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INSM Städteranking – unkritische Berichterstattung

In den letzten Tagen ließ sich wieder einmal gut beobachten, wie wirtschaftsfinanzierte Wissenschaft, unkritischer Journalismus und meinungsmachendes Lobbying Hand in Hand gehen können. Das Anschauungsstück für diese beliebte Allianz lieferte die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Sie veröffentlichte am Freitag, den 5. September ein Städteranking zur wirtschaflichen Leistungsfähigkeit und Standortqualität der 50 größten deutschen Städte. Im Auftrag der INSM und der Wirtschaftwoche hatte die Kölner IW Consult die Wirtschaftskraft und Dynamik deutscher Großstädte zwischen 2002 und 2007 mit Hilfe von über 100 Indikatoren untersucht. Da sich Rankings im Allgemeinen – und Städterankings im Besonderen – großer Beliebtheit erfreuen (endlich klar geordnetes Wissen mit sportivem Tabellencharakter!) und die INSM ihre Kontakte in die Presse- und Fernsehlandschaft zu pflegen weiß, war die Medienresonanz auf die Vorstellung der Ergebnisse bemerkenswert. Unzählige Lokalzeitungen, Tagesschau, Die Welt, spiegel-online, SZ, etc. ließen es sich nicht nehmen, über die Ergebnisse der Studie zu berichten. Bemerkenswert war auch wie die Berichterstattung aussah.
Denn die Hintergründe zur INSM spielten in den Beiträgen kaum eine oder gar keine Rolle.

So verzichtete Die Tagesschau in ihrem ca. zweiminütigen Bericht komplett darauf, die Financiers der INSM – den Arbeitgeberverband Gesamtmetall – oder ihre arbeitgeberfreundliche Ausrichtung zu benennen. Auch das Ziel der Initiative, Reformbereitschaft für einen schlanken Wettbewerbsstaat in Politik und Bevölkerung zu schaffen, schien der Tagesschau nicht erwähnenswert. Und das obwohl die ARD bereits auf eine unrühmliche Zusammenarbeit mit der INSM zurückblicken kann. Doch die ARD bildete hierin keine Ausnahme. Zwar benannten immerhin einige Journalisten die INSM als “arbeitgeberfreundlich” ließen, aber ihre Zielsetzung und Finanzierung ungenannt. Auch die Grenzen und die Stoßrichtung der Studie gingen in ihrer scheinbar neutralen Wissenschaftlichkeit verloren. Lediglich die Berliner Zeitung wies darauf hin, dass Berlin in zig Städterankings zig verschiedene Plätze einnimmt, und der Tagesspiegel wunderte sich, dass die geringe Einkommenssteigerung in der Stadt positiv bewertet wird. Denn die ist ein Grund für Hochqualifizierte, die Stadt zu verlassen.

Dabei gibt das Fazit bei der Vorstellung (pdf) der Studie durch INSM und Wirtschaftswoche klar Auskunft darüber, was mit Veröffentlichungen wie dem Städteranking erreicht werden soll: “Ohne Wirtschaftsfreundlichkeit kein Erfolg.”

Ein Kommentar

  1. In Zeiten der Ideologie der Ideologielosigkeit braucht`s eben die “Wirtschaftsfreundlichkeit”. “Menschenfreundlicher” ist der Neoliberalismus durch Städte-Rankings aber nicht geworden.

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