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EU-Abgeordnete drängen Merkel zu mehr Transparenz während EU-Ratspräsidentschaft

Köln/Brüssel, 12.06.2020 – Nahezu 100 Mitglieder des Europäischen Parlaments fordern Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem parteiübergreifenden offenen Brief aus Anlass der bevorstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf, Transparenz bei der politischen Interessenvertretung und in der Gesetzgebung zu einem zentralen Anliegen der Ratspräsidentschaft zu machen.

Die deutsche Ratspräsidentschaft fällt in eine absolut kritische Phase sowohl bezüglich der Corona-Krise als auch der Klimakrise, ein „Business as usual“ dürfe es daher nicht geben. Gerade jetzt, da viele Interessenvertreter:innen Einfluss nehmen auf Wirtschaftshilfen und Industrielobbyist:innen Deregulierung verlangen, sowie schwierige Entscheidungen über die Gewinner und Verlierer der Corona-Wiederaufbauprogramme anstehen, ist ein transparenter und partizipativer Entscheidungsprozess, der das öffentliche Interesse ins Zentrum stellt, umso wichtiger.

Die Abgeordneten rufen die EU auf, die Wiederaufbauprogramme auf soziale Gerechtigkeit, Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten sowie auf ökologische und nachhaltige Ziele auszurichten.

Der Brief wurde koordiniert von den lobbykritischen Organisationen Corporate Europe Observatory und LobbyControl und knüpft an bisherige Impulse von EU-Abgeordneten, der Europäischen Ombudsfrau und aus der Zivilgesellschaft an.

Zentrale Forderungen des Briefs

Der Brief ruft die deutsche Ratspräsidentschaft auf:

  • Für mehr Transparenz in den politischen Entscheidungsprozessen des Rates zu sorgen.
  • Mehr Lobbytransparenz im Rat und in Berlin eine klare politische Priorität zu geben.
  • Mit neuen Regeln und einer neuen politischen Kultur einer übermäßigen, einseitigen Lobbyeinflussnahme auf die Ratspräsidentschaft vorzubeugen.
  • Jegliches Sponsoring der Ratspräsidentschaft abzulehnen, bestehende Verträge aufzukündigen und einen Prozess einzuleiten, um diese Praxis auch künftig zu beenden.

Martin Schirdewan, MdEP (GUE-NGL) sagte: „Treffen hinter verschlossenen Türen, nicht veröffentlichte Protokolle, geheime Lobbytreffen und Industrie-Sponsoring… in wenigen anderen Bereichen ist die Kluft zwischen Wirḱlichkeit und Selbstbild in der EU so groß wie bei der mangelnden Transparenz des Rats. Deutschland hat nun die Chance, solche undemokratischen Praktiken während seiner Ratspräsidentschaft zu beenden. Wir brauchen Transparenz in den politischen Entscheidungsprozessen und im Lobbyismus in Brüssel und in Berlin. Das heißt neue Regeln und eine neue Kultur, die sich gegen übermäßigen Industrieeinfluss richtet und Schluss mit Sponsoring der Ratspräsidentschaft durch Unternehmen macht.“

Marianne Vind, MdEP (S&D) sagte: „Ob man im Rat oder im Parlament sitzt, wir als Politiker*innen dienen den Bürger*innen von Europa, und sie verdienen zu wissen, wofür ihre gewählten Repräsentant*innen kämpfen und von wem sie beeinflusst werden. Mehr Transparenz ist absolut notwendig, um die demokratische Unterstützung für das europäische Projekt zu sichern.“

Die 92 Mitglieder des Europäischen Parlament, die den Brief unterzeichnet haben, sind:

Alice Kuhnke MdEP, Alviina Alametsä MdEP, Anja Hazekamp MdEP, Anna Cavazzini MdEP, Anna Donáth MdEP, Aurore Lalucq MdEP, Bas Eickhout MdEP, Birgit Sippel MdEP, Brando Benifei MdEP, Christel Schaldemose MdEP, Ciarán Cuffe MdEP, Clare Daly MdEP, Claude Gruffat MdEP, Cornelia Ernst MdEP, Damian Boeselager MdEP, Damien Carême MdEP, Daniel Freund MdEP, Dimitrios Papadimoulis MdEP, Domènec Ruiz Devesa MdEP, Eleonora Evi MdEP, Erik Marquardt MdEP, Francisco Guerreiro MdEP, Giorgos Georgiou MdEP, Grace O’Sullivan MdEP, Gwendoline Delbos-Corfield MdEP, Heidi Hautala MdEP, Helmut Scholz MdEP, Henrike Hahn MdEP, Idoia Villanueva Ruiz MdEP, Isabel Santos MdEP, Jakop Dalunde MdEP, Javier Nart MdEP, Jutta Paulus MdEP, Katalin Cseh MdEP, Kateřina Konečná MdEP, Kathleen Van Brempt MdEP, Katrin Langensiepen MdEP, Kim van Sparrentak MdEP, Kira Peter-Hansen MdEP, Konstantinos Arvanitis MdEP, Lara Wolters MdEP, Leila Chaibi MdEP, Malin Björk MdEP, Manon Aubry MdEP, Manu Pineda MdEP, Manuel Bompard MdEP, Marc Angel MdEP, Marc Botenga MdEP, Marcel Kolaja MdEP, Margrete Auken MdEP, María Eugenia Rodríguez Palop MdEP, Maria Noichl MdEP, Marianne Vind MdEP, Marie Toussaint MdEP, Markéta Gregorová MdEP, Martin Schirdewan MdEP, Martina Michels MdEP, Michael Bloss MdEP, Michèle Rivasi MdEP, Mick Wallace MdEP, Miguel Urbán Crespo MdEP, Mikuláš Peksa MdEP, Monika Vana MdEP, Mounir Satouri MdEP, Nico Semsrott MdEP, Niels Fuglsang MdEP, Niklas Nienaß MdEP, Nikolaj Villumsen MdEP, Özlem Demirel MdEP, Pär Holmgren MdEP, Pascal Durand MdEP, Patrick Breyer MdEP, Paul Tang MdEP, Pernando Barrena MdEP, Petra De Sutter MdEP, Petros Kokkalis MdEP, Philippe Lamberts MdEP, Ramona Strugariu MdEP, Raphaël Glucksmann MdEP, Rasmus Andresen MdEP, Sarah Wiener MdEP, Saskia Bricmont MdEP, Sira Rego MdEP, Stelios Kouloglou MdEP, Sven Giegold MdEP, Tanja Fajon MdEP, Terry Reintke MdEP, Thomas Waitz MdEP, Tiemo Wölken MdEP, Tilly Metz MdEP, Tineke Strik MdEP, Victor Negrescu MdEP.

Hintergrund

  • Der vollständige Brief der EU-Abgeordneten an Bundeskanzlerin Angela Merkel findet sich hier (englisch).
  • Eine neue Studie von LobbyControl und CEO zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit dem Fokus auf Lobbyismus und Einflussnahme auf den Rat der EU wird am 23. Juni veröffentlicht.
  • Eine Hintergrund-Studie über den Lobbyeinfluss auf Entscheidungsprozesse der EU-Mitgliedstaaten im Rat der EU wurde von Corporate Europe Observatory im Februar 2019 veröffentlicht: „Captured states: When EU governments are a channel for corporate interests“.

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