Aktiv für Transparenz
und Demokratie.

Neue Großspenden von Evonik an CDU und SPD Obergrenzen für Parteispenden in den Koalitionsvertrag!

Parteienfinanzierung

Die Großspenden an die Parteien reißen nicht ab. Heute wurde bekannt, dass SPD und CDU Großspenden vom Chemie- und Energiekonzern Evonik erhielten. Die Spenden über 90.000 Euro an die SPD und 70.000 Euro an die CDU wurden erneut nach der Bundestagswahl überweisen. Der Zeitpunkt der Spenden ist auch deswegen brisant, weil in den Koalitionsgesprächen gerade wichtige Weichen in der Energiepolitik gestellt werden.

Obergrenzen für Parteispenden sind überfällig

Evonik GroßspendenNach den QuandtSpenden zeigen auch die heute bekannt gewordenen Großspenden: Obergrenzen für Parteispenden sind überfällig. SPD und CDU müssen in den Koalitionsverhandlungen endlich zeigen, dass sie die öffentliche Kritik an den zahlreichen Großspenden nach der Wahl ernst nehmen. Wir fordern eine Obergrenze von 50.000 Euro pro Spender und Jahr. SPD und CDU sind nun gefragt ihre Unabhängigkeit gegenüber der Lobby der energieintensiven Unternehmen und Kohlekraftwerksbetreiber zu beweisen.

Im Wahljahr 2009 hatte Evonik ebenfalls an die SPD (100.000 Euro) und an die CDU (70.000 Euro) gespendet. Damals – und ebenso in den Jahren 2008 und 2006 – hatte Evonik allerdings jeweils im Januar gespendet. Dass im diesen Jahr die Spenden dagegen erst im November überwiesen werden, wirft die Frage auf, ob auch diese Spenden gezielt aus der politischen Diskussion im Wahlkampf herausgehalten werden sollten. SPD und CDU sind jetzt gefragt, weitere Spendenzusagen offenzulegen.

Plakate vor Bundestag-Aktion-Koalitionsverhandlungen

Auch bei unserer Aktion „Meine Stimme gegen Lobbyismus – für Demokratie“ forderten wir Grenzen für Parteispenden.

Mehr Spenden im Oktober und November als in den Monaten zuvor

Mit den erneuten Großspenden liegt die Summe der im Oktober und November eingegangenen Parteispenden deutlich über den Zuwendungen in den ersten neun Monaten des Jahres 2013: 1,76 Millionen Euro in den letzten zwei Monaten gegenüber 1,45 Millionen Euro vor der Wahl.

Im Wahljahr 2009 war das Verhältnis der Spenden vor und nach der Wahl ganz anders. Damals flossen 5,8 Millionen Euro an Spenden über 50.000 Euro vor der Wahl und nur 850.000 Euro nach der Wahl. Im Vergleich scheint sich 2013 ein Trend abzuzeichnen, der die Veröffentlichungspflichten des Parteiengesetzes faktisch aushebelt: Großspenden werden aus dem Wahlkampf herausgehalten und den Wählerinnen und Wählern so wichtige Informationen vorenthalten. Diese Tendenz ist ein weiteres Argument für Obergrenzen bei Parteispenden.

Weitere Informationen:

 
Foto: Jakob Huber/ Campact

Christina Deckwirth

Autor: Christina Deckwirth

Dr. Christina Deckwirth, Politikwissenschaftlerin, geb. 1978, vertritt LobbyControl in unserem Berliner Büro gegenüber Politik und Medien.

3 Kommentare

  1. Avatar

    ich bin auch der Meinung. Man sollte das einfach komplett verbieten. Was sollen die Spenden denn überhaupt?

  2. Avatar

    Ich bin für ABSOLUTEN Verbot für Spenden seitens von Konzernen …
    Die Ökologisch-Demokratische Partei kommt ja auch ohne Konzernspenden aus, außerdem kennt diese Partei einen Ehrenkodex für Mandatsträger.
    Es geht doch, wenn man will!
    Was machen eigentlich die betreffenden Parteien mit dem vielen Geld aus den Großspenden, die müssen ja gewissermaßen fast im Geld schwimmen?
    Und dass just in dem Moment der Koalitionsverhandlungen zwischen Rot und Schwarz die besagten Spenden eingetroffen sind, ist schließlich auch nicht von ungefähr?!
    Ein kleiner, aber bestimmter Wink mit dem Zaunpfahl, damit CDU/CSU und SPD wunschgemäß handeln, was das Energiegesetz und deren rechtliche Bestimmungen anbelangt, wovon dieses Unternehmen Evonik auch betroffen wäre?
    Ich glaube an KEINE Zufälle, da könnte mit Sicherheit ein Zusammenhang bestehen …

  3. Avatar

    Ich wiederhole mich, aber:

    Eine Begrenzung der Spendensumme pro Kalenderjahr reicht nicht!
    Denn ohne eine Begrenzung auf natürliche Personen ist es überhaupt kein Problem, beliebig viele Organisationen ein Vielfaches spenden zu lassen. Und im Gegensatz zu natürlichen Personen (die u.U. auch noch einen eigenen Willen haben), lassen sich juristische Personen und Personengesellschaften schnell und routiniert erschaffen und kontrollieren.

    Weitere Argumente:
    https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2013.2/Antragsportal/S%C3%84A010
    (Zur Klarstellung: Dieser Antrag ist leider bei der Piratenpartei weit entfernt von einer Annahme.)