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Investment-Banker Dombret entert Bundesbank

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Gold im Keller der Bundesbank. Pressefoto Bundesbank, Quelle: wiki-commons

Mit Andreas Dombret steht ein ehemals führender Manager der Bank of America vor dem Eintritt in den Vorstand der Bundesbank. Während Finanz-Blätter wie Financial Times und Handelsblatt diesen Seitenwechsel beinahe euphorisch begrüßen, kommt LobbyControl zu einem ganz anderen Schluss: Hier wird ein Mitverursacher der Welt-Finanzkrise in jene Behörde gehievt, welche in Zukunft die Hoheit über die deutsche Bankenaufsicht haben wird.

Wir wissen, was er 2006 gesagt hat

Wie schlecht für Andreas Dombret, dass es Suchmaschinen gibt, mit denen seine Äußerungen der letzten Jahre binnen Sekunden auffindbar sind. Zum Beispiel sagte der damalige Top-Manager der Bank of America in Europa gegenüber dem Handelsblatt im Jahre 2006 Dinge, die so falsch waren, dass man den Mann nicht in einem so wichtigen Posten sehen will:

„Der Markt ist nicht überhitzt“, sagte Deutschland-Chef der Bank [of America], Andreas Dombret. Er zeigte sich davon überzeugt, dass das Geschäft auf Jahre hinaus florieren wird. Daher sei das Geschäft mit Finanzinvestoren in Deutschland eines der vorrangigen Wachstumsfelder der Bank. Andere Experten, so das Handelsblatt damals, warnten bereits deutlich vor einer Überhitzung auf dem Übernahmemarkt. Zugleich fielen auf dem US-Immobilienmarkt die Preise bereits Ende 2005/ Anfang 2006.

Was später passierte: Gerade der von Dombret erwähnte Bereich der Investment-Banken kollabierte nahezu vollständig, so dass sich eine ganze Branche binnen zwei Jahren quasi auflöste:

  • 14. März 2008 Kollaps der Investmentbank Bear Stearns
  • 15. September 2008 Die Investmentbank Lehmann Brothers bricht zusammen. Die Investmentbank Merrill Lynch entgeht diesem Schicksal knapp durch einen Notverkauf an die  Bank of America, die darauf hin selbst in Schwierigkeiten geriet und Milliardenhilfe von der US-Regierung erhielt.

Just für jene Bank of America arbeitete Dombret als Experte für Übernahmen. Wie das Handelsblatt berichtete, hatte sich Dombret intern um die Leitung der einverleibten Merrill Lynch beworben, war aber nicht an einem amerikanischen Mitbewerber aus der Bank of America vorbei gekommen. Dombret schied im September 2009 bei der Universalbank aus. Bereits im Mai 2008 hatte er sich um den Chefposten der staatlichen KfW Bankengruppe beworben und war damals gescheitert. Jetzt soll das CDU-Mitglied Dombret als erster Investmentbanker überhaupt in den Vorstand der Bundesbank einziehen.

Dombrets Netzwerke

Andreas Dombret ist aber nicht nur ein Ziehkind der Investmentbank-Branche (Deutsche Bank, Rothschild, JP Morgan, Bank of America, siehe z.B. Lebenslauf hier und hier). Er gehört oder gehörte auch zahlreichen elitären Netzwerken und Think-Tanks an (Konvent für Deutschland, Atlantikbrücke) und hat enge Verbindungen zur Finanzlobby, die seine Berufung in die Bundesbank sehr problematisch machen. Hier eine Aufstellung seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten, wie sie am 12 März 2010 in wikipedia erwähnt werden – interessanterweise bei Wikipedia direkt von der Bank of America in Concorde (USA) eingestellt:

>> Kuratoriums- bzw. Beiratsmitglied des Center for Financial Studies an der Universität Frankfurt, des Konvents für Deutschland [inzwischen ausgeschieden], des Fördervereins der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, des Vereins für Bankberufsbildung im Bundesverband deutscher Banken, der Atlantikbrücke, des Euroforums, der Schirn Kunsthalle Frankfurt, des Frankfurter Kultur Komitees, des Museums in Wiesbaden, der Museumsinsel Berlin, sowie der Österreichischen Bankwissenschaftlichen Gesellschaft. Weiter ist er Mitglied des Auslandsbankenausschusses im Bundesverband deutscher Banken, des Ausschusses für Government Relations und Corporate and Business Law der American Chamber of Commerce in Deutschland, des Vorstandes des Deutschen Aktieninstitutes und des Alumninetzwerkes der Deutschen Bank „Deutsche Alumni“ sowie Mitherausgeber der “Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen”. <<

Bleibt die naive Hoffnung, dass Horst Köhler ein Einsehen hat. Der Bundespräsident muss Dombret, der vom Bundesrat vorgeschlagen wird, in den Vorstand der Bundesbank bestellen. Herr Köhler, der sie die verselbständigten Finanzmärkte einst beschworen, greifen Sie jetzt durch. Bestellen Sie ihn nicht!

Ein Kommentar

  1. Die Netzwerke von diesem Typen lesen sich fast gleich wie die von Verteidigungsminister von Guttenberg. Praktisch identisch. Das ist der völlige Hammer. Hauptsache Transatlantiker, könnte man sagen!
    Ach ja, unsere immerwährenden Amerikanischen Freunde.

    Irgendjemand interessiert, was eigentlich aus den 3’500 tonnen Gold der Bundesbank geworden ist? Nein… wir haben ja immer noch Frauenförderung und GenderMainstreaming und es geht uns ja, verglichen mit anderen soooo gut.
    Trotzdem erwähne ich einen Auszug von Dr. Bruno Bandulet aus seinem letztjährigen Vortrag hier in der Schweiz betr. Deutsche Goldreserven:

    In Deutschland verhält es sich so, dass der allergrösste Teil der Goldbarren im Keller der Federal Reserve Bank of New York verwahrt wird. Als der frühere CDU Abgeordnete Hohmann im Bundestag danach fragte, gab die Regierung nur ausweichende und irreführende Antworten. Ich habe darüber schon vor Jahren publiziert. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass der damalige Bundesbankpräsident Blessing Ende der Sechzigerjahre in einem Schreiben an die Federal Reserve der „Immobilisierung“ der deutschen Goldreserven zusagte. Sie würden nicht aus den USA abgezogen, solange das US Militär Stützpunkte in Deutschland unterhält. Ein ehemaliger Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium sagte mir, dass die Amerikaner das deutsche Gold als Pfand betrachten. Und ein Mitglied des Zentralbankrates der Bundesbank verriet mir, die Bundesbank könne ihr Gold allenfalls unter einem Vorwand und in kleineren Mengen aus New York abziehen; alles andere werde als Misstrauensbekundung aufgefasst. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

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