Eigentlich geht es um eine positive Entwicklung: Durch Klimapolitik, sinkende Kosten für erneuerbare Energien und den Rückgang der Kohlenutzung beruft sich der Weltklimarat (IPCC) schon länger nicht mehr auf ein früheres Extrem-Szenario. Wichtig ist aber auch: Die Klimawissenschaft ist sich einig, dass die Risiken der Klimakrise weiterhin hoch und zunehmend spürbar sind, auch in Europa.
Doch diese positive Entwicklung wird von rechtskonservativen Kreisen gezielt umgedeutet und Falschinformationen dazu kampagnenförmig verbreitet: Der Weltklimarat habe sich geirrt, die Klimakrise sei doch nicht so schlimm. Und nun sei endlich klar, dass eine „Lobby“ sich absichtlich auf falsche Szenarien berufen habe, um Klimaschutz durchzudrücken. Doch das ist falsch.
Häme gegenüber Klimawissenschaft
Daran schließt sich Häme gegenüber Klimawissenschaftler*innen und Klimabewegung an, verknüpft mit der Forderung, doch endlich nicht mehr über Klimaziele zu sprechen und Klimaschutz auszubremsen. Was absurd klingt, reicht tatsächlich weit in vermeintlich seriöse Kreise hinein.
Es ist wichtig zu wissen, woher diese Kampagne kommt und wer dahinter steht: Bereits die rechtslibertäre US-amerikanischen Heritage Foundation hatte in ihrem „Project 2025“ die Erzählung aufgebracht, dass der Weltklimarat falsch läge. Das Project 2025 gilt als Vorlage für Trumps Regierungsprogramm. Und tatsächlich hatte Trump diese Erzählung bereits im Mai 2025 aufgegriffen und nun ein Jahr später erneut auf seinem Social Media-Kanal „Truth Social“ gepostet. Das wiederum verbreiteten dann zahlreiche rechtskonservative und extrem rechte US-amerikanische Medien weiter.
Öl ins Feuer: Nius, WELT und Kristina Schröder
In Deutschland war es neben Rechtsaußen-Medien wie Tichys Einblick oder Nius zunächst erneut die WELT mit ihrem Redakteur Axel Bojanowski, die die irreführenden Meldungen übernahm. Es folgten Meldungen in der BILD-Zeitung, Cicero, Focus und Berliner Zeitung.
Weiteres Öl ins Feuer goss wenig später Kristina Schröder, frühere CDU-Familienministerin und Vorständin des rechtskonservativen Thinktank Republik 21. Sie plädierte in einem WELT-Gastbeitrag dafür, den Klimaschutz jetzt endlich deutlich auszubremsen, weil er angeblich zu Deindustrialisierung führe und viel zu teuer sei. Die AfD-Bundestagsfraktion rief sogar eine Aktuelle Stunde zu dem Thema ein.
Ein altbekanntes Muster
Das alles läuft nach einem alt bekannten Muster ab: Zeitungen wie die WELT, Focus, Cicero und Schröders Thinktank Republik 21 greifen verzerrte Darstellungen aus extrem rechten Kreisen auf, verstärken sie und verpassen ihnen einen vermeintlich seriösen Anstrich. Und durch das Agenda-Setting bleibt trotz aller Versuche, die Erzählungen richtigzustellen, meist doch etwas hängen.
Und dadurch werden sie auch politisch wirksam: Es ist sicherlich kein Zufall, dass die aktuellen Kampagnen gerade parallel zu dem massiven Rollback in der deutschen Klimapolitik stattfinden. Sie dienen dazu, diesen Rückschritt zu legitimieren.
Unabhängiger Journalismus und eine starke Zivilgesellschaft als Gegenmacht
Immerhin: Jüngst erntete eine Artikelreihe der WELT über einen vermeintlichen „NGO-Skandal“ eine Rüge vom Presserat. Es bleibt wichtig, dass wir auf journalistische Standards drängen und Falscherzählungen als solche entlarven und zurückweisen. Es ist gut, dass das in diesem Fall an vielen Stellen passiert ist. Genau hier spielt eine starke Zivilgesellschaft und unabhängiger Journalismus eine wichtige Rolle als Gegenmacht.
Mehr zur Presseratsrüge für die WELT
Weitere Informationen zu der Desinformationskampagne

Unterstützen Sie uns als Fördermitglied!
Wir decken Missstände auf und setzen einseitigem Lobbyismus Grenzen. Zeigen Sie mit Ihrer Fördermitgliedschaft, dass Sie dabei an unserer Seite stehen.
Spenden



