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So feierten wir 10 Jahre LobbyControl

Am 21. November feierten wir mit spannenden Gästen unseren 10. Geburtstag. Das Jubiläum war eine Gelegenheit, uns über bisherige Erfolge zu freuen – und neue Herausforderungen zu benennen.

„Bitte einmal das ganze Team aufs Foto!“ Vor zehn Jahren reichte dafür eine Kleinbildkamera, als LobbyControl von vier Menschen gegründet wurde. Jetzt war es eine echte Herausforderung für den Fotografen: Mitarbeiter/innen und Ehrenamtliche, Stadtführer/innen und Lobbypedia-Autoren passten kaum auf die Bühne im Kreuzberger „Statthaus Böcklerpark“. Wir sind richtig viele geworden – dank Ihrer wachsenden Unterstützung!

Klicken Sie auf die Pfeile rechts und links im Bild, um im Fotoalbum zu blättern:
10 Jahre LobbyControl!

Festredner Harald Schumann (Tagesspiegel) machte schon zum Auftakt der Feier klar, dass Lobbyismus sich europäisch und global immer professioneller und komplexer organisiert. Es gebe die Gefahr, dass Entscheidungen zukünftig häufiger von fragwürdig besetzten Berater-Gremien und Schatten-Gerichten getroffen werden. Eine These, die auch Erik Wesselius (Corporate Europe Observatory) in seinem Beitrag unterstrich. Die klare Botschaft an uns: Wir müssen unsere europäische Vernetzung weiter ausbauen, um ein Gegengewicht zu schaffen.

Als „Augenöffner“ habe LobbyControl eine wichtige Rolle gespielt, lobte uns Regine Richter (Urgewald) – wie etwa beim deep lobbying Themen in Medien und Öffentlichkeit gesetzt würden, sei zuvor kaum bekannt gewesen. Doch auch kritische Stimmen sollten bei unserer Feier zu Wort kommen. Deshalb hatten wir auch einen Lobbyisten gebeten, seine Außensicht auf unsere Arbeit beizusteuern. Heiko Kretschmer, Mitinhaber einer Lobbyagentur und Ethikbeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung (degepol) erzählte, er habe schon vor der letzten Bundestagswahl gewettet, dass das Lobbyregister Bedingung für die nächste Regierungsbildung sei. Was Kretschmer 2013 mit seiner Wette verlor, verriet er nicht. Wir wollen dafür sorgen, dass 2017 tatsächlich keine Partei, die regieren will, um die Verpflichtung auf das Lobbyregister herumkommt.

10-Jahresfeier von LobbyControl

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In der Podiumsdiskussion schilderte Ulrike Herrmann (die tageszeitung) anhand der Debatte um die Eigenkapital-Regeln für Banken sowie am Beispiel FDP, wie Lobbyismus den beteiligten Unternehmen und Parteien auf die Füße fallen kann. Sven Giegold, Europaabgeordneter der Grünen, plädierte für eine stärkere Trennung zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht. Zusätzlich zu einer besseren europäischen Vernetzung müsse auch die internationale Ebene stärker beleuchtet werden. Denn demokratisch fragwürdige Institutionen wie etwa das Financial Stability Board hätten an Bedeutung gewonnen.

Einigkeit bestand darüber, dass sich LobbyControl stärker mit den wachsenden gesellschaftlichen Ungleichgewichten beschäftigen solle. Ulrich Müller, geschäftsführender Vorstand von LobbyControl, betonte die Gefahren zunehmend ungleicher Machtverteilung: Wenn Leute den Eindruck haben, sie seien nur noch Spielball der Politik ohne die Chance, selbst mitzubestimmen, stelle das den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage.

Mehr Botschaften zum Jubiläum: klicken Sie rechts ins Bild, um im Album zu blättern: 10 Jahre LobbyControl: Botschaften

Für ein kabarettistisches Highlight sorgte Autor und Liedermacher Marc-Uwe Kling mit lobbykritischen Geschichten vom Känguru. Und zum Abschluss erfanden wir eine neue Aktionsform: die Lobbygeschenk-Tombola. Verschiedene Abgeordnete aus Bundestag und EU-Parlament hatten uns Geschenke zur Verfügung gestellt, die ihnen selbst von Lobbyisten unverlangt zugesandt worden waren. Die glücklichen Gewinner unserer Verlosung konnten u. a. ein luxuriöses Fresspaket und eine der berüchtigten Voodoo-Puppen der INSM nach Hause tragen.

Die vollständige Rede von Harald Schumann (PDF)

Fotos: Jakob Huber/LobbyControl

Annette Sawatzki

Autor: Annette Sawatzki

Jahrgang 1973, arbeitet seit 2015 als Campaignerin im Berliner Büro von LobbyControl.

11 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo, wie man jetzt im Fernsehen hören und sehen konnte, ist LobbyControl nicht so unabhängig, wie ich bislang dachte. LobbyControl soll sehr große Summen von Google für die Gründung erhalten haben und Mitarbeiter von LobbyControl sollen, wie berichtet und gezeigt wurde, als Experten in der Regierung sitzen. Dies würde bedeuten, dass LobbyControl auch Lobbyarbeit bei den Politikern betreibt.
    Dies sehe ich nicht als unabhängig an, so langsam frage ich mich, wer oder was in Deutschland überhaupt noch unabhängig ist.

    • Christina Deckwirth

      Liebe Hanne,

      LobbyControl nimmt keine Spenden von Unternehmen und Interessenverbänden an. Insofern stimmt es nicht, was Sie schreiben. Wir haben keinerlei Gelder von Google erhalten. Ich nehme an, dass Sie sich auf die WISO-Dokumentation über Google beziehen, die am Montag ausgestrahlt wurde. Darin wird über das Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft berichtet, das von Google mitfinanziert wird. In der Sendung kommen auch wir zu Wort – und zwar mit einer Kritik an genau jener finanziellen Verflechtung des Instituts mit Google. Hier der Link zum Nachschau, ab ca. Min. 29 geht um Googles Lobbymacht: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2630854/WISO-Doku-Weltmacht-Google?flash=off

      Unsere Forderungen nach mehr Lobbyregulierung richten wir an die Politik – insofern stimmt es durchaus, dass wir auch „Lobbyarbeit bei den Politikern“ betreiben. Wir sitzen allerdings nicht als „Experten in der Regierung“, wie Sie schreiben.

      Mehr Informationen über unsere Finanzierung finden Sie hier: https://www.lobbycontrol.de/initiative/unsere-finanzierung/

      Mit freundlichen Grüßen,
      Christina Deckwirth

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    Ich verspüre genau das, was Harald Schuman aussagte – OHNMACHT! Und ich teile seine Meinung, dass wir aus dieser Ohnmacht erwachen müssen. Viele sind schon erwacht, kämpfen aber allein (meine Person zum Beispiel durch Schreiben von Leserbriefen) oder in kleinen organisierten Gruppen. Auch hier stiimme ich mit Herrn Schumann überein, eine „Allianz für die Demokratie“ zu schaffen. Natürlich ist dies einfacher gesagt als getan. Meines Erachtens steht auch viel mehr auf dem Spiel als die Demonkratie. Hinter all den Krisen und Terror stecken bei näherer Betrachtung immer auch wirtschaftliche oder machtpolitische Interessen und / oder Ursachen. Global betrachtet geht es also auch um den Weltfrieden.

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    Nachträglich alles Gute zum 10 Jährigen und super das es euch gibt!

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    Es ist sehr wichtig dafür zu sorgen, dass Politik die Interessen der Wähler und nicht die des Kapitals umsetzt. Dafür wird LobbyControl noch lange kämpfen müssen.

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    nehmen Sie sich ein verspätetes, aber herzlichen Glückwunsch

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    Sehr geehrte Leute,

    das war eine äußerst schöne Feier ! Sehr vielen Dank dafür ! Schöne Fotos und weiterhin GUTEs Gelingen !

    MfG

    ben.martius

    Twitter : @MartiusBen ( Facebook-Profil vorhanden )

    Telefon : (030/) 773 69 81

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    Es macht Freude, die Ergebnisse der LobbyControl Engagierten zu sehen und zu hören, es macht beschämend, dass es nur so wenige sind, zu denen ich auch gehöre.

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    Gute Sache, ich wünsche euch einen langen Atem denn Politik und Lobby sind schon so verwoben, dass ein trennen fast unmöglich erscheint.
    Persönlich, war ich geschockt über die Liste der Bundestagsfraktionen, die allen mit viel Geld einfach die Türen öffnen. Das riecht sehr stark nach Korruption.
    Weiterhin viel Erfolg

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    Großes Kompliment für Euren 10-jährigen, in vielen Punkten bereits erfolgreichen Kampf gegen die Lobbyisten (als die heimliche Regierung in der EU, in der Bundesrepublik und weltweit)! Meine Mitgliedschaft bei Lobbycontrol halte ich auch als Rentner aufrecht und bedaure, dass ich bei der Jubiläumsfeier in Berlin, zu der ich eigentlich hinfahren wollte, terminlich nicht teilnehmen konnte. Ihr seid der beste Beweis, dass „David gegen Goliath“ am Ende obsiegt und die Lobbys verlieren….Dazu sollte noch stärker die Lobbyhörigekit und -abhängigkeit der Politiker und deren Seilschaften und Verfilzungen (von ÖPP über TTIP bis Waffenhandel und Bertelsmann-Stiftung) transparent gemacht werden….

  10. Avatar

    Vielen Dank für 10 Jahre tolle Arbeit und Engagement!!!
    Ein sehr schöner Artikel und ein tolles Video.
    Weiterhin viel Erfolg!