Zusammenfassung
- Die Großspenden sind zur Bundestagswahl 2025 so stark gestiegen wie noch nie. 2024/25 flossen rund 42 Millionen Euro.
- Auch wenn die vorgezogene Bundestagswahl einen direkten Vergleich erschwert, deutet einiges darauf hin, dass sich die Großspenden um die Wahl in etwa verdoppelt haben.
- Auch die Spendenbeträge eskalieren zunehmend. 2024/25 gab es sieben Großspenden über einer Million Euro. So hohe Einzelspenden sind besonders problematisch für die Demokratie.
- Die AfD steigerte ihre Einnahmen aus Großspenden von so gut wie nichts auf über 5 Millionen Euro im Jahr 2025. Es gibt erhebliche Verdachtsmomente auf Strohmannspenden.
- Wegen der relativen Obergrenze konnte die AfD die staatliche Parteifinanzierung bisher nicht voll ausschöpfen. Dadurch bekam sie über 45 Millionen Euro weniger Steuergeld, als möglich gewesen wäre. Durch die Spendenexplosion bei der Partei könnte sich das in Zukunft ändern.
- Großspenden sind Einfallstore für Einflussnahme und verzerren den politischen Wettbewerb. Parteispenden müssen deshalb gedeckelt werden.
Bereits im Herbst 2024 hatten wir einen Bundestagswahlkampf mit Rekordspenden prophezeit, doch dieses Ergebnis überrascht nun auch uns. Wir haben die Spenden über 35.000 Euro für die Jahre 2025 und 2024 ausgewertet. Das Ergebnis: Großspenden steigen so stark an, dass sie unsere Demokratie immer mehr gefährden.
Die Parteispenden über die Jahre zu vergleichen, ist gar nicht so einfach. In Bundestagswahljahren wird deutlich mehr gespendet als in anderen Jahren, bei Großspenden ganz besonders. Deshalb ist es sinnvoll, 2025 mit 2021 zu vergleichen und nicht mit einem Nichtwahljahr wie 2023. Allerdings war bei der Bundestagswahl 2025 einiges anders als 2021, das erschwert einen Vergleich.
Großspenden mehr als verdoppelt
Seit 2024 werden Spenden ab 35.000 Euro sofort veröffentlicht, vorher galt die Grenze von 50.000 Euro. Bei diesen Spenden wissen wir das genaue Datum des Spendeneingangs. Alle anderen Spenden werden erst bis zu zwei Jahre später in den Rechenschaftsberichten der Parteien veröffentlicht – allerdings ohne konkretes Eingangsdatum. Deshalb können wir bei der Wahl 2025 genau sagen, dass sich die Spenden über 35.000 Euro in der heißen Wahlkampfphase von Oktober 2024 bis Februar 2025 auf knapp 24 Millionen Euro beliefen. Für das Jahr 2021 können wir die entsprechende Zahl nicht errechnen. Daher können wir nur die Kalenderjahre 2021 und 2025 vergleichen, nicht aber die Wahlkampfphasen.

Und da sieht das zunächst nicht dramatisch aus: Im Jahr 2021 gab es insgesamt ein wenig über 20 Millionen Euro an Großspenden, im Jahr 2025 etwas über 22 Millionen Euro. Doch hier kommen wir zur zweiten Besonderheit der Bundestagswahl 2025. Anders als 2021 fand sie wegen des vorzeitigen Endes der Ampel nämlich nicht im September, sondern im Februar statt. Das bedeutet, der Wahlkampf und die entsprechenden Spenden verteilten sich auf zwei Kalenderjahre statt üblicherweise auf eines.
Und tatsächlich wurden auch im Jahr 2024 fast zwanzig Millionen Euro an Großspenden an die Parteien gegeben, 2024 und 2025 waren es also insgesamt 42 Millionen Euro an Großspenden. In einem Nichtwahljahr belaufen sich die Großspenden normalerweise auf 5-6 Millionen Euro. Diese Erkenntnis verändert das Bild deutlich. Dazu kommt: Allein in den fünf Monaten vor der Wahl wurde mit 24 Millionen Euro deutlich mehr gespendet, als im ganzen Kalenderjahr 2021. Es spricht deshalb viel dafür, dass sich die Großspenden seit 2021 in etwa verdoppelt haben.
Damit setzt sich ein gefährlicher Trend fort. Denn bereits zwischen der Bundestagswahl 2017 und der Wahl 2021 war ein massiver Anstieg der Großspenden zu verzeichnen.
Immer mehr Millionenspenden
Im Jahr 2024 und 2025 gab es sieben Spenden von mehr als einer Million Euro an eine Partei. Seit 2000 hatte es davor erst drei solcher Spenden gegeben. Doch besonders hohe Spenden sind auch besonders problematisch. Ein Blick in die USA zeigt, wie leicht Parteien und Kandidat*innen durch Millionenspenden beeinflusst werden können oder sogar in Abhängigkeiten geraten. Bürger*innen oder gesellschaftliche Gruppen, die keine solchen Beträge für Wahlkampfunterstützung aufbringen können, finden dafür immer weniger Gehör. Das zeigen regelmäßige Auswertungen, wen Regierungsmitglieder öfter treffen.

Doch auch ohne das Ziel politischer Einflussnahme sind solch hohe Spenden problematisch. Denn sie verzerren den politischen Wettbewerb im Interesse von Vermögenden und Unternehmen, weil den Parteien, an die sie spenden, dann deutlich mehr Mittel zur Verfügung stehen als anderen.
Das ist undemokratisch und nur möglich, weil es in Deutschland keine Obergrenze für Parteispenden gibt. Damit steht Deutschland zunehmend allein da: In 19 von 27 EU-Staaten gibt es inzwischen einen Parteispendendeckel. Auch in Deutschland ist er überfällig.
Großspender und Strohmänner
Ein Blick auf die Top-Spender zeigt, dass die höchsten Spenden keineswegs nur von Unternehmen kommen, sondern auch von natürlichen Personen. Bemerkenswert dabei: Die höchste Spende 2025 ist eine mutmaßliche Strohmannspende, die laut österreichischen Geldwäschebehörden eigentlich vom deutsch-schweizerischen Milliardär Henning Conle stammen soll. Conle taucht seit Jahren immer wieder als Finanzier im Umfeld der AfD auf, oft mit teils sogar illegalen Verschleierungskonstrukten.

Die mutmaßliche Strohmann-Spende von 2025 wurde deshalb von der Bundestagsverwaltung eingezogen. Die AfD geht aber rechtlich gegen die Einordnung der Bundestagsverwaltung vor. Auch bei einer weiteren Großspende an die AfD gab es öffentliche Diskussionen wegen des Verdachts auf eine Strohmannspende. Der angegebene Spender Horst Jan Winter hatte zuvor eine Millionenschenkung des Thüringer Unternehmers Udo Böttcher erhalten. Diese Spende wurde dennoch bisher nicht als illegale Strohmannspende eingestuft und verbleibt bei der AfD.
Ampel schloss Transparenz-Lücke
Positiv ist, dass die Spenden von Gerhard Dingler an die AfD und der Mediaforce AG an die SPD ohne die Ampel-Reform der Regeln für Parteispenden aus dem Jahr 2024 hier gar nicht auftauchen würden. Bei den Spenden handelte es sich nämlich um sogenannte Drittkampagnen, also Werbemaßnahmen von anderen Akteuren, die ohne Zutun oder Steuerung der Partei passieren.
Seit der Reform gelten solche Maßnahmen auch als Parteispenden und unterliegen damit auch den entsprechenden Transparenzpflichten. Damit wurde eine Lücke geschlossen, die vor allem im Umfeld der AfD kräftig ausgenutzt wurde, um Spenden zu verschleiern. Die Reform ist also ein Transparenzgewinn, auch wegen der oben bereits erwähnten Absenkung der Transparenzschwelle für zeitnahe Veröffentlichung von Spenden auf 35.000 Euro.
Auch die Spende der österreichischen Crypto-Börse Bitpanda an CDU, SPD, FDP und CSU in Höhe von insgesamt 1,75 Millionen Euro fällt auf. Durch das Aufteilen der Spende auf ein breites Parteispektrum ist sie der „politischen Landschaftspflege“ zuzurechnen, über die guter politischer Zugang für alle politischen Eventualitäten garantiert werden soll. Die Megaspende aus dem Crypto-Bereich spricht dafür, dass sich der sehr junge, aber kapitalstarke Sektor auch politisch Gehör schaffen möchte – ein Trend, der sich beispielsweise auch in den USA beobachten lässt.
Warum steigende Großspenden ein Problem sind
In Bundestagswahljahren gibt es immer einen steilen Anstieg bei Großspenden. Zum einen lässt sich das damit erklären, dass potenzielle Spender*innen Parteien natürlich eher bei wichtigen Wahlkämpfen unterstützen möchten. Zum anderen nutzen Großspender*innen ihre Parteispenden auch, um sich bereits frühzeitig mit neuem politischen Personal gutzustellen und so nach der Wahl ein offenes Ohr für ihre Interessen finden zu können.
Das lässt sich gut daran zeigen, dass sich die Spenden vor Wahlen oft sehr strategisch bewegen. Vor der Bundestagswahl 2021 war etwa unklar, ob am Ende Union oder SPD vorn liegen würden. Klar war allerdings, dass die Wahlgewinnerin mit hoher Wahrscheinlichkeit mit FDP und Grünen koalieren würde. Entsprechend wanderten die Großspenden weg von Union und SPD und hin zu FDP und Grünen.
Das offenbart direkt ein zentrales Problem der Parteienfinanzierung in Deutschland: Rechtlich ist ganz explizit vorgesehen, dass Parteispenden nur als Unterstützung für eine politische Richtung gegeben werden und nicht in der Hoffnung auf politische Vorteile. Doch die Spendendaten deuten darauf hin, dass genau das passiert.
Denn selbst wenn Großspenden nicht mit dem Ziel eines direkten Einflusses gegeben werden, verzerren sie den politischen Wettbewerb zugunsten von Vermögenden und Unternehmen – und sind deshalb per se undemokratisch. Es ist daher höchste Zeit, dass die Politik der Eskalation bei den Großspenden entschieden entgegentritt und Maßnahmen ergreift, um die Resilienz unserer Demokratie zu stärken. Die einfachste und wichtigste Maßnahme ist dabei ein Parteispendendeckel.
Ohne eine Obergrenze für Parteispenden drohen uns US-amerikanische Verhältnisse, sollte sich der gegenwärtige Trend fortsetzen. In den USA werden teils Spenden in Höhe von dreistelligen Millionenbeträgen gegeben. Selbst der innerparteiliche Wettbewerb, welche Kandidat*innen überhaupt antreten dürfen, wird massiv von der Fähigkeit, Spenden einzutreiben, bestimmt.
Spendenexplosion bei der AfD
Bei der AfD zeigte sich 2025 eine wahre Spendenexplosion. Zwar erhielt die CDU insgesamt noch mehr Spenden, doch keine andere Partei konnte einen so extremen Anstieg verzeichnen. Vorher konnte die Partei so gut wie keine Großspenden einwerben – zumindest nicht offen. Zwischen 2020 und 2024 hatte die AfD in diesem Bereich insgesamt nur magere 500.000 Euro eingenommen. 2024 musste sie keine einzige Großspende veröffentlichen. Eine offene Unterstützung der demokratiefeindlichen Partei war nicht nur strategisch unattraktiv, sie ging auch mit einem erheblichen sozialen Stigma einher.
Im Jahr 2025 waren es dann plötzlich über 5 Millionen Euro an Großspenden – also das Zehnfache dessen, was sie in den vier Jahren davor eingenommen hatte. Bemerkenswert daran ist auch, dass 95 Prozent dieser beachtlichen Summe von nur drei Spendern stammen.

Die Großspenden 2025 machen anschaulich, dass eine offenere Unterstützung der extrem rechten Partei salonfähiger geworden ist. Vermögende und Unternehmen bringen sich zunehmend in Stellung für eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD auf Landesebene.
Das zeigte sich auch unlängst bei Vorstößen des Lobbyverbandes Die Familienunternehmer und der Münchner Sicherheitskonferenz, nun auch AfD-Politiker*innen zu ihren Veranstaltungen einzuladen. Im Falle der Familienunternehmer führte eine Welle von öffentlicher Kritik zu einem Zurückrudern des Verbandes. Doch beide Vorstöße sind symptomatisch für einen Stimmungs- und Strategiewechsel in sehr etablierten Lobbysphären.
Warum wachsende AfD-Einnahmen ein Problem sind
Die AfD ist keine normale Partei, sondern wurde als gesamte Partei vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Auch wenn die AfD juristisch dagegen vorgeht und ein finales Gerichtsurteil noch aussteht, sagt das jedoch bereits jetzt einiges über ihr Verhältnis zum Grundgesetz aus. Wenn Vermögende und Unternehmen zunehmend ihre beträchtlichen Ressourcen hinter diese Partei stellen, bedeutet das Alarmstufe Rot für unsere Demokratie.
Zusätzlich alarmierend ist, dass die AfD von einer globalen rechtsautoritären Bewegung unterstützt wird, die ihr Epizentrum in den USA hat. Im Wahlkampf bekam sie bereits Rückenwind aus dem MAGA-Lager des US-Präsidenten Donald Trump. Elon Musk, der reichste Mann der Welt, unterstützte die AfD mit den Ressourcen seiner Plattform X und einem Beitrag im Springermedium DIE WELT. Seitdem sind die Einmischungen der USA in nationale oder regionale Wahlen noch dreister und erpresserischer geworden, wie man in Argentinien, Honduras oder auch Frankreich sehen kann.
Eine besondere Gefahr für die Zukunft ist, dass diese Unterstützung weiter steigen kann, insbesondere auch durch Großspenden. Bereits 2024 hatte Elon Musk in den Raum gestellt, 100 Millionen US-Dollar an die extrem rechte Partei „Reform UK“ in Großbritannien zu spenden. Auch wenn sich diese am Ende, möglicherweise wegen eines Zerwürfnisses von Musk und der Reform- UK-Spitze, nicht verwirklichte, stellt so eine Spende auch in Deutschland eine mögliche Gefahr dar. Zwar sind Spenden von außerhalb der EU formal verboten, aber es gibt so viele Schlupflöcher, dass es ein Leichtes wäre, der AfD einen Hundert-Millionen-Betrag zukommen zu lassen. Solange es in Deutschland keine Obergrenze für Parteispenden gibt, sind wir vor einer solchen Einflussnahme aus dem Ausland nicht geschützt.
Entscheidende Landtagswahlen: mehr Spenden für die AfD zu erwarten
2026 ist in Deutschland ein Superwahljahr. In fünf Bundesländern wird es Wahlen geben. Besonders kritisch sind dabei Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, denn in beiden Bundesländern wird es nach aktuellen Prognosen schwer, Mehrheiten ohne die AfD zu organisieren. In Sachsen-Anhalt ist sogar eine alleinige absolute Mehrheit für die AfD denkbar – womit eine AfD-Landesregierung garantiert wäre.
Deshalb ist zu erwarten, dass es auch in diesem Jahr Vermögende oder Lobbygruppen – besonders aus diesen Bundesländern – geben wird, die erstmalig größere Summen an die AfD spenden, um sich im Falle einer AfD-Regierungsbeteiligung gut zu positionieren.
Allerdings ist nicht garantiert, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, da die Transparenzpflichten für Parteispenden bisher unzureichend sind. Gerade auf Landesebene können Spenden unter 10.000 Euro bereits einen Unterschied machen. Doch diese Spenden werden erst im Rechenschaftsbericht 2028 sichtbar – viel zu spät. Außerdem wird bei Spenden nicht offengelegt, ob an einen Kreis- oder Landesverband oder an die Bundespartei gespendet wurde. Das erschwert die Überprüfung von möglichen Einflussspenden erheblich.
Obendrein gibt es zu viele Schlupflöcher und die für die Kontrolle der Spenden zuständige Bundestagsverwaltung ist mit zu wenig Ressourcen und Befugnissen ausgestattet. So ist es zu einfach, die Transparenzpflichten zu umgehen.
Jeder Spenden-Euro an die AfD wird mit Steuergeld verdoppelt
Doch dass sich die AfD über einen Geldsegen an Großspenden freuen kann, ist auch noch aus einem anderen Grund besonders relevant. Denn derzeit wird jeder Spendeneuro an die AfD mit Steuergeld aufgedoppelt. Das liegt an den besonderen Regeln für staatliche Parteienfinanzierung in Deutschland. Wie viel staatliche Parteienfinanzierung einer Partei zusteht, errechnet sich in einer recht komplizierten Formel aus vergangenen Wahlergebnissen und erhaltenen Spenden von weniger als 3.300 Euro. Allerdings darf eine Partei nach deutschem Recht nie mehr Geld vom Staat erhalten, als sie aus eigener Kraft erwirtschaftet hat. Diese sogenannte relative Obergrenze soll verhindern, dass sich Staatsparteien bilden, und sicherstellen, dass Parteien in der Gesellschaft verwurzelt sind.
Das bedeutet: Selbst wenn eine Partei dank ihrer Wahlergebnisse theoretisch mehr staatliche Förderung abrufen könnte, wird nie mehr ausgezahlt, als die Partei aus privaten Quellen eingenommen hat. Zu den Einnahmequellen zählen vor allem Spenden, Mitglieds- und Mandatsträgerbeiträge und Sponsoring sowie anderweitige unternehmerische Tätigkeiten.
Die einzige Partei im Bundestag, die bisher konsequent an dieser relativen Obergrenze scheitert, ist die AfD. Seit 2015 hat die AfD nicht mehr genug eingenommen, um die vollen staatlichen Mittel einzunehmen. In den zwei Jahren davor erreichte sie die Schwelle nur, weil sie dank einer inzwischen geschlossenen Gesetzeslücke ihre Einnahmen noch künstlich in die Höhe treiben konnte, indem sie Gold zum Marktwert an- und wieder verkaufte.

Die Partei hat so seit 2015 über 45 Millionen Euro weniger Steuergeld bekommen, als sie durch ihre Wahlergebnisse hätte abrufen können. Dieser hohe Betrag ergibt sich daraus, dass die AfD sehr hohe Wahlergebnisse erzielt, aber nicht viele Spenden einwerben konnte. Wohl auch deshalb fiel die AfD in der Vergangenheit immer wieder damit auf, dass sie politisch und juristisch riskante Spenden angenommen hatte.
Wenn man die aktuellen Entwicklungen betrachtet, spricht vieles dafür, dass der AfD in Zukunft kein Steuergeld mehr entgeht. Denn wenn sich nun Vermögende und Unternehmen zunehmend offen der Partei zuwenden und sie dadurch einen Spendenboom verzeichnen kann, dann bekommt sie auch mehr staatliche Parteienfinanzierung. Gut möglich, dass sie in Zukunft nicht mehr an der relativen Obergrenze scheitern wird.
Parteispendendeckel für eine resiliente Demokratie
Doch egal, an welche Partei sie gehen: Großspenden sind per se undemokratisch. Sie sind ein Einfallstor für Einflussnahme und Abhängigkeiten in der Politik. Sie geben Vermögenden die Macht, den politischen Wettbewerb in ihrem Interesse zu verzerren. So erodiert das Vertrauen in demokratische Institutionen. Eine derartige Eskalation, wie wir sie derzeit bei den Großspenden in Deutschland sehen können, ist deshalb eine kritische Entwicklung. Die schwarz-rote Koalition muss darauf umgehend reagieren.
Es braucht strengere Regeln für Parteispenden, um die Resilienz unserer Demokratie sicherzustellen. Das Parteiengesetz muss dringend umfassend reformiert werden, um der wachsenden Einflussnahme auf den politischen Prozess wirksam zu begegnen und die Funktionsfähigkeit demokratischer Institutionen zu sichern.

Parteispenden: Jetzt Deckel drauf!
Spenden für Parteien dürfen in Deutschland beliebig hoch sein. Das ist undemokratisch, da viel Geld viel Einfluss bedeutet. Es muss endlich ein Deckel auf die Parteispenden!
Jetzt Appell unterschreiben!Folgende Schritte wären dafür nötig:
- Eine Obergrenze für Spenden und Sponsoring in Höhe von 50.000 Euro pro Spender*in und Jahr ist die wichtigste Maßnahme und vergleichsweise schnell und einfach umzusetzen.
- Kontroll- und Durchsetzungsmöglichkeiten müssen gestärkt werden. Dazu gehört eine wirklich unabhängige Aufsichtsbehörde mit Ermittlungsbefugnissen und mehr Ressourcen.
- Die Veröffentlichungsschwellen müssen deutlich gesenkt werden. Parteispenden ab 10.000 Euro müssen sofort nach Spendeneingang offengelegt werden. Zuwendungen ab 2000 Euro müssen namentlich in den Rechenschaftsberichten der Parteien genannt werden.
- Spenden an Untergliederungen einer Partei müssen auch als solche gekennzeichnet werden, damit die gezielte Förderung einzelner Gebietsverbände oder Politiker*innen transparent ist.



