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PR-Rat rügt Schleichwerber

Der deutsche PR-Rat hat am Dienstag eine Reihe öffentliche Rügen gegenüber Schleichwerbern in der ARD-Serie Marienhof ausgesprochen. Gerügt wurden die Arbeitgeber-Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), L’Tur, der Deutsche Lotto- und Toto Block und das Hilfswerk WorldVision. Außerdem gab es eine Rüge für die vermittelnden Agenturen Kultur + Werbung und H.+S. Unternehmensberatung von Andreas Schnoor. Keine Schleichwerbung erkannte der PR-Rat dagegen in mehreren von WorldVision finanzierten Auslandsreportagen bei n-tv.

Die INSM akzeptiert die Rüge und wiederholt ihre Aussagen von September 2005: die Schleichwerbung sei ein Fehler gewesen. “Der Initiative wurde von der Produktionsgesellschaft H.+S. mehrfach versichert, dass die Form der Zusammenarbeit in Einklang mit dem Rundfunkstaatsvertrag stehe und die zuständige ARD-Redaktion die Stücke abnehme. Diese Information hat sich im Nachhinein als falsch herausgestellt.” Es bleibt jedem selbst überlassen, für wie glaubwürdig man es hält, dass langjährige PR-Profis wie der ehemalige BDI-Pressesprecher und heutige INSM-Geschäftsführer Dieter Rath sich der Problematik nicht bewusst waren und es nicht für nötig hielten, sich weiter zu informieren (während man sonst immer von “Eigenverantwortung” spricht…). Immerhin wiederholt die INSM nicht mehr ihre Aussage, es sei nur um die Vermittlung wirtschaftlicher Grundkenntnisse gegangen.

Rüge, aber keine Konsequenzen
Insgesamt kann man die Rügen des PR-Rats mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen: Immerhin ist es gut, dass auch die PR-Szene selbst die Schleichwerbung verurteilt. Aber zugleich ist es nur eine Rüge ohne weitere Konsequenzen. Die Produktionsfirma Bavaria hat sich mit der ARD immerhin auf die Zahlung von zwei Millionen Euro Schadenersatz geeinigt. Die eigentlichen Auftraggeber kommen mit einer bloßen Rüge davon – obwohl die Schleichwerbung illegal war. Und manche Auftraggeber, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), hat noch nicht einmal eine Rüge bekommen – obwohl er mit über 200.000 Euro die höchste Einzelsumme für Schleichwerbung im Marienhof bezahlte. Möglicherweise arbeitet der PR-Rat auch noch an dem Fall…

> Details zur INSM-Schleichwerbung im Marienhof gibt es in unserer Analyse vom letzten Jahr (pdf). Sie zeigt, dass in den betroffenen Marienhof-Szenen klar Arbeitgeber-Interessen kommuniziert wurden.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse.

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