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und Demokratie.

Lobbyismus in der Schule, Parteienfinanzierung und Sponsoring – LobbyControl in den Medien

Gestern wurde in der Sendung „nano“ auf 3sat ein Beitrag über Lobbyarbeit an der Schule gezeigt, in dem unter anderem unser Vorstandsmitglied Dieter Plehwe zu Wort kommt. Unterrichtsmaterialen, früher die Domäne didaktischer Verlage, werden zunehmend auch von Wirtschaftsunternehmen erstellt und Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt – in Zeiten knapper Kassen und steigender Anforderungen an die Aktualität des Lernstoffs auf den ersten Blick gewiss ein attraktives Angebot. Allerdings handeln die Firmen nicht aus Mildtätigkeit. Das Motto lautet „Kontakt schafft Sympathie“; man verspricht sich ganz offen künftige Kundschaft aus den Reihen der beschenkten SchülerInnen. So könnte manche Unterrichtsstunde zur längsten Werbepause des Tages geraten. Besonders wenn die Kaugummi-Industrie darüber „informiert“, wie sehr Kauen die Gehirntätigkeit stimuliert, oder die Mineralwasser-Industrie die Vorzüge des Trinkens im Unterricht thematisiert. Auch wirtschaftsnahe Meinungsmacher versuchen, in den Klassenzimmern Fuß zu fassen. Sie werben nicht für ein Produkt, sondern für eine politische Idee oder Ausrichtung. Ein besonders brisantes Beispiel ist eine Broschüre des Instituts der deutschen Wirtschaft, die jungen Menschen erklären will, es gäbe in Deutschland eine massive Umverteilung von oben nach unten.

Anlässlich der Kampagne zur Parteienfinanzierung erläuterte Heidi Klein, ebenfalls aus unserem Vorstand, in der Nachrichtensendung MDR-Aktuell vom 11.März. die Forderungen des Bündnisses von LobbyControl, Transparency International, Campact und Mehr Demokratie. Die Aktion läuft noch – Unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell! Über 19.000 Menschen haben bereits bei LobbyControl und Campact unterzeichnet. Unterstützen auch Sie unsere Forderungen nach Transparenz und Beschränkung von Parteienfinanzierung durch Unternehmen und Verbände!

Einem Stern-Artikel vom 4. März ist der wenig erkenntnisfördernde Verlauf einer aktuellen Stunde im Bundestag zu entnehmen, in der es um die Frage ging, ob und wie korrupt Politiker sind. Wesentlich substanzieller fanden die Autoren erfreulicherweise unsere Pressekonferenz zum Thema Parteispenden und -sponsoring :-)

6 Kommentare

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    Das ist absoluter schwachsinn
    ich bin bekennender Lobbyist und habe dadurch viel Geld gemacht
    geld ist Macht
    Macht macht glücklich <3
    ihr werdet nie das durchsetzten, was ihr wollt, ohne dass ihr in der geheimorganisation der Lobbyisten seid
    ich werde in Zukunft den Handel und Gebrauch von Mariuhana legalisieren … ihr werdet schon sehen, was euch der Lobbyismus bringt

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    Erschreckend! Aber nichts neues. In den USA gibt es diese Umtriebe der Lobbyisten in manchen Schulen schon lange. Weil sich viele Eltern nicht mehr die Bücher ihrer Kinder leisten können, werden sie von den Großkonzernen gesponsert. Im Gegenzug steht dann in den Büchern schonmal zu lesen, dass McDoof wichtig sei für ein gutes, ausgewogenes Frühstück. Dann gibt es in einigen Schulen eine Art „Schulfernsehen“. Da erfahren die wissbegierigen Kinder dann, wie sehr sich beispielsweise ExxonMobil für die Umwelt einsetzt. So wird schon bei den Jüngsten Gehirnwäsche betrieben. Das ist umso verwerflicher, weil Kindern natürlich noch die Fähigkeit zur Kritik und zum Hinterfragen fehlt und weil diese Manipulationen ausgerechnet in Schulen stattfinden.

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    Hallo.
    Danke für Recherche und Bericht.

    An Schulen sollte meiner Meinung nach auch das Militär, also die Bundeswehr nicht Werbung machen dürfen. Oder einseitig „informieren“.
    Probiert sie jetzt aber zunehmend mittels Vertrag mit Landes-Kultusministerien. Jüngst in Rheinland-Pfalz. Baden-Württemberg auch.

    Nur noch wenige Tage werden Unterschriften gesammelt für eine Petition in der die Aufkündigung dieser Vereinbarung gefordert wird.

    externer link:
    http://www.coolingstar.de/agf/content/sonderseite-zur-kooperationsvereinbarung-zwischen-bildungsministerium-und-bundeswehr

    Schule ist sowieso ein brisantes Thema. Bei der derzeitigen Politik kommt mir eine funktionale Benennung als „Nachwuchsverwaltung“ in den Sinn. Und LehrerInnen wäre dort „Nachwuchsverwaltungs-Fachkräfte“. Inhaltlich gäbe es viel zu sagen zu „Schule, Pädagogik und selbstbestimmtem Lernen“, – aber Sponsoring/Werbung – das geht ja mal gar nicht!

    Gruß an Alle,
    Jörg

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    der Link zu MDR-Aktuell geht leider nicht.

    • H. Klein

      Antwort an steffenzi:
      Leider ist der Beitrag nur eine Woche im Medienarchiv – sorry!
      Heidi Klein

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    Ein Artikel zu Sponsoring und Werbung in Österreichs Schulen: http://derstandard.at/1256744465463/Schulsponsoring-Die-ausverkaufte-Schule