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Mehr Transparenz in den Wirtschaftswissenschaften

Am 5. Januar beschloss die American Economic Association, eine der größten internationalen wirtschaftswissenschaftlichen Vereinigungen, ihre Kriterien für die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Artikeln zu verschärfen. In Zukunft sind die AutorInnen dazu verpflichtet bei Publikationen, Angaben über Forschungszuwendungen durch Dritte zu machen. Finanzielle Zuwendungen müssen demnach veröffentlicht werden, sobald die Summe in den letzten drei Jahren 10.000 US-Dollar übersteigt. Darüber hinaus müssen bezahlte und unbezahlte Nebentätigkeiten der AutorInnen angegeben werden, wenn ein inhaltlicher Bezug zum Forschungsgegenstand gegeben ist. Die genannten Punkte gelten auch für Verwandte und Partner der AutorInnen. Zudem muss bekannt gegeben werden, falls Dritten das Recht eingeräumt wurde, den Artikel vor der Veröffentlichung einzusehen bzw. zu prüfen. Nach der Finanzkrise wurde der Vorwurf gegenüber Wirtschaftswissenschaftlern laut, die Krise im Vorfeld aufgrund von Interessenkonflikten falsch eingeschätzt zu haben.

Auch bei deutschen Ökonomen sei mehr Transparenz notwendig, bekennt der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Michael Burda, gegenüber der FAZ, nachdem die Pressemitteilung der AEA veröffentlicht wurde. Ohne Informationen über mögliche Interessenkonflikte können Empfehlungen der Experten nicht richtig eingeschätzt werden. Der Vorsitzende des deutschen Pendants zur AEA meint: „Für deutsche Ohren mögen sich strenge Regeln extrem anhören, aber wir wollen ernst genommen werden.“

Nicht nur im Wissenschaftsbetrieb der Ökonomie fehlt es an Transparenz

Die fehlende Transparenz über Hintergründe vermeintlich unabhängiger Experten und Informationen ist kein Einzelfall. Sichtbar wird das beispielhaft bei einem Interview des Deutschlandfunk mit Bert Rürup, in dem er als Sachverständiger der Regierung vorgestellt wird, seine Position als Chefökonom und Sonderberater für die private Altersvorsorge beim Finanzdienstleister AWD aber unerwähnt bleibt.  Bereits 2006 zeigte eine Studie des Kommunikationswissenschaftlers Christian Nuernbergk, dass die Botschafterrolle für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bei „Experten“ oft ungenannt bleibt. Daher verwundert es nicht, dass die AEA ihre Mitglieder dazu aufruft, die Regeln auch bei öffentlichen Auftritten und nicht-wissenschaftlichen Publikationen anzuwenden.

Die „Inititative für eine bessere ökonomische Bildung“ (iböb) nimmt die Position des AEA zum Anlass, ähnliche Regeln für „Konzeptionen, Forschungsprojekten, Bildungsstandards, Lehrerfortbildungsangeboten, Lehr-Lern-Materialien aller Art und Web-Portalen der ökonomischen Bildung in Deutschland“ zu fordern. Im Bereich der ökonomischen Bildung werden häufig Unterrichtsmaterialien kostenlos Angeboten. Die Finanzierung der Materialien ist dabei nicht immer  transparent und die Inhalte einseitig.

LobbyControl befürwortet den Vorstoß des AEA für mehr Transparenz bei Veröffentlichungen wirtschaftswissenschaftlicher Artikel und begrüßt den Anstoß des iböb zur Diskussion über mehr Transparenz in der ökonomischen Bildung.

Um einer einseitigen und mit Interessenkonflikten aufgeladenen Wirtschaftswissenschaft entgegen zu wirken, ist die Herstellung möglichst hoher Transparenz über Finanzierung und Hintergrund wissenschaftlicher Arbeiten ein Schritt in die richtige Richtung. Zudem wird durch die neuen Regeln ersichtlich, wer möglicherweise Lobbytätigkeiten nach geht und unter dem Deckmantel der Wissenschaft für interessengeleitete Positionen wirbt.

Eine ausgeglichene ökonomische Bildung kann nur durch mehr Transparenz bei der Finanzierung  der Bildungsangebote gewährleistet werden. Ein einseitiges und intransparentes Bildungsangebot ist ein Einfallstor für Lobbyismus im Klassenzimmer.

 

Bild: CC BY 2.0, Images Money, taxbrackets.org