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US-Botschaftberlin (public domain), Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0 -
Mathias Döpfner, Haupteigentümer und CEO des Springer-Konzerns, und Peter Thiel, Tech-Milliardär und Mitgründer u.a. von Palantir
Reichtum und Einfluss

Axel Springer und die Techmilliardäre – Die Lobbyforen eines Medienkonzerns

Der Axel Springer Award ist nur eines von einer ganzen Reihe von Netzwerkevents, in denen Springer als Veranstalter von Lobbyforen auftritt. Dabei spielen auch Mathias Döpfners Verbindungen zu US‑Techmilliardären eine Rolle. Das wirft Fragen über die Unabhängigkeit von Berichterstattung und Medienmacht auf.

von 18. September 2026

Die Bühne im Axel-Springer-Haus in Berlin ist in violettes Licht getaucht, Streichmusik setzt ein, dramatisch und feierlich. Dann betritt der Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, Karsten Wildberger, das Rednerpult: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Mit diesem schmeichelhaften Zitat von Arthur C. Clarke eröffnete Wildberger im letzten Jahr die Preisverleihung für den Axel Springer Award 2025.

Steve Jurvetson - CC-BY 2.0
Sam Altman, CEO von OpenAI, Preisträger des Axel Springer Award 2025
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Sam Altman, CEO von OpenAI, Preisträger des Axel Springer Award 2025

In der ersten Reihe saß neben Springer-Chef Mathias Döpfner der Preisträger und Ehrengast Sam Altman, CEO des KI-Konzerns OpenAI. Er wurde dafür geehrt, mit ChatGPT die künstliche Intelligenz in den Alltag der Menschen gebracht zu haben.

In diesem Jahr wird mit Peter Thiel der nächste Techmilliardär mit dem Axel Springer Award ausgezeichnet, unter anderem für seinen Beitrag zur „Resilienz von Demokratien“. Bei einer Person, die in der Vergangenheit bereits infrage stellte, ob Freiheit und Demokratie noch vereinbar seien, ist das mehr als nur ein bisschen ironisch.

Aber auch die Preisverleihung an sich wirft Fragen auf. Warum vergibt einer der größten Medienkonzerne Europas, Axel Springer, Preise an die mächtigsten Techunternehmer der Welt? Und lassen sich solche Events überhaupt mit der Rolle als Medienkonzern vereinen?

Die Axel Springer SE begründet die Preisverleihung damit, dass „außergewöhnliche unternehmerische, technologische und gesellschaftliche Wirkung“ gewürdigt werden soll. Gleichzeitig stelle eine Auszeichnung oder Einladung aber keine Zustimmung zu ihren politischen oder gesellschaftlichen Positionen dar. Vielmehr solle der Preis auch Raum für „journalistische Neugier, kritische Fragen und die öffentliche Auseinandersetzung mit den Ideen und Positionen der Preisträger“ bieten.

Das Unternehmen verneint auf Nachfrage, dass aus der Preisverleihung ein Rollenkonflikt entstehe: „Axel Springer trennt klar zwischen geschäftlichen und redaktionellen Interessen. Über einzelne journalistische Inhalte und Veröffentlichungen entscheiden allein die Redaktionen nach dem Chefredakteursprinzip.“

Und doch ist der Sachverhalt nicht ganz so simpel. Denn Springer ist eben nicht nur ein Medienkonzern, der gesellschaftliche Debatten eröffnet und anregt. Der Milliardär Döpfner und sein Medienhaus verdienen gleichzeitig auch Geld damit, dass mit eigenen, exklusiven Veranstaltungen Lobbynetzwerke gepflegt werden. Und diese führen auch zu den US-Techmilliardären im Umfeld von Trump.

Axel Springer und US-Techkonzerne

Axel Springer baut sein Geschäft in den USA seit Jahren gezielt aus. Zum Springer-Portfolio gehören inzwischen die einflussreichen US-Nachrichtenplattformen Politico, Business Insider, Morning Brew und Insider Intelligence. Axel Springer sieht in den USA laut eigenen Angaben einen wichtigen Wachstumsmarkt, dementiert aber öffentliche Spekulationen über eine mögliche Übernahme von CNN oder des Wall Street Journal. Anfang 2026 kaufte Springer die US-amerikanische Event- und B2B-Plattform Bisnow.

Als CEO kündigte Döpfner schon 2013 an, Axel Springer zum „führenden digitalen Medienunternehmen“ machen zu wollen. Dafür setzt er auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz, kündigte etwa 2023 eine globale Partnerschaft mit OpenAI an. 2025 folgte die noch radikalere Ausrichtung auf KI mit dem Anspruch, beim KI-Journalismus führend zu werden.

Seit der Umgestaltung der Unternehmensstruktur des Konzerns im Zuge des Ausstiegs von Investor KKR im Jahr 2025 ist Döpfner zum Machtzentrum des Medienkonzerns geworden. Er hält gemeinsam mit Friede Springer 95 Prozent am Unternehmen, 5 Prozent liegen bei einem Springer-Enkel und der Friede-Springer-Stiftung. Die genaue aktuelle Aufteilung zwischen Friede Springer und Mathias Döpfner veröffentlicht Axel Springer nicht.

Vor der Neuordnung lagen ihre wirtschaftlichen Beteiligungen jeweils bei ungefähr 21 bis 22 Prozent; die Stimmrechte der Friede-Springer-Anteile waren jedoch seit 2020 an Döpfner gebunden. Gleichzeitig pflegt Döpfner enge Verbindungen zu Techmilliardären im Silicon Valley, die ihrerseits über ihre Plattformen enormen Einfluss auf öffentliche Debatten haben.

Döpfners Netzwerk

Für ein Medienhaus wie Springer sind die US-Techkonzerne und ihre Plattformen einerseits Konkurrenten. Andererseits sind sie auch Vorbilder für die Transformation vom klassischen Medienhaus zum Digitalkonzern. Döpfners Technähe dient also zumindest auch der Netzwerkpflege.

Elon Musk hat Twitter übernommen
Jurvetson - CC-BY 2.0
Musk und Döpfner haben persönlichen Kontakt
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Elon Musk hat Twitter übernommen
Musk und Döpfner haben persönlichen Kontakt

Mit Elon Musk hat Döpfner nach eigener Aussage seit Jahren direkten persönlichen Kontakt. Ein Interview, das Döpfner 2020 mit Musk führte, lese sich eher „wie ein Flirt bei einem ersten Date“, schrieb der Spiegel damals. Später soll Döpfner Musk zu der Übernahme von Twitter (inzwischen X) ermuntert haben, wie Recherchen von Business Insider (zu Axel Springer gehörend) herausfanden. 2025 folgte dann der Gastbeitrag Musks in der Welt am Sonntag, der große Wellen schlug ­– mehr dazu später.

UK Government - CC-BY 2.0
Karp und Döpfner sind gut befreundet
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Karp und Döpfner sind gut befreundet

Mit Alex Karp, dem Chef des US-Techkonzerns Palantir, bekannt für seine Überwachungssoftware, ist Döpfner nach eigener Aussage gut befreundet, und sie kennen sich bereits seit 2003. Karp saß 2018 bis 2019 im Aufsichtsrat von Axel Springer, während Döpfner Vorstandsvorsitzender war. Später gehörte Karp dem Aktionärsausschuss an, dem Döpfner vorsaß.

Axel Springer ist außerdem Kunde von Palantir und nutzt die Anwendung Foundry. Das umstrittene Unternehmen liefert Datenanalysen, hauptsächlich für Sicherheitsapparate, hier für Marktanalysen und schnelle Trends. Döpfner führte mehrfach Interviews und öffentliche Gespräche mit Karp. Das jüngste dieser Gespräche – im Juli 2026 für den Springer-Podcast „MD Meets“– wirkt eher wie ein Gespräch zwischen zwei Geschäftspartnern als wie ein kritisches Interview. Die Geschäftsbeziehung wird den Lesenden oder den Youtube-Zuschauer*innen jedoch nicht kenntlich gemacht.

Gage Skidmore - CC-BY 2.0
Thiel: Preisträger des Axel Springer Award 2026
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Thiel: Preisträger des Axel Springer Award 2026

Zu Peter Thiel, dem libertären Tech-Investor, Mitgründer von Palantir und PayPal, scheint Döpfner mindestens Kontakt zu haben. So sagte Döpfner in einem Interview, er habe Thiel nach dessen Unterstützung für Donald Trump 2016 „direkt danach gefragt“. Thiel ist ein einflussreicher Geldgeber im Silicon Valley. Mathias Döpfners Sohn Moritz Döpfner arbeitete zwischenzeitlich für „Thiel Capital“, dem Family Office von Thiel.

Laut einer Recherche des Manager Magazins soll Thiel außerdem 50 Millionen Dollar in Moritz Döpfners Risikokapitalfonds Döpfner Capital investiert haben. Döpfner Capital und Thiels Investmentfonds Thiel Capital sollen laut Medienberichten beide in das Berliner Drohnen-Start-up Stark investiert haben.

Das Forbes-Magazin schätzte Döpfners Vermögen zuletzt auf 2,8 Milliarden Euro. Doch über sein Aktienportfolio ist so gut wie nichts bekannt. Wir wissen also nicht, ob und wie viele Aktien von Tech-Konzernen Döpfner besitzt. Mathias Döpfner beantwortete unsere diesbezüglichen Fragen nicht. Klar ist allerdings: Döpfner ist Vorstandsmitglied im Verwaltungsrat des Streaminganbieters Netflix und sitzt im Direktorium der Warner Music Group. Beide Firmen lassen sich dem Tech-Sektor zuordnen.

Die aufgezeigten Umstände lassen es jedenfalls naheliegend erscheinen, dass geschäftliche und auch persönliche Interessen bei Döpfner und den US-Techbossen eng beieinander liegen.

Veranstaltungen als Netzwerkpflege

Döpfners gute Verbindungen zu US-Tech-Milliardären nutzen wohl auch dem Springer-Konzern. Denn Axel Springer beschränkt sich nicht darauf, mit seinen Medien über Politik und Wirtschaft zu berichten, sondern veranstaltet regelmäßig Events wie Preisverleihungen oder „Gipfel“. Oft dabei: die US-Techmilliardäre.

Besonders auffällig ist das beim Axel Springer Award. Seit 2016 werden jährlich „visionäre Persönlichkeiten aus der Welt von Wirtschaft und Technologie“ damit ausgezeichnet. Der Preis soll laut eines Sprechers des Unternehmens „außergewöhnliche unternehmerische, technologische und gesellschaftliche Wirkung“ würdigen. Zugleich biete er „Raum für journalistische Neugier, kritische Fragen und die öffentliche Auseinandersetzung mit den Ideen und Positionen der Preisträger.“ Gleichzeitig bedeute die Einladung einer Persönlichkeit für Springer aber „keine Zustimmung zu ihren politischen oder gesellschaftlichen Positionen“.  

Unter den Preisträgern finden sich auffällig viele Tech-Unternehmer aus den USA: Nach Meta-CEO Mark Zuckerberg (2016) folgten Amazon-CEO Jeff Bezos (2018), SpaceX- und Tesla-CEO Elon Musk (2020), Microsoft-CEO Satya Nadella, Microsoft (2023) und OpenAI-CEO Sam Altman (2025). In diesem Jahr erhält Tech-Investor Peter Thiel den Axel Springer Award. Mit diesen Veranstaltungen kann Döpfner seinen Draht zu den Techmilliardären verstärken. Gleichzeitig bieten diese Veranstaltungen den Tech-Milliardären eine Bühne für ihre Positionen – und sowohl ihnen als auch Springer Prestige.

Dass dieses Jahr ausgerechnet Peter Thiel einen Preis erhält, ist geradezu grotesk. Thiel bezeichnet sich zwar selbst noch harmlos als Libertären. Doch wenn dazu gehört, möglichst wenig Staat und viel wirtschaftliche und politische Freiheit zu wollen, meint er das wohl eher nur für sich und eine Tech-Elite, denn wirtschaftlicher Wettbewerb sei etwas für Verlierer. Machtkonzentration beschreibt seine Vorstellung wohl besser. Andere beschreiben ihn als Tech-Oligarchen oder sogar Technofaschisten, der nach autoritärer Macht und technologischer Kontrolle strebt.

Deshalb fällt besonders auf, dass Axel Springer in seiner Begründung für den Preis die Überwachungssoftware Palantir auch noch als Beitrag für resiliente Demokratien erwähnt. Palantir steht wie kein anderes Unternehmen für den Versuch, staatliche Sicherheitsaufgaben und -macht zu privatisieren. Durch Verträge mit Polizei- und Sicherheitsbehörden drohen die sensibelsten Daten von Behörden auf der ganzen Welt in die Hand eines einzigen multinationalen Konzerns zu fließen – und werden so demokratischer Aufsicht entzogen. Auch deshalb wurden Verträge einzelner Landesbehörden mit Palantir zuletzt stark kritisiert.

Meistens fällt das Wort „Demokratie“ im Kontext von Thiel, wenn sein berüchtigtes Zitat angebracht wird: Er schrieb in einem Essay einmal selbst, dass er Freiheit und Demokratie für unvereinbar hält. Er äußerte, keine Hoffnung in demokratische Beteiligung oder Wahlen zu haben, und will staatliche Strukturen am liebsten auflösen. Mit autoritären Vorstellungen von einem CEO als Präsidenten beruft er sich auf Vorbilder wie den rechtsextremen Blogger Curtis Yarvin.

Peter Thiel steht für eine Politik, in der demokratische Gleichheit gegenüber der Macht von Unternehmen, Technologie und Exekutive zurücktritt. Zusammen mit den Problemen mit Palantir birgt das die Gefahr einer hochgerüsteten, profitorientierten Überwachungsinfrastruktur, die sich demokratischer Kontrolle entzieht. Dass eine solche Entwicklung als "Beitrag zur Resilienz von Demokratien" durchgehen soll, wie es in der Springer-Begründung für die Preisverleihung heißt, überzeugt nicht.

Die Preisverleihung an einen demokratiefeindlichen US-Milliardär wie Thiel ist aber noch aus einem anderen Grund problematisch. Denn so umstritten sie sind, Aufmerksamkeit und Interesse für die Veranstaltungen generieren sie allemal. Und der Axel-Springer-Verlag unter Döpfner ist derjenige, der den Zugang zu Ihnen über seinen Konzern vermittelt und gestaltet. Der Preis schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Tech-CEOs werden umgarnt und aufgewertet. Gleichzeitig profitiert der Springer-Konzern vom Prestige und der Aufmerksamkeit.

Events als Lobbyforum

Die Preisverleihungen sind nur eine Sparte der Events bei Axel Springer. Regelmäßig finden Expertengipfel als Treffen zwischen Wirtschaft und Politik statt. Axel Springer bezeichnet sie auch als „Plattformen für journalistisch geführten Diskurs“. Veranstaltungen wie der „Welt-Wirtschaftsgipfel“ oder „Welt-Sicherheitsgipfel“ werden über die Springer-Vermarktungseinheit Media Impact mit Sprüchen wie „Werden Sie Teil des exklusivsten Entscheider-Umfeld Europas“ oder „exklusiv für CEOs“ beworben.

Screenshot mediaimpact.de -
Welt-Wirtschaftsgipfel: Vermarktung mit "exklusivem Zugang zur Politik"
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Welt-Wirtschaftsgipfel: Vermarktung mit "exklusivem Zugang zur Politik"

Sie locken mit einem Gästekreis aus amtierenden Politikern, 55 Top-Level CEOs und 75 Beisitzerinnen und Beisitzern aus der Wirtschaft oder mit „exklusive[m] Zugang zur Politik“. Trotz dieser expliziten Bewerbung in den hauseigenen Vermarktungsmaterialien sagt Axel Springer, dass „zu keiner Zeit konkrete Zugänge verkauft oder versprochen“ würden. Die Finanzierung des WELT-Wirtschaftsgipfels erfolgt laut Axel Springer über „Werbeumfelder“. Wie genau sich diese „Werbeumfelder“ von Sponsoringpaketen oder Tickets für die Veranstaltung unterscheiden, ist nicht klar.

Deutsche Spitzenpolitiker*innen sind regelmäßig Teil solcher Springer-Events. Beim diesjährigen Welt-Wirtschaftsgipfel war mit Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Johann Wadephul, Karsten Wildberger, Alexander Dobrindt und Katherina Reiche ein großer Teil des aktuellen Kabinetts vertreten. Beim Gipfel trafen sie auf Unternehmensvertreter von Firmen wie Rheinmetall, Airbus, BMW, Siemens, Schwarz und der Deutschen Bank, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch Rahmenprogrammpunkte wie Abendessen oder Gästekreise gehören zu dem Angebot an Unternehmen, und auch crossmediale Berichterstattung durch Springer-Medien wird beworben.

Ein Sprecher sagte uns gegenüber, dass die inhaltliche Hoheit vollständig bei den jeweiligen Chefredaktionen liege und bei der Berichterstattung eine strikte Trennung von redaktionellen und kommerziellen Interessen vorgenommen werde, entsprechend den publizistischen Leitlinien. Sponsoring werde „wo erforderlich gekennzeichnet“, „geltendes Recht sowie Springer-interne Regeln wie z. B. der Code of Conduct oder die Leitlinien für journalistische Unabhängigkeit“ beachtet.

Und doch verschwimmt die Grenze zur Lobbyarbeit. Denn auch wenn alle diese Prinzipien eingehalten werden und Axel Springer selbst keine politischen Positionen vertritt, stellt der Medienkonzern eine Plattform, bei der Investoren, Unternehmen und politische Entscheidungsträger*innen aufeinandertreffen. Beim Welt-Sicherheitsgipfel werden etwa sicherheitspolitische Debatten organisiert und gestaltet: Entscheider*innen aus Regierung, Sicherheitsbehörden oder Militär treffen bei Axel Springer auf klassische Rüstungsindustrie und neue Defense-Tech-Unternehmen, darunter auch Vertreter von Palantir und Stark Defense.

Wie genau der Zugang zur Verleihung des Axel-Springer-Preises gehandhabt wird, ist nicht bekannt. Axel Springer schrieb uns, dass keine Tickets verkauft würden, die Veranstaltung auch hier jedoch von Sponsoren gestützt werde. Welchen Umfang das Sponsoring umfasst oder ob dafür etwa eine Teilnahme garantiert wird, bleibt offen. Auch bei anderen Events des Konzerns ist nicht transparent, welche Summen die teilnehmenden Unternehmen für Tickets oder als Sponsoren zahlen.

Wir wissen von ähnlichen Lobby-Netzwerkevents anderer Medienunternehmen, dass die Zugänge für hohe Summen verkauft werden. Schon beim deutlich weniger prestigeträchtigen Ludwig-Erhard-Gipfel wurden beispielsweise "Sponsoren-Pakete" für bis zu 80.000 Euro angeboten. Wenn Medienkonzerne gleichzeitig auch als Lobbynetzwerke agieren, entstehen Rollenkonflikte. Je größer die finanzielle Abhängigkeit von diesem Geschäftszweig, desto mehr könnten Zweifel aufkommen, ob über die gleichen Netzwerke auch unabhängig und kritisch berichtet werden kann.

Welchen unternehmerischen Stellenwert das Veranstaltungsgeschäft für Springer hat, wissen wir nicht. Wir können nicht nachvollziehen. ob sie nur eine Ergänzung zum klassischen Medienbetrieb darstellen oder gar ein neues Kerngeschäft. Das Unternehmen wollte sich nicht dazu äußern, wie hoch der Anteil des Event-Geschäfts an den Unternehmensgewinnen im letzten Jahr war.

Auch andere Medienhäuser nutzen für die Vermarktung und Vernetzung mit Politik und Wirtschaft Konferenzen oder Veranstaltungen, genauso wie Lobbyverbände. Insbesondere dann, wenn explizit mit politischem Zugang geworben wird, ist das problematisch. LobbyControl hat in der Vergangenheit etwa auch Veranstaltungen des Tagesspiegel kritisiert oder zuletzt das Ludwig-Erhard-Forum.

Die Aktivitäten von Springer heben sich aber noch einmal besonders ab. Der Konzern scheint explizit auf den Ausbau seiner Elite-Netzwerke zu setzen, etwa mit der Übernahme von Mehrheitsanteilen an „World Minds“, einem Netzwerk-Format, das „ausgewählten Personenkreisen hochwertige Einblicke zugänglich“ machen soll.

Aber auch Döpfners herausgehobene Position im Unternehmen als Anteilseigner, Vorstandsvorsitzender und Netzwerker verstärkt die problematischen Rollenkonflikte. Denn zusätzlich zu den finanziellen Gesamtinteressen des Konzerns, die auch von seinen Lobby-Netzwerkevents abhängen, gibt es auch noch die privaten finanziellen Interessen von Mathias Döpfner. Und der hat mehr Einfluss im Konzern denn je zuvor.

Medienmacht politisch genutzt?

Die Redaktionen der Springer-Medien sind offiziell unabhängig von der Konzernspitze, die auch keinen Einfluss auf die redaktionellen Inhalte nimmt. Das betonte Döpfner selbst immer wieder. Auch ein Sprecher des Medienhauses antwortete uns, dass die Entscheidung darüber, was veröffentlicht wird, allein bei der jeweiligen Redaktion liege. Der Vorstand lege die grundsätzliche Ausrichtung der Publikationen auf Basis der Unternehmenswerte fest, greife aber nicht in einzelne redaktionelle Entscheidungen ein.

Gut in Erinnerung ist allerdings noch die öffentliche Debatte über eine mögliche Einflussnahme Döpfners auf einen seiner Chefredakteure, nachdem die Zeit im Jahr 2023 angebliche Textnachrichten von Döpfner aus der Zeit des Bundestagswahlkampfes 2021 veröffentlichte. Besonders der Ausspruch „Please stärke die FDP“ wurde dabei kritisch diskutiert. Springer und Döpfner bezeichneten die Textnachrichten als „manipulative SMS-Fetzen“, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Den Vorwurf unzulässiger redaktioneller Einflussnahme wies Döpfner zurück.

Und auch Elon Musks Gastbeitrag in der Welt löste eine breite Debatte darüber aus, ob Springer seine Medienmacht nicht für politische Einflussnahme nutze. Musk durfte im Dezember 2024 einen Gastbeitrag in der Welt am Sonntag veröffentlichen und darin seine Wahlempfehlung für die AfD formulieren, mitten im Bundestagswahlkampf. Dagegen gab es Medienberichten zufolge erheblichen Widerstand in der Welt-Redaktion, die den Beitrag als „getarnte Wahlwerbung für die in Teilen gesichert rechtsextreme Partei AfD“ wertete. Die Ressortleiterin Meinung der Welt kündigte daraufhin.

Screenshot des Welt-Artikels zu Elon Musk
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Screenshot des Welt-Artikels zu Elon Musk

Die Chefredaktion entschied sich laut Medienberichten aber für die Veröffentlichung. Auch ein Sprecher antwortete uns, dass die Entscheidung über die Veröffentlichung allein vom damaligen Chefredakteur der WELT getroffen wurde. Es handele sich dabei nicht um eine Positionierung oder Unterstützung durch die Medienmarke WELT, sondern um einen Meinungsbeitrag eines externen Autors. Unmittelbar neben Musks Beitrag sei zudem ein Gegenkommentar des Chefredakteurs selbst gegenübergestellt worden.

Ebenfalls breit diskutiert wurde die Frage, wie es überhaupt zu einem Meinungsbeitrag des reichsten Mannes der Welt in einer deutschen Zeitung kam. Zwar gab es wilde Spekulationen, ob Mathias Döpfner – der nach eigener Aussage mit Musk bekannt ist – bei der Anbahnung eine Rolle gespielt haben könnte. Doch dafür gibt es keinerlei Belege und der Konzern dementierte das ebenfalls.

Unabhängig von den Inhalten oder der Wirkung der parallel abgedruckten Gegenposition des Chefredakteurs der Welt erregte der Beitrag vor allem viel Aufmerksamkeit und gab sowohl der Welt-Berichterstattung als auch der AfD Aufwind, denn der Gastbeitrag löste eine ganze Medienwelle aus. Musks Interventionen fokussierten die öffentliche Debatte auf die AfD und steigerten messbar die Sichtbarkeit, wie eine Studie des Leibniz-Institut für Medienforschung belegt. Auch die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel profitierte in der heißen Wahlkampfphase von der medialen Unterstützung durch Musk. Dazu gehörten sowohl der Gastbeitrag in der Welt am Sonntag als auch ein Live-Talk auf Musks Plattform X.

Demokratisches Problem

Döpfner bewegt sich in einem Umfeld von Milliardärs-Unternehmern, die extrem rechte Parteien aufwerten und demokratische Regulierung als Hindernis betrachten. Dass er das an der Spitze eines der größten Medienkonzerne Europas tut, macht es zu einem Demokratieproblem.

→ Mehr zu den MAGA-Netzwerken in Europa und der AfD:

Bürger*innen brauchen unabhängige Informationsquellen, um ihre Wahlentscheidungen zu treffen. Deshalb ist die Unabhängigkeit von Medien – sowohl von staatlichen als auch von privaten Interessen – mit verlässlichen Informationen unabdingbar in einer Demokratie. Medien-, PR- und Eventgeschäft in der gleichen Unternehmensstruktur zu haben, gefährdet jedoch die Unabhängigkeit der Berichterstattung, egal wie gut sie voneinander abgetrennt sind. Auch ohne Einflussnahme aus dem geschäftlichen Bereich kann es in Redaktionen zu Abwägungen oder Selbstzensur kommen, zum Beispiel weil bessere Karrierechancen antizipiert werden.

Genau deshalb ist es problematisch, wenn ein Medienkonzern wie Springer exklusive Netzwerkevents ausrichtet, bei denen Unternehmen und Politik aufeinandertreffen, oder wenn sie Preise an Unternehmer verleihen, über die sie eigentlich kritisch berichten sollen. Eine strenge Trennung von redaktionellem Geschäft und Eventgeschäft mag diese Problematik abschwächen, es löst sie aber nicht gänzlich auf.

Vermögende genießen ohnehin schon politische Einflusskanäle, die anderen Bürger*innen nicht zur Verfügung stehen. Sie können sich privilegierten Zugang zur Politik verschaffen oder mit millionenschweren Parteispenden auf Wahlkämpfe Einfluss nehmen. Das an sich ist bereits undemokratisch, denn politische Macht darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Wenn einzelne Milliardäre ganze Medienhäuser kontrollieren, verstärkt dies das Problem noch.

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