Pressemitteilung

Davos: Top 20 Monopolunternehmen und Milliardäre beuten Verbraucher:innen und KMU aus

Die reichsten Milliardäre und die größten Unternehmen der Welt nutzen ihre Macht aus, um Verbraucher:innen, Arbeitnehmer:innen und Bürger:innen abzuzocken und kleinere Unternehmen unter Preisdruck zu setzen. Viele dieser Unternehmen sind Top-Partner des Weltwirtschaftsforum (WEF), das in Davos stattfindet.

17. Januar 2024

Aus Anlass des diesjährigen Treffen in Davos wurde die neue Studie Taken, not earned: How monopolists drive the world’s power and wealth divide (Wie Monopolkonzerne das globale Macht- und Wohlstandsgefälle verstärken) heute von den vier NGOs The Balanced Economy Project, SOMO, Global Justice Now und LobbyControl veröffentlicht.

Die größten Unternehmen der Welt nutzen ihre Monopolmacht auf ihren Märkten, um trotz Inflation und steigender Lebenshaltungskosten Preise zu erhöhen. In den fünf Jahren bis 2022 stieg der durchschnittliche Preisaufschlag für die 20 größten Unternehmen der Welt auf 50 Prozent an. Das ist das Doppelte des durchschnittlichen Aufschlags von 25 Prozent für die untersten 50 Prozent der untersuchten Unternehmen. Von diesen 20 Unternehmen sind 14 Partner des Weltwirtschaftsforums, das sich nach eigenen Angaben dafür einsetzt, den Zustand der Welt zu verbessern.

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Die Studie konzentriert sich auf die 20 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung in der Welt, von denen viele zu den 20 reichsten Milliardären auf der Forbes Rich List gehören oder von ihnen geleitet werden. Von den 20 größten Unternehmen der Welt sind mindestens 14 Partner des Weltwirtschaftsforums (WEF), d. h. sie sponsern die Veranstaltung und sind an der Gestaltung der Debatten auf dem Jahrestreffen in Davos beteiligt.

WEF-Partner sind Apple, Microsoft, Alphabet/Google, Amazon, Meta/Facebook, Eli Lilly, Visa, Novo Nordisk, Walmart, ExxonMobil, JP Morgan Chase, Johnson und Johnson, LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton und Saudi Basic Industries (SABIC). Hinter diesen Unternehmen stehen viele der reichsten und mächtigsten Monopol-Milliardäre der Welt, darunter Bernard Arnault, Elon Musk und Jeff Bezos.

Lobbymacht der Spitzenunternehmen

Die Untersuchung zeigt auch die Lobbymacht dieser Firmen, die sich auf ein Lobbynetz von 236 Organisationen, Verbänden, Wirtschaftsvereinigungen und Think Tanks in Europa stützen. Für Lobbyarbeit geben sie in den USA 118,3 Millionen Euro und in der EU 36,9 Millionen Euro jährlich aus. Unter den 20 größten Unternehmen der Welt gibt Big Tech mit Abstand das meiste Geld für Lobbyarbeit aus. Der Big-Tech Anteil an den Lobbyausgaben der Top 20: 82 Prozent der Gesamtausgaben (30,3 Millionen Euro) in der EU und 58 Prozent (61,1 Millionen Euro) in den USA. Die Lobbymacht der 20 größten Unternehmen der Welt ist jedoch noch größer, als diese Lobbyausgaben angeben können: Die strukturelle Macht der Monopole verstärkt ihren politischen Einfluss noch zusätzlich, da sie aufgrund ihrer Stellung in Wirtschaft und Gesellschaft auch ohne direkte Lobbyarbeit großen Druck auf die Politik ausüben können.

Trotz des gravierenden weltweiten Monopolproblems sind die Regulierungsbehörden weltweit bislang nicht bereit, das Problem an der Wurzel zu packen.

Nicholas Shaxson, Geschäftsführer beim Balanced Economy Project und Co-Author der Studie:

"Die Studie zeigt, wie einige der reichsten Milliardäre der Welt ihre Macht nutzen, um die Gesellschaft auszunehmen. Monopole sind der Schlüssel zu der dauerhaften und extremen Macht und dem Reichtum der Milliardäre und größten Unternehmen der Welt. Diese Firmen sind in der Lage, die Verkaufspreise auf den von ihnen beherrschten Märkten deutlich höher anzusetzen als die unteren 50 Prozent der Unternehmen. Unsere Regierungen haben diese Macht jahrzehntelang fast unkontrolliert wachsen lassen: Dieser Bericht zeigt, wie wir das Ruder herumreißen können."

Die Studie "Taken, not earned" weist nach, dass die größten Unternehmen die höchsten Preisaufschläge verlangen, während viele kleinere Firmen darum kämpfen, überhaupt einen Gewinn zu erwirtschaften. Die Aufschläge für die 100 größten Unternehmen betrugen seit 1995 durchschnittlich 43 Prozent, während sie bei den kleinsten 50 Prozent der untersuchten Firmen bei 24 Prozent lagen. In den letzten drei von der Pandemie betroffenen Jahren stiegen die Aufschläge bei den größten Unternehmen auf fast genau 50 Prozent, während sie bei den kleinsten Unternehmen 25 Prozent betrugen.

Nick Dearden, Geschäftsführer von Global Justice Now:

"Der extreme Reichtum der Multimilliardäre, die sich in Davos treffen, ist schlecht für uns alle. Diese Raubritter haben unsere Demokratie unterwandert und entscheiden über die Lebensmittel, die wir essen, die Medikamente, die wir verwenden, und die Informationen, die wir erhalten. In der Zwischenzeit zahlt die Öffentlichkeit durch die exzessiven Gewinne, die sie verlangen, eine Art private Steuer an diese Milliardäre, und das inmitten einer Krise, in der die Lebenshaltungskosten steigen. Der Reichtum der Milliardäre beruht nicht auf brillantem Unternehmertum, sondern darauf, dass sie zu viel Macht über die Gesellschaft haben - es ist an der Zeit, ihnen und ihren Monopolen das Handwerk zu legen."

Die Autor:innen der Studie stellten in ihren Recherchen fest, dass die durchschnittlichen Preisaufschläge (markups) der größten Unternehmen im Zeitraum von 1995 bis 2022 stetig gestiegen sind, während sich die durchschnittlichen Preisaufschläge der kleineren Unternehmen kaum verändert haben. Die Untersuchung zeigt nicht nur, dass die Preise steigen, sondern auch, wie Monopolisten kleinen Unternehmen schaden, die Grundrechte der Menschen beeinträchtigen und demokratische Prozesse verzerren.

Margarida Silva, Researcher bei SOMO:

„Die reichsten Menschen der Welt und ihre Unternehmen haben sich eine marktbeherrschende und strategische Position erarbeitet, in der sie in vielerlei Hinsicht zu groß geworden sind: 'too big to fail', 'too big to care' und 'too big to trust'. Tech-Milliardäre wie Jeff Bezos und Mark Zuckerberg sind die Vorzeigebeispiele dafür. Während Amazon, Meta und andere nach Davos kommen, um ihr Image aufzupolieren und ihre Macht zu stärken, dürfen wir nicht vergessen, dass sie ihren Reichtum durch Monopolisierung aufgebaut haben, ohne sich wirklich darum zu kümmern, wem das schadet - seien es Arbeitnehmer:innen, Verbraucher:innen oder die Demokratie selbst."

Die Studie zeigt auch die verschiedenen Dimensionen der durch Monopole verursachten Schäden, die über höhere Preise hinausgehen, sowie die Ausdehnung der Monopolmacht in der Weltwirtschaft, die von Monopolisten angewandten Tricks, das versteckte "Monopolsystem", das die Macht der Milliardäre schützt, und was dagegen getan werden kann.

Max Bank, Campaigner bei LobbyControl:

"Die 20 größten Unternehmen der Welt geben jährlich mehr als 155 Millionen Euro für Lobbyarbeit aus, um die politischen Institutionen in den USA und der EU zu beeinflussen. Die strukturelle Macht der Monopole vergrößert ihren politischen Einfluss. Die Kombination aus Monopol- und Lobbymacht untergräbt den demokratischen Prozess".

Monopolmacht aufbrechen

Um gegen Monopolmacht und deren Profiteure vorzugehen, sollten Instrumente der Kartellpolitik eingesetzt werden, indem marktbeherrschende Unternehmen zerschlagen oder schärfere Fusionskontrolle stattfindet. Balanced Economy Project, SOMO, Global Justice Now und LobbyControl fordern die Politik dazu auf, Regulierungsmaßnahmen im öffentlichen Interesse zu ergreifen, was z. B. die Verstaatlichung marktbeherrschender Unternehmen bedeuten könnte, die ein öffentliches Gut oder eine wesentliche Dienstleistung bereitstellen, und sie wie ein öffentliches Versorgungsunternehmen zu behandeln; internationale Handels-, Investitions- und Finanzregelungen umzugestalten, um die übermäßige Konzentration von Unternehmensmacht und die damit verbundenen Schäden einzudämmen; und den Einfluss von Unternehmensmonopolen auf die Lobbyarbeit einzuschränken, indem die Regeln für Interessenkonflikte verschärft und die Transparenz politischer Institutionen erhöht werden.

Weitere Hintergründe

Zur Studie

Monopolmacht in Zahlen

  • 5 der 20 reichsten Milliardäre der Welt sind in der Einzelhandels- und Luxusbranche tätig, während 2 der größten Unternehmen der Welt in diesem Sektor angesiedelt sind.
  • 7 der 20 reichsten Milliardäre der Welt sind bei Techunternehmen tätig, 7 der 20 weltgrößten Unternehmen sind in diesem Sektor angesiedelt.
  • Einer der 20 reichsten Milliardäre der Welt ist im Finanzsektor tätig, während 3 der weltgrößten Unternehmen in diesem Bereich angesiedelt sind.
  • 2 Milliardärsfamilien auf der Liste der 20 größten Milliardäre sind mit dem Energiesektor verbunden, und 2 der größten Unternehmen der Welt sind im Energiesektor angesiedelt.
  • 3 Milliardäre in den Top 20 der Milliardärsliste sind mit Konglomeraten verbunden.
  • Zwar kommt keiner der Milliardäre aus den Top 20 der Milliardärsliste aus dem Pharmasektor, aber 5 der weltgrößten Unternehmen sind in diesem Sektor tätig.
  • Der Marktwert der 20 größten Unternehmen auf der Liste der Studie „Taken, not earned“ beträgt 18 Billionen US-Dollar. Dies entspricht dem BIP von Frankreich, Deutschland, Indien, Brasilien, Südafrika und dem Vereinigten Königreich zusammen.
  • Der Marktwert der beiden größten Unternehmen der Welt in Höhe von 5,1 Billionen US-Dollar entspricht dem Vermögen von 53 Prozent der Weltbevölkerung oder 2,8 Milliarden Menschen.
  • Die 2.640 Milliardäre der Welt besitzen zusammen deutlich mehr als das Doppelte des Vermögens der unteren 2,8 Milliarden Menschen.
  • Der reichste Mensch der Welt, Bernard Arnault, Chef des weltgrößten Luxusgüterkonzerns LVMH, besitzt mehr als eine Millionen Mal so viel Vermögen wie der Durchschnittsbürger in der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung.

Die dazugehörigen Quellen werden im Monopolists and Markups Media Brief genannt.

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