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Lobbykampf um CO2-Reduktionen für Autos geht weiter

Lobbyismus und Klima

Die Lobbyarbeit der deutschen Autoindustrie gegen Pläne von EU-Umweltkommisar Dimas zur CO2-Reduktion schlägt weiter Wellen. Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen, der selbst aus der Autoindustrie stammt, kritisiert auf Spiegel Online:

„Was mich wirklich enttäuscht und ärgert“, sagt Dudenhöffer, „ist diese ständige Verteidigungsstrategie des VDA“ (Verband der Deutschen Automobilindustrie). Die Herren aus der Vorstandsriege täten geradezu so, als kämpften sie gegen den Weltuntergang. „So wird man auf Dauer unglaubwürdig“, sagt Dudenhöffer. „Denn die immergleichen Abwehrrituale haben wir schon beim Dreiwege-Katalysator oder beim Rußpartikelfilter erlebt.“ Ein konstruktiver Vorschlag, wie beides in Einklang zu bringen ist – eine florierende deutsche Autoindustrie und eine schnelle und spürbare Senkung des CO2-Ausstoßes – gab es vom VDA bislang nicht.

Mit ihrer Blockadehaltung wird die deutsche Autoindustrie vermutlich einen Teilerfolg erringen, indem u.a. Biokraftstoffe bei der CO2-Reduktion mit angerechnet werden. Morgen will die EU-Kommission ihr Strategiepapier vorlegen.

In ihrer Öffentlichkeitsarbeit verweist die Autoindustrie dabei immer wieder auf die Cars 21-Expertengruppe, die Günter Verheugen ins Leben gerufen hat. So etwa Carl-Peter Forster, der Europachef von General Motors (Opel) in einem Interview: „Man darf nicht vergessen, dass Herr Dimas in einer Arbeitsgruppe saß, die sich Cars 21 nannte. Den Vorsitz hatte der Vizepräsident der EU-Kommission, Herr Verheugen. Diese Arbeitsgruppe hat miteinander einen sehr sauberen Rahmen zum Thema Emissionen entwickelt.“ Was Herr Forster nicht sagt: die Kommission war extrem einseitig zugunsten der Autoindustrie besetzt. Sie ist bereits ein Beleg für den übermäßigen Einfluss der Autolobby und für undemokratische Verfahren in der EU (mehr dazu hier).

Streit um Biokraftstoffe
Während die Autoindustrie für die Einbeziehung von Biokraftstoffen kämpft, haben über 80 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen die EU in einem offenen Brief davor gewarnt, eine verpflichtendes Ziel für den Einsatz sogenannter „Biokraftstoffe“ zu setzen (pdf). Hintergrund sind die geringe Effizienz dieser Kraftstoffe, die CO2-Emissionen bei der Produktion der Treibstoffe, aber auch Regenwaldzerstörung oder Menschenrechtsprobleme beim Anbau in Entwicklungsländern (z.B. im Rahmen von Palmöl- oder Soja-Monokulturen). Bislang fehle ein glaubwürdiger Zertifizierungsprozess für Biokraftstoffe, der diese Nebenwirkungen verringern könnte.

Porsche und die Leugnung des Klimawandels
Nicht zuletzt ist ein der Hinweis von Wolfgang Kaden auf Spiegel Online interessant, dass Porsche Ende der 90er Jahre im großen Umfang Bücher verteilte, die den Klimawandel leugneten:

„Wir hatten bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen ein Interview mit Wendelin Wiedeking geführt, dem schon damals erfolgreichsten deutschen Automanager. Zum Abschied überreichte uns der Pressechef ein dickes Buch, verfasst von einem amerikanischen Wissenschaftsautor. Inhalt: All das Gerede über den dramatischen Wandel des Weltklimas ist Unsinn, zur Beunruhigung besteht kein Anlass. Porsche hatte das Buch en gros gekauft.“

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli

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