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Fliegender Wechsel bei der Bahn: Gestern Gewerkschaftsführer morgen Arbeitsdirektor

Der Chef der Bahngewerkschaft TRANSNET Norbert Hansen legt einen in der Geschichte der deutschen Gewerkschaften bisher wohl einmaligen fliegenden Wechsel hin: Er kündigte seinen Job als Gewerkschaftsführer und will Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn AG werden. In den letzten Jahren war er durch seinen Kuschelkurs mit dem Bahn-Vorstand aufgefallen und hatte entgegen der offiziellen Linie des DGB die TRANSNET als einzige Gewerkschaft für die Privatisierung der Bahn positioniert. Wenn er dabei mal keine lukrativen Hintergedanken im Kopf hatte? Der Gedanke, dass hier sein Verhalten zum Wohlgefallen der Bahn AG mit einer Belohnung bedacht wird, drängt sich auf. “Eine Form der deutschen Korruption – bezahlt wird hinterher”, kommentiert der Stern.

Und auch sonst hagelt es Kritik: “Dieser einmalige Vorgang wirft einen Schatten auf die gesamte Bahnreform”, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles der Berliner Zeitung. Noch deutlicher wird Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann: “Das stinkt zum Himmel!”. Der Ex-Arbeiterführer habe “gewerkschaftliche Interessen verraten”, so Hermann gegenüber der FR. Die Basisinitiative in TRANSNET “Bahn von unten”, die im Bündis “Bahn für alle” gegen die Privatisierung der Bahn streitet, befürchtet, dass Hansen mit seinem fliegenden Wechsel Insiderwissen in den Bahnvorstand trägt und damit die Gewerkschaft schwächen kann: “Er kennt unsere Gewerkschaft und wird sie mit seinem Know-How gut zu bekämpfen bzw. einzubinden wissen.” (Presseerklärung, pdf) Das Bündnis “Bahn für alle” forderte, die SPD müsse nun “sofort die Notbremse ziehen und den Bundestagsantrag zur Privatiserung stoppen.”

Als “fliegender Wechsler” findet sich Hansen bei er Bahn AG in guter Gesellschaft: Konzernchef Mehdorn hat in den letzten Jahren eine illustre Runde aus ehemaligen Verkehrsministern von Bund und Ländern sowie eine Vielzahl von ehemaligen Beamten aus diesen Ministerien sowie Lokalpolitiker um sich geschart. Hierzu gehört u.a. der bayrische Ex-Verkehrsministerer Wiesheu, der sich während der Verhandlungen zur großen Koalition für die Bahnprivatisierung stark machte und anschließend in den Bahnvorstand wechselte. Mehr zum Politikernetzwerk der Deutschen Bahn berichtete Frontal 21.

Heidi Bank

Autor: Heidi Bank

Politikwissenschaftlerin, Jahrgang 1978, hat in Bremen und Lille (Frankreich) Politikwissenschaft und Ökonomie studiert. Seit Herbst 2007 ist sie gemeinsam mit Ulrich Müller hauptamtlich als geschäftsführender Vorstand tätig.

6 Kommentare

  1. Wenigstens ist für die Zukunft der Bahnvorstände gesorgt…

  2. Anscheinend wird dort schnell die Position eines Mitarbeiters gewechselt und die verdienen ein haufen Kohle, da fragt man sich doch für was.

  3. Interessiert aber auch kein Schwein. Was soll man dazu sagen. Wir sind umgeben von Affen. Nix gesehen, nix gehört und gesagt wird so und so schon lange nicht mehr. Da kommt mir die Galle hoch, wenn ich das mal so flapsig formulieren darf…

  4. Geld stinkt zwar nicht, kann aber den Charakter verderben – wenn man denn einen gehabt hat. Jedenfalls stinkt der “fliegende Wechsel” von Norbert Hansen sehr zum Himmel.

  5. Hansen soll bei Transnet ein Jahresgehalt von 101.400 Euro bezogen haben. Seine Amtsvorgängerin im Bahnvorstand, Margret Suckale, bekam 2007 angeblich ein Fixgehalt von 400.000 Euro und zusätzlich eine erfolgsabhängige Komponente in Höhe 1,05 Mio. Euro. [Quelle: Frankfurter Rundschau vom 09.05.2008] Unterstellt, Hansen kommt auf das gleiche Gehalt wie seine Vorgängerin, verdient er künftig in einem Monat das, was er vorher in einem ganzen Jahr verdiente. Nicht schlecht, Herr Specht.

    Was sagten schon die Römer? Pecunia non olet (Geld stinkt nicht).

  6. In Diensten der Eisenbahnergewerkschaft Transnet war er der “starke Mann” des Bahn-Managements; nach seinem Seitenwechsel (der im Grunde keiner ist) wird Norbert Hansen nun der “schwache Mann” der Arbeitnehmer im Vorstand der Deutschen Bahn AG sein.

    Bei Transnet scheint es vor den sprichwörtlichen “müden Bahnbeamten” nur so zu wimmeln. Wie ließe sich auch sonst erklären, daß man sich das “Trojanische Pferd” Norbert Hansen von Bahn-Chef Mehdorn so lange als Gewerkschaftsvorsitzenden hat gefallen lassen. Hansen wird in seiner neuen Funktion als Arbeitsdirektor der DB AG seinen früheren Gewerkschaftskollegen aber noch gehörig auf die Sprünge helfen. Dann werden die Weichen aber schon gestellt sein.

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