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RWE lässt Azubis demonstrieren

Laut eines Artikels auf taz.de stellt der Energiekonzern RWE seine Auszubildende frei, um morgen an einer Pro-Atom-Demo in Biblis teilzunehmen. Diese soll einen Tag vor der Anti-Atom-Demo „Mal richtig abschalten!“ stattfinden. RWE scheut keine Kosten und Mühen und will die Azubis mit Bussen nach Biblis bringen lassen. Der taz-Artikel zeigt, dass von den Azubis sehr wohl die Teilnahme an der Demo erwartet wird. Angesichts ihres Abhängigkeitsverhältnisses gegenüber dem Unternehmen kann also nicht von rein freiwilligem Engagement der Azubis ausgegangen werden.

RWE greift damit einen amerikanischen Trend auf, die stärkere strategische Mobilisierung der eigenen Mitarbeiter und deren Einbindung als “Fußtruppen” in die eigene Lobbyarbeit („grassroots lobbying“). Ein anderes Beispiel war die Briefkampagne, die der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) im Oktober 2006 über seine Vertriebsmitarbeiter inszenierte.

In den USA gibt es zahlreiche weitere Beispiele. So berichtete die New York Times im August über Aktivitäten der vermeintlichen Bürgerbewegung „Energy Citizens“ die vom American Petroleum Institute, dem größten Interessenverband der Öl- und Gasindustrie, unterstützt wird.

Wir greifen das Thema Grassroots Lobbying auch in unserem LobbyPlanet Berlin auf (an der Station PKV). Eine interessante Lektüre zu dem Thema ist auch das Buch „Kampagne! 3. Neue Strategien im Grassroots Lobbying für Unternehmen und Verbände„, herausgegeben von Marco Althaus. Das Buch ist eher als Handreiche für Lobbyisten gedacht: es streift auch die Problematik von (vermeintlichen) Grassroots Lobby-Kampagnen, ist aber ingesamt wenig kritisch. Interessant sind aber die Fallstudien aus verschiedenen Politikbereichen.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli