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Lobbyismus in der EU

Neuer Rekord bei Lobbyausgaben in Brüssel

Die mächtigsten Lobbyakteure der EU geben 382 Millionen Euro für Lobbyarbeit in der EU aus – so viel wie nie zuvor.

von 11. Juni 2026

Eine neue Analyse von LobbyControl und unserer Partnerorganisation Corporate Europe Observatory (CEO) zeigt: Die 173 Unternehmen und Wirtschaftsverbände mit einem jährlichen Lobbybudget von mindestens einer Million Euro geben zusammen mehr als 382 Millionen Euro pro Jahr für Lobbyarbeit aus, um EU-Institutionen zu beeinflussen. Das sind 28 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und fast 50 % mehr als noch im Jahr 2020. (Nicht inflationsbereinigt.)

Besorgniserregend ist, dass diese stetig wachsenden Lobbybudgets beispiellose Zugänge zu politischen Entscheidungsträger:innen ermöglichen und häufig Ergebnisse hervorbringen, die dem öffentlichen Interesse schaden.

Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen zahlreiche Standards zum Schutz von Mensch und Umwelt unter dem Deckmantel von „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Bürokratieabbau“ abbaut. Mit dieser Agenda werden langjährige Forderungen einiger der einflussreichsten Wirtschaftsverbände Europas erfüllt.

Welche Branche gibt am meisten aus?

Ein Blick auf die unterschiedlichen Branchen zeigt:

  • Die ausgabenstärksten Akteure der Tech-Branche haben mit 73 Millionen Euro insgesamt das größte jährliche Lobbybudget. Sie nutzen dieses Geld, um die starken Regeln zum Schutz unserer digitalen Rechte zu schwächen.
  • Die Konzerne der Energiewirtschaft – mit einem jährlichen Lobbybudget von 52 Millionen Euro – nutzen geopolitische Krisen wie den Iran-Krieg, um für ein Comeback fossiler Energien Lobbyarbeit zu betreiben. Zugleich versuchen sie, Scheinlösungen für die Klimakrise als nachhaltig umzudeuten.
  • Die größten Chemiekonzerne und ihre Branchenverbände haben ebenfalls hohe Lobbybudgets – insgesamt 46,5 Millionen Euro. Sie nutzen die Krise, um die Regeln zum Schutz von Menschen und Umwelt vor schädlichen Chemikalien und Pestiziden zu schwächen.

Unsere Analyse bestätigt den immer stärkeren Aufstieg von Big Tech als dem Sektor, der das meiste Geld in Lobbyarbeit steckt. Die größten Unternehmen und Verbände aus dem Technologiesektor geben zusammen mit Abstand die höchsten jährlichen Lobbybudgets an: 73 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Der Finanzsektor kommt auf 67 Millionen Euro, der Energiesektor auf 52 Millionen Euro und der Chemie- und Agrarsektor auf 47 Millionen Euro. Das zeigt, wie extrem viel Geld Unternehmen wie Google, Meta, Amazon und Apple in EU-Lobbyarbeit investieren.

Shutterstock/areporter -
Mit immer höheren Lobbyausgaben werden die EU-Institutionen beeinflusst.
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Mit immer höheren Lobbyausgaben werden die EU-Institutionen beeinflusst.

Die Tech-Akteure an der Spitze des Registers sind zwischen 2020 und 2026 zwar nicht zahlreicher geworden, aber ihre gemeinsamen Lobbybudgets sind stärker gewachsen als in jedem anderen Sektor.

Die größten Zuwächse bei den angegebenen Lobbybudgets seit 2020 verzeichnen Amazon mit plus 7,25 Millionen Euro auf 9 Millionen Euro jährliche Ausgaben, Apple mit plus 6 Millionen Euro auf 8 Millionen Euro, Meta mit plus 5,75 Millionen Euro auf mehr als 10 Millionen Euro und Qualcomm mit plus 3,25 Millionen Euro auf 4,5 Millionen Euro.

Vorfahrt für die Interessen der Wirtschaft

Wie einseitig der Zugang von Unternehmen und Verbänden in Brüssel ist, zeigt ein Blick auf die Lobbytreffen mit der EU-Kommission. Diese sind 2025 nach einer Auswertung von Table Media auf den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnung 2014 gestiegen. Gleichzeitig ist der Anteil von Treffen mit der Zivilgesellschaft weiter gesunken.

Der wachsende Zugang, den Konzernlobbyinteressen zu den Spitzen dieser EU-Kommission haben, ist sowohl Ursache als auch Ausdruck einer EU-Agenda, die unter dem Deckmantel von „Wettbewerbsfähigkeit“ und „Bürokratieabbau“ zahlreiche Standards zum Schutz von Mensch und Umwelt abbaut.

Dass krebserregende Stoffe länger in Kosmetika verwendet werden dürfen oder Pestizide nach einmaliger Zulassung nicht weiter überprüft werden sollen, sind nur einige der erwartbaren Folgen dieses Deregulierungskurses. Konzernlobbyist*innen haben dafür in den vergangenen Jahren massiv lobbyiert. Jetzt rennen sie offene Türen ein.

Die neuen Mehrheiten im EU-Parlament sind für diese Entwicklungen ein zentraler Faktor: Immer wieder arbeiten dort Konservative mit Rechtspopulisten zusammen, um unsere Standards für Umwelt, Verbraucherschutz oder Menschenrechte zu schwächen.

Was tun?!

Es ist offensichtlich, dass Teile der EU-Entscheidungsprozesse schrittweise von Konzerninteressen vereinnahmt werden. Deshalb müssen die EU-Institutionen ihre Lobbyregeln dringend überdenken.

Vor allem sollte die EU-Kommission Konzernen keine privilegierten Zugänge mehr gewähren. Sie muss sicherstellen, dass andere Stimmen klar und deutlich gehört werden – etwa aus der Zivilgesellschaft sowie von unabhängigen Wissenschaftler*innen. Wie Corporate Europe Observatory und LobbyControl seit Jahren betonen, reichen die derzeitigen Transparenz- und Rechenschaftsinstrumente auf EU-Ebene ebenso wenig aus wie ihre Durchsetzung.

Das zentrale Instrument, das EU-Lobbytransparenzregister, ist weiterhin voller ungenauer Daten. Zugleich ist die Personalausstattung zur Überprüfung der Lobbyangaben im Register viel zu gering. Immer wieder konnten wir in der Vergangenheit Fälle von zu hohen oder zu niedrigen Lobbyausgaben aufdecken.

Nur ein rechtlich verbindliches Lobbyregister kann wirksame Sanktionen für falsche Angaben ermöglichen und dadurch die Qualität der Daten im EU-Lobbyregister insgesamt verbessern. Ein solches verbindliches Register ist längst überfällig.

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