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Journalisten für INSM auf Tour

Was ist aus der „guten alten Sozialen Marktwirtschaft“ geworden? Das fragt sich die von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Um Antworten auf diese Fragen zu finden, schickt sie zur Zeit drei Reporter 30 Tage lang durch das Land, darunter eine „angehende Journalistin bis 25 Jahre“ und eine „erfahrene Journalistin bis 35 Jahre“. Interviewkompetent sollen sie sein, kameratauglich und stressresistent. So steht es zumindest im Kontaktschreiben der Castingagentur Weldy, das Lobbycontrol ebenso vorliegt wie das dazugehörige Infoblatt, das augenscheinlich von der INSM selber kommt.

Die „Kampagne Deutschland 30 / 24“ ist gut geplant. Als mögliche Gesprächspartner werden neben einem Taxifahrer und einer Altenpflegerin auch Kanzlerin Angela Merkel, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking oder Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann genannt. Menschen, die normalen Journalisten für Interviews nur im seltensten Fall zur Verfügung stehen. Präsentiert werden sollen die Erlebnisse nicht nur täglich auf der eigenen Internetseite. Auch „Fernsehen (z.B. Anne Will, TTT), verschiedene Radio-Stationen und Printmedien (Neon, Zeit, Bild) sowie lokale Radiosender und Tageszeitungen berichten über die Aktion“, heißt es im Infoblatt.

Sachverhalte sollten „durchaus auch kritisch“ hinterfragt werden, steht dort ebenfalls. Für diese „kritischen“ Nachfragen werden Journalisten gesucht, die „der sozialen Marktwirtschaft gegenüber positiv eingestellt und einem unternehmernahen Auftraggeber gegenüber aufgeschlossen sind“, so das Profil in der Stellenanzeige.

Diese unsägliche Vermischung von Journalismus und interessengeleiteter PR widerspricht allen journalistischen Grundsätzen und ist mit neutraler und aufklärerischer Pressearbeit nicht vereinbar. Journalisten-Vereinigungen wie das Netzwerk Recherche fordern deshalb seit Jahren entschieden eine strikte Trennung zwischen interessengeleiteter PR und einem der Gesellschaft verpflichteten Journalismus (siehe dazu Studie „Getrennte Welten“).