Malz verloren, zu viele Leute beten das ‘freie Markt’-Mantra rauf und runter, genauso Betonkoepfig wie anno dazumal die Betonkommunisten im Ostblock ihren kommunistischen Mist. Und das Endergebnis ist leider haargenau das gleiche.

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