- Übermacht der Wirtschaftslobby: Zu den 100 größten Lobbyakteuren zählen nur sieben gemeinwohlorientierte Organisationen und 84 mit Wirtschaftsinteressen. Von diesen Akteuren gibt die Wirtschaftslobby mehr als siebenmal so viel aus wie gemeinwohlorientierte NGOs. Zu den sonstigen Lobbygruppen zählen etwa Think Tanks, Stiftungen, Wissenschaft, Behörden und gesetzliche Krankenkassen.
- Machtungleichgewicht hat sich verschärft: Noch im letzten Jahr lag das Verhältnis bei 7 zu 81. Damit hat sich das Machtungleichgewicht zwischen wenigen NGOs und einer finanzstarken Wirtschaftslobby im Vergleich zum letzten Jahr weiter verschärft.
- NGOs klar in der Unterzahl: Nur sieben Akteure zählen im weiteren Sinne als Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die gemeinwohlorientierte Ziele verfolgen: der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Campact, der Verbraucherschutzverband ADAC, der katholische Wohlfahrtsverband Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie Greenpeace.
- Wirtschaftslobby deutlich vor Umweltverbänden: Nur zwei Verbände sind Umweltverbände, wobei auch Campact viel zum Thema Klima und Umwelt arbeitet. Zu den weiteren großen Organisationen in diesem Bereich zählen in Deutschland auch zahlreiche Tierschutzverbände. Doch die 20 größten Wirtschaftslobbyakteure zusammen geben mehr als 15-mal so viel für ihre Lobbyarbeit aus wie die 20 größten Umweltverbände.
- Finanz-, Chemie- und Autobranche mit besonders hohen Lobbyausgaben: Zu den finanzstärksten Akteuren aus der Wirtschaft zählen vor allem Wirtschaftslobbyverbände aus der Finanz-, Chemie-, Energie- und Autoindustrie. Auch wieder mit dabei ist der CDU-nahe Wirtschaftslobbyverband „Wirtschaftsrat der CDU” auf Platz 10, der durch seinen Namen und seine Mitgliedschaft im CDU-Parteivorstand einen direkten Lobbykanal in die CDU bietet.
- Energiekonzern und Huawei mit auffällig hohen Lobbyausgaben: Auffällig ist erneut, dass viele Konzerne aus dem Energiebereich und mit hohem Energiebedarf besonders hohe Lobbyausgaben haben – darunter etwa EnBW, BASF, Eon und Uniper. Als einziger ausländischer Konzern ist erneut der chinesische Techkonzern Huawei in der Liste der Top 20 dabei.
- Autolobby als Aufsteiger des Jahres bei Lobbyausgaben: Der Aufsteiger des Jahres ist der Verband der Automobilindustrie (VDA). Seine Lobbyausgaben erhöhten sich von 2023 auf 2024 von 7,3 Mio. Euro auf fast 10 Mio. Euro, was einer Steigerung von rund 35 Prozent entspricht.
Christina Deckwirth, Sprecherin von LobbyControl, kommentiert:
„Das massive Ungleichgewicht bei den Lobbyausgaben deutet stark darauf hin, dass der Einfluss der Wirtschaftslobby auf die Politik viel höher ist als der gemeinwohlorientierter Organisationen. Wir beobachten immer wieder, dass sich Gesetzgebungsprozesse an den Interessen großer Konzerne orientieren. Gesellschaftliche Anliegen, denen eine finanzstarke Lobby fehlt, drohen dadurch unter die Räder zu geraten. Das ist zum Nachteil für die gesamte Gesellschaft – und schwächt auch das Vertrauen in demokratische Entscheidungen.“
Auffällig hohe Lobbyausgaben aus Energiewirtschaft und Autoindustrie
„Besonders auffällig sind die hohen Lobbyausgaben aus der Energiewirtschaft und die deutlich gestiegenen Lobbyausgaben der Autoindustrie. Hier zeigt sich, wie stark die fossile Lobby weiterhin Einfluss auf zentrale politische Debatten nimmt. Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben legitime Interessen. Problematisch wird es, wenn ihre finanzielle Stärke zu einseitiger Einflussnahme führt und andere gesellschaftliche Stimmen verdrängt.“
Demokratie lebt von vielfältigem Engagement und der Beteiligung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Die Zahlen von LobbyControl zeigen: Gemeinwohlorientierte Organisationen werden immer wichtiger als Korrektiv zur Übermacht der Konzernlobby. Gleichzeitig sind zivilgesellschaftliche Organisationen wichtige Räume für demokratisches Engagement und somit auch ein Bollwerk gegen autoritäre Kräfte.
Zivilgesellschaft braucht Schutz statt Diffamierung
Christina Deckwirth erklärt: „Zivilgesellschaftliche Organisationen sind gerade einer massiven Diffamierungskampagne ausgesetzt. Dahinter stehen autoritäre Kräfte aus dem Umfeld der AfD, Teile der Union und Konzernlobbyisten. Demokratisches Engagement braucht Schutz statt Diffamierung: der Umweltverband, die Initiative gegen Rechtsextremismus genauso wie der engagierte Sport- oder Blasmusikverein vor Ort. Das ist im Wahljahr 2026 besonders wichtig. Hier ist die Union gefragt, sich klar gegen die laufenden Einschüchterungs- und Diffamierungskampagnen und für demokratisches Engagement zu positionieren.“
Hintergrund
- Die ausgewerteten Zahlen beziehen sich auf aktuelle Angaben der Lobbyakteure im deutschen Lobbyregister zum Jahr 2024.
- Die Details zur Auswertung des Lobbyregisters: 7 zu 84: Übermacht der Wirtschaftslobby wächst weiter
- Studie zu Angriffen auf die Zivilgesellschaft
