
Zu den 100 größten Lobbyakteuren zählen nur sieben gemeinwohlorientierte Organisationen, aber 84 Akteure mit Wirtschaftsinteressen. Von diesen Akteuren gibt die Wirtschaftslobby mehr als 7-mal so viel aus wie gemeinwohlorientierte NGOs. Damit hat sich das Machtungleichgewicht zwischen wenigen NGOs und einer finanzstarken Wirtschaftslobby weiter verschärft.
Schon im letzten Jahr hatten wir mit den Zahlen des Lobbyregisters gezeigt, wer zu den größten 100 Lobbyakteuren nach Lobbyausgaben zählt: Wirtschaftslobbyverbände und Konzerne haben mit großem Abstand die höchsten Lobbyausgaben. Klar mit Zahlen konnten wir belegen, dass das Gerede von einer angeblich finanzstarken „Klimalobby“ oder vermeintlich übermächtigen NGOs höchst irreführend ist. Die Zahlen beziehen sich alle auf das Jahr 2024, neuere Zahlen liegen noch nicht vor.
NGOs klar in der Unterzahl
Nur sieben Akteure zählen im weiteren Sinne als Nichtregierungsorganisationen, die gemeinwohlorientierte Ziele verfolgen. Dazu zählen der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact, der Verbraucherschutzverband ADAC, der katholische Wohlfahrtsverband Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie Greenpeace.
Nur zwei Verbände sind Umweltverbände, wobei auch Campact viel zum Thema Klima und Umwelt arbeitet. Zu den großen Umweltverbänden im weiteren Sinne zählen in Deutschland vor allem Tierschutzverbände, wie unsere Auswertung zeigt. Doch selbst diese großen Umwelt- und Tierschutzverbände sind finanziell klein im Vergleich zur Wirtschaftslobby: Die 20 größten Wirtschaftslobbyakteure geben mehr als 15-mal so viel für ihre Lobbyarbeit wie die 20 größten Umweltverbände aus.
Die 20 größten Wirtschaftsverbände
| Wirtschaftsverband | Lobbyausgaben (mind.) in Euro |
| Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) | 15.290.001 |
| Verband der Automobilindustrie (VDA) | 9.900.001 |
| Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) | 9.270.001 |
| Verband der Chemischen Industrie (VCI) | 9.150.001 |
| Verband kommunaler Unternehmen (VKU) | 8.220.001 |
| Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) | 7.810.001 |
| Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) | 5.660.001 |
| Wirtschaftsrat der CDU | 5.320.001 |
| Bundesverband deutscher Banken | 5.060.001 |
| Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) | 5.050.001 |
| Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) | 4.980.001 |
| Deutscher Bauernverband (DBV) | 4.930.001 |
| Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) | 4.690.001 |
| Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) | 3.210.001 |
| Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) | 2.840.001 |
| Hauptverband der Deutschen Bauindustrie | 2.620.001 |
| BVI Bundesverband Investment und Asset Management | 2.610.001 |
| Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) | 2.560.001 |
| Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) | 2.530.001 |
| Zentralverband des Deutschen Baugewerbes | 2.380.001 |
Quelle: Lobbyregister, Stand Februar 2026
Die 20 größten Unternehmen
| Unternehmen | Lobbyausgaben (mind.) in Euro |
| EnBW Energie Baden-Württemberg AG | 3.410.001 |
| BASF SE | 3.260.001 |
| REWE-Zentralfinanz eG | 2.990.001 |
| Volkswagen AG | 2.790.001 |
| Deutsche Lufthansa AG | 2.750.001 |
| E.ON SE | 2.610.001 |
| Robert Bosch GmbH | 2.480.001 |
| Uniper SE | 2.330.001 |
| Thyssenkrupp Steel Europe AG | 2.290.001 |
| Huawei Technologies Deutschland GmbH | 2.240.001 |
| Schwarz Corporate Affairs GmbH & Co. KG | 2.210.001 |
| Airbus Defence and Space GmbH | 2.210.001 |
| Deutsche Bahn | 2.170.001 |
| Rud Pedersen Public Affairs Germany GmbH | 2.160.001 |
| Deutsche Telekom AG | 2.020.001 |
| Evonik Industries AG | 2.010.001 |
| UNIO Enterprise GmbH | 1.940.001 |
| EUTOP Europe GmbH | 1.870.001 |
| Deutsche Bank AG | 1.830.001 |
| Deutsche Post AG | 1.800.001 |
| Commerzbank AG | 1.790.001 |
Quelle: Lobbyregister, Stand Februar 2026
Autolobby steigert Lobbyausgaben
Zu den finanzstärksten Akteuren aus der Wirtschaft zählen zuvorderst Wirtschaftslobbyverbände aus Branchen wie der Finanz-, Chemie- und Autoindustrie. Auch wieder mit dabei ist der CDU-nahe Lobbyverband „Wirtschaftsrat der CDU” auf Platz 8 der größten Wirtschaftsverbände, der durch seinen Namen und seine Mitgliedschaft im CDU-Parteivorstand einen direkten Lobbykanal in die CDU bietet.
Auch große transnationale Konzerne zählten zu den Akteuren mit den höchsten Lobbyausgaben, darunter auf den ersten drei Plätzen der Energiekonzern EnBW, der Chemiekonzern BASF als Konzern mit sehr hohem Gasbedarf sowie der Einzelhandelskonzern Rewe. Auffällig ist erneut, dass viele Konzerne aus dem Energiebereich besonders hohe Lobbyausgaben haben. Als einziger ausländischer Konzern ist - wie bereits im letzten Jahr - der chinesische Techkonzern Huawei in der Liste der Top 20 dabei.
Der Aufsteiger des Jahres ist der Verband der Automobilindustrie VDA. Seine Lobbyausgaben erhöhten sich von 2023 auf 2024 von 7,3 Mio. Euro auf fast 10 Mio. Euro, was einer Steigerung von rund 35 Prozent entspricht. Auch der Autokonzern Volkswagen steigerte seine Lobbyausgaben im gleichen Zeitraum immerhin um knapp sieben Prozent. Möglicherweise bereiteten sich diese Akteure schon auf die mittlerweile beschlossene Aufweichung des „Verbrenner-Aus“ vor, zu der seit Jahren und speziell in den letzten Monaten eine große Lobbyschlacht läuft.

Diffamierungskampagnen gegen zivilgesellschaftliche Organisationen
Zivilgesellschaftliche Organisationen sind einer neuen Diffamierungskampagne ausgesetzt. Dahinter stehen Akteure aus dem Umfeld der AfD, Teilen der Union sowie Konzernlobbyisten. Mit Falschmeldungen, Klagen, Infragestellen von Beteiligungs- und Klagerechten und Kritik an öffentlichen Fördergeldern versuchen sie, zivilgesellschaftliches Engagement zu schwächen. Die Akteure und Strategien dieser Kampagnen haben wir in einer Studie aufgezeigt.
Unsere aktualisierte Auswertung des Lobbyregisters zeigt nun noch einmal deutlich: Gemeinwohlorientierte Organisationen sind als Korrektiv und Gegengewicht zur Übermacht von Konzerninteressen enorm wichtig – aber auch als Räume für demokratisches Engagement. Dass Unternehmen und Wirtschaftsverbände in der Politik Gehör finden, ist richtig und wichtig. Dies darf aber nicht zu einseitiger Einflussnahme führen. Doch das Lobbyungleichgewicht verschärft sich immer weiter.

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In Brüssel lässt sich derzeit genau beobachten, wie Konzerninteressen immer dominanter werden. Politische Errungenschaften, durch zivilgesellschaftliches Engagement erkämpft, werden massiv zurückgeschraubt. Das gilt für den Schutz von Menschenrechten ebenso wie Schutzregeln für Gesundheit, Umwelt und Klima.
Demokratie lebt von vielfältigem demokratischen Engagement. Zivilgesellschaftliche Organisationen brauchen Schutz statt Diffamierung: der Umweltverband, die Initiative gegen Rechtsextremismus genauso wie der engagierte Sport- oder Blasmusikverein vor Ort. Das gilt besonders in diesem Jahr, in dem viele Wahlen anstehen.
Gerade Politiker*innen aus der Union sollten sich nun klar zu einer starken Zivilgesellschaft bekennen – und Kräften in der Gesellschaft und in ihrer eigenen Partei entgegentreten, die sich an der Abwertung solchen Engagements beteiligen.


