Lobbyismus an Schulen

Jetzt veröffentlicht: Diskussionspapier zu Lobbyismus an Schulen

Lobbyismus macht auch vor der Schultüre nicht halt. Wir haben untersucht, mit welchen Methoden Lobbyisten Einfluss auf den Unterricht nehmen und welche Motive dahinter stecken. Das alarmierende Ergebnis haben wir in unserem Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ veröffentlicht. Es zeigt: Die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche wird professionell organisiert und ist Teil langfristiger und umfassender Lobbystrategien.
von 30. April 2013

titel_schulpapierLobbyismus macht auch vor der Schultüre nicht halt. Wir haben untersucht, mit welchen Methoden Lobbyisten Einfluss auf den Unterricht nehmen und welche Motive dahinter stecken. Das alarmierende Ergebnis haben wir in unserem Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ veröffentlicht. Es zeigt: Die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche wird professionell organisiert und ist Teil langfristiger und umfassender Lobbystrategien.

Mit einem offenen Brief an die Bildungsminister protestieren wir gegen diese Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche.Die Unteschriften haben wir am 17. Juni 2013 an Stephan Dorgerloh, Präsident der Kultusministerkonferenz, übergeben.

Lobbyismus an Schulen – Wo gibt`s denn so was?!
Immer mehr Lobbyisten erstellen Unterrichtsmaterialien, veranstalten Schulwettbewerbe und bilden Lehrer fort. Doch hinter dem scheinbar wohlmeinenden Engagement stehen konkrete Interessen, die dazu führen, dass die Inhalte einseitig werden. Kinder und Jugendliche als Wähler und Konsumenten von morgen werden zum Ziel einer langfristigen und umfassenden Lobbystrategie.

Dass die Inhalte einseitig werden, ist nicht verwunderlich. Denn der Einsatz an den Schulen soll letztlich den Verbands-, Unternehmens-, oder Vereinszielen dienen. Inhaltlich ausgewogenes Engagement, das auch die kritische Gegenmeinung ausführlich darstellen würde, widerspräche diesem Ziel. Deswegen schlägt VW in seinem Unterrichtsmaterial zum Thema Mobilität und Klimaschutz natürlich nicht vor, mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Und die Lobbyorganisation der Erdgas- und Erdölförderunternehmen will mit ihrem Schulengagement: „die Reputation der Branche verbessern“.

Mit dieser indirekten Lobbyarbeit soll die Stimmung in der Bevölkerung beeinflusst werden, um so Einfluss auf die Politik auszuüben. Den Akteuren geht es nicht um Bildung, sondern um Meinungsmache und Marketing. Und die Politik schweigt dazu oder fördert sogar zweifelhafte Kooperationen. Dagegen protestieren wir in einem offenen Brief an die Bildungsminister, den Sie hier unterzeichnen können.

Wie und wo Einfluss genommen wird
Es gibt viele Möglichkeiten, die Unterrichtsinhalte an Schulen zu beeinflussen. Einseitige, meist kostenlos zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialien sind ein Beispiel. Da Schulbücher an Schulen oft veraltet sind, eignen sich die Materialien gut, die politische Botschaft mit aktuellen Themen zu verknüpfen und so in die Schule zu tragen. Eine weitere Möglichkeit ist es, Vertreter von Unternehmen oder Verbänden als „Experten“ in den Unterricht zu schicken.

Auch Schulwettbewerbe und Spiele werden für Meinungsmache genutzt. Der unterhaltsame Ansatz soll die Inhalte für die Kinder und Jugendlichen attraktiv machen und ein positives Image erzeugen. Und sogar offizielle Schulbücher sind vor der Einflussnahme nicht sicher. In unserem Diskussionspapier liefern wir zu allen Vorgehensweisen anschauliche Beispiele.

So öffnet sich die Schultür
Wie schaffen es Lobbyisten überhaupt, in die Schulen zu kommen? Einer der wichtigsten Tricks ist, dass die einseitigen Inhalte so geschickt verpackt werden, dass sie auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Vor allem Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben viel Geld und Know-how, um einseitiges Unterrichtsmaterial herzustellen, neutral zu verpacken und so in die Schulen zu bringen. Ein weiterer Grund ist die schlechte Finanzierung der Schulen. Der Druck, sich auf zweifelhafte Angebote einzulassen, nimmt damit zu.

Um den Zugang zu Schulen zu erleichtern, rücken Lobbygruppen zudem durch Studien bestehende oder auch nur vermeintliche Mängel im Bildungssystem in den Fokus. Mehr Engagement von Unternehmen an Schulen wird dann als Lösung verkauft. Auch die Wahl vermeintlich unverfänglicher Themen wie etwa Verschuldung, Energiesparen oder die Berufswahl dienen als Türöffner für Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.

Was tun?!
Die Politik muss einen kritischen Umgang mit externen Materialien und Angeboten fördern. Besonders bedenkliche Praktiken müssen unterbunden werden. Dazu gehören Werbung, intransparente Finanzierung oder Kooperationen, die finanzielle Abhängigkeiten schaffen.

Auch die Schulen müssen sich aktiv mit der Einflussnahme auf Inhalte auseinandersetzen und diese thematisieren. Lehrerinnen und Lehrer sollten sich beispielsweise genau anschauen, wer hinter einem Angebot steht. Lobbyismus im Klassenzimmer wirksam einzudämmen, kann nur gelingen, wenn sich alle Betroffenen beteiligen.

Das Diskussionspapier lesen und bestellen
Laden Sie hier das Diskussionspapier kostenlos herunter. Das Heft wird zurzeit überarbeitet und steht dann auch wieder als gedruckte Version zum Bestellen zur Verfügung.

Oder lesen Sie es einfach online:

Weitere Informationen zum Schwerpunkt Lobbyismus an Schulen.

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10 Kommentare

Felix Kamella14. Mai 2013 um 15:19

Hallo Christian Schwarzbauer,

ja, das ist uns bewusst. „882.540 solcher Materialien“ bezieht sich auf „kostenloser und online zugänglicher Unterrichtsmaterialien“. Vielleicht haben wir das an der Stelle etwas unglücklich formuliert.

Christian Schwarzbauer14. Mai 2013 um 16:14

Herr Herr Kamella,

ich finde es in der Tat irreführend, da es in Ihrer Broschüre ausschließlich um Lobbymaterial geht, die Zahl von 882.540 sich jedoch auf alle kostenlos downloadbaren Unterrichtsmaterialien bezieht. Das geht aus dem Text nicht hervor.

Tom Weber23. Mai 2013 um 0:06

Kein Wunder, dass Sie das erwähnen Herr Pinger, sitzen Sie doch genau am anderen Ende des Tisches. Der DGB und seine Unterorganisationen vetreten die Arbeitnehmerinteressen und arbeiten somit, dass sollte man zumindest annehmen, für die Masse der Menschen und nicht gegen sie. Somit wird sich der Fokus von LobbyControl nicht auf dessen Handeln legen, sondern vielmehr auf Ihres und Ihren Verband.

Henrik Maaß12. Juni 2013 um 19:41

In den landwirtschaftlichen Berufsschulen siet die Lage gefühlt noch dramatischer aus: Bayer, BASF, Monsanto und Co. liefern die Probleme und gleich dazu ihre Lösungen dazu. Habe selbst die Ausbildung gemacht und jedes zweite Unterrichtsmaterial kam aus der Privatwirtschaft. So ist es kein Wunder, dass der Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern nicht zurückgeht. Hier besteht auch dringender Handlungsbedarf, wenn wir die Landwirtschaft nachhaltig gestalten wollen.

Fritz Basseng25. März 2014 um 13:27

Grundsätzliches:
Der Lobbyismus schreitet auch an den Universitäten stetg weiter voran.

Das mwerke ich bei fast jedem SPD-Parteitag, bei welchen von Diskussionsrednern (nicht nur Jusos) finanz- und wirtschaftspolitische „Weisheiten“ (nach meinem Eindruck nachgeplappert) verkündet werden, die bei gezieltem Nachfragen nicht nur nicht verstanden, sondern auch nicht hinterfragt worden sind. Bei Studenten noch verständlich wegen des Arbeitsdrucks, wegen der Abhängigkeit von Dozenten bezgl. der Klausur-Ergebnisse, sollten jedoch alle sich immer wieder Fragen zu diesem Thema stellen.

Lukas26. März 2014 um 18:15

Lobbyismus in Schulen. Wenn da nur Manipulation ist zugunsten wirtschaftlicher Geschäftemacherei und Lernende verdummt werden, müssten alle – Lehrkräfte wie Schulaufsicht – aufklären und diesen unheilvollen Strategien Einhalt gebieten. Aber haben sie die dazu nötige Kraft, Mut und Eigeninitiative? Ja und was ist, wenn Vertreter bestimmter Methoden landauf und landab reisen, um den Beteiligten/Betroffenen bessere Unterrichtsinhalte und -methoden nachdrücklich zu empfehlen, um nicht zu sagen, vorzuschreiben? Kann man das auch Schullobbyismus im eigenen Interesse nennen? Denn wo wird evaluiert und bestätigt, dass solche Vorgehensweisen pauschal umsetzbar sind?

Claudia Braeun2. April 2014 um 15:19

Sehr schön, wenn immerhin durch euch das brandaktuelle Thema Lobbyarbeit an Schulen aufgegriffen und etwas näher beleuchtet wird, zumal bislang weder in der Politik noch bei den Verantwortlichen ein Interesse zu bestehen scheint, an diesem Zustand irgendetwas zu verändern. Es ist deshalb vermutlich nicht weiter erstaunlich, wenn sich bereits seit Längerem zahlreiche Mitglieder unterschiedlicher Fraktionen, Ämter und Ministerien, über angeblich rein verbraucherfreundliche Aktionen von Landesmedienanstalten, Kreismedienzentren, Workshops, speziellen Veranstaltungen in Häusern der Wirtschaft und industriefreundlichen Trainings- und Fortbildungs-programmen für Eltern und Lehrer wie bspw. auch den Lernmessen im Stile Didactas Lerntecs & Co., als Befürworter und Unterstützer und somit als Förderer geschickt platzierter, strategisch vorangebrachter neuster IT Projekte der MOFU Industrie, wissentlich oder nichtwissend, um was es sich eigentlich dreht, hier vor den Karren der Hersteller und Betreiber von Tabletts, Apps und Smartphones als Rechtsgaranten und Zugpferde spannen zu lassen. Mehr zielgerichtet als verantwortungsbewusst, soll der vermutlich wohl von allen gleichzeitig erspähte, künstlich geschaffene Absatz- u. Wirtschaftsmarkt für mobile Kommunikationsmittel, angeblich unverzichtbar und von allen gewünscht, als ebenso propagiertes neues Lehrmittel der Zukunft, innerhalb der nächsten drei bis sechs Jahre, Klassenzimmer Schüler und deren Unterricht, als weitere Strahlungs- und Einnahmequelle beglücken, um möglichst rasch den gewünschte Effekt zu erhalten. Die erst vor Kurzem auf bundesweit rd. 16.9 Mio. geschätzte Gesamtschülerzahl, kommt deshalb sicherlich nicht nur als Beifang, sondern als erwünschte Hauptfangquote, ins ohnehin bereits randvoll bestückte Beutenetz der MOFU Industrie und weiterer Nutznießer. Schülerinnen und Schüler incl. betreuender Lehrer, werden somit nicht nur transparent und „ferngesteuert einsehbar“ und zensiert sein, sondern auch als zukünftige Neukunden und wochentägliche Nutzer der als elementar beworbenen neuen Schulmedien, sowohl mit Hilfe privatwirtschaftlicher als auch Landes- und Staatsbezogener Förderung und Investitionen , zum kalkulier- und kontrollierbaren festen Kundenstamm dieser Industrie gehören, die fraglos das dazugehörige Potential mit sich bringt. Eher fragwürdige, da vermutlich zweischneidige Projekte wie 101 Schulen, Kinderland Baden- Württemberg oder funky school und Co., tun ihr Übriges und entpuppen sich bei genauerer Betrachtung wohl eher als Wegbereiter dieser vielgelobten Technik, mit all den ungeahnten Möglichkeiten zur Wissensvermittlung, vorgefertigter Meinungsmache und Allgemeinbildung im Stil des großen Teiches – Facebooks Microsofts Googels und alle Schlapphüte dieser Erde sind glücklicher Weise für die, die genauer Hinsehen, zwischenzeitlich ebenfalls viel besser zu erkennen. Wäre alles legitim und richtig, was machbar und lukrativ erscheint, und dabei noch völlig harmlos, ungefährlich und zum eigenen Schutz, hätte sich z.B. auch Herr Snowden den ganzen derzeitigen Terz ganz sicher nicht angetan. So wird ihm nun, bei aller derzeit an den Tag gelegten Dummheit Unverfrorenheit und Ignoranz, hoffentlich irgendwann einmal wieder danach sein, sich vor lauter Lachen über so viel freiwillige Selbstaufgabe und Zurschaustellung, vor lauter Lachen kräftig auf die Schenkel zu klopfen, während andere sich kraftvoll enthalten. Beste Aussichten und strahlende Zukunft im ehemaligen Land der Dichter, Denker und Erfinder.

Martina Lenzen18. August 2014 um 19:24

Als Lehrerin, die sich zur Zeit intensiv mit dem fehlenden Altenschutz auseinandersetzt,
wird mir immer bewusster, dass es nicht darum gehen kann, Kinder kompatibel für die Wirtschaft zu machen: „Kinder Business Workshop.“ Wichtig ist es, Menschen zu erziehen, die sich mit der Wirtschaft, die natürlich die Basis eines Landes ist, kritisch auseinanderzusetzen. Da in einigen Bundesländern die Schulen selbstständig werden – der Staat gibt die Verantwortung gerne ab – wird die Wirtschaft nicht uneigennützige als Geldgeber parat stehen. Alle Hauptaufgaben/ Verantwortungen des Staates werden abgegeben ( Ein schlimmes Beispiel ist unsere gewinnorientierte Pflegeindustrie.)

Die Schule ist ein Bildungsort. Verantwortung, Kompetenzen: Das macht doch den mündigen kritischen Bürger aus, den die Politiker doch angeblich wollen.
Obacht!

Gruß
M.Lenzen

AlfSuletzki (auf Twitter)26. Februar 2015 um 8:33

Siehe zu den bis zu 10 Mio € der INSM für die Manipulation der Inhalte usw. an Schulen, Unis, Wikipedia, in sonstigen Medien usw. für die Umverteilung nach oben meine diversen Quellen mit Google unter
[insm schulen site:rossaepfel-theorie.de]
und http://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

Ronald Pabst1. März 2015 um 13:57