Aktiv für Transparenz
und Demokratie.

INSM als Lautsprecher des Kapitals

Die Zeit bringt in der aktuellen Ausgabe einen ausführlichen Artikel zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie. Götz Hamann beschreibt dabei die Medienkooperationen der INSM, insbesondere eine Kooperation mit der Welt unter dem Titel „Die größten Jobvernichter der Bundesrepublik“. Das besondere daran: Hier ging die Initiative von der Welt aus, INSM übernahm und bezahlte die Recherche dafür – eine Entgrenzung von Journalismus und PR, wie Journalistikprofessor Siegfried Weischenberg in dem Beitrag kritisiert.

Hamann berichtet zudem, dass die INSM Anzeigen pro Kapitalismus und Unternehmertum zur Kapitalismusdebatte vorbereitet. Allerdings ist die Einseitigkeit der Initiative für Hamann selbst Mitauslöser der Debatte: „Ihre Macher schreiben das Soziale in der sozialen Marktwirtschaft kleiner als andere. Doch die Frage, wie klein sie es schreiben, beantworten sie nicht. […] So bleibt der Sozialstaat eine Leerstelle, hat keine erkennbare Zukunft. Genau das öffnet der Kapitalismuskritik Tür und Tor.“

Ergänzende Infos zur INSM (danke für die Anregung zur Verlinkung):

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse.

4 Kommentare

  1. Avatar

    vor fast 100 Jahren schrieb einer (Ret Marut), der später als B.Traven berühmt wurde:

    „Diese Hure, diese Presse.“

    Und leider stimmt das heute noch, noch viel schlimmer sogar.
    Ich gestehe: Ich lese gerne Zeitung.

  2. Avatar

    Die HansBöckler Stiftung (DGB) hat im August 2004 eine 46-seitige Studie von Dr. Rudolf Speth „Die politischen Strategien der INSM“ herausgegeben. Die gibt’s als PDF „04-09_ini-neue-soz-marktw.pdf“
    Ich meine: lesenswert.

  3. Avatar

    Götz Hamann, der Autor des ZEIT-Artikels über INSM, ist mutig, das Thema überhaupt anzugehen. Erkennbar bemüht er sich um Perspektivenwechsel und Schelte auch in Richtung der INSM-Kritiker, schliesslich kann man es sich als abhängiger Schreiber nicht mit allen tatsächlichen und potentiellen Auftraggebern verderben – Bertelsmann, Springer, Holtzbrinck sowie zahlreiche Manager der Anzeigen schaltenden Industrie sind Mitglieder, Assoziierte oder Freunde des Lobbyvereins.

    „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ – leider haben die Kapitalismus-Kritiker und die Anhänger der herkömmlichen Sozialen Marktwirtschaft nicht so viel davon an Schreiberlinge zu verteilen wie die INSM.

  4. Avatar

    Wir sind uns einig das organisiertes Lobbying eine verabscheuliche Entwickelung ist. Sie ist aber ein Symptom eines kranken Systems. Sie zu unterdrücken wird nicht die politische Einflussnahme unterbinden sondern sie geheim machen. Das eigentliche Problem ist das die Zukunft ganzer Berufszweige von den mutmaßigen Willen einzelner oder einiger weniger Politiker ab hängt.