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Unsere Reaktion auf SZ-Artikel zu Lobbyarbeit im Klassenzimmer

Lobbyismus an Schulen

Die Süddeutsche Zeitung hat am Donnerstag den 26. Juni in der Beilage zum Thema Lernen erfreulicherweise einen Artikel über Lobbyarbeit im Klassenzimmer veröffentlicht. Darin wird über Unternehmen berichtet, die mit Unterrichtsmaterialien versuchen, Einfluss auf den Unterricht zu nehmen. Als Beispiele werden Materialien vom Bundesverband Investment und Assetmanagement und von VW genannt. Beide hatten wir auch schon in unserem Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ kritisiert.

In dem Artikel komme auch ich neben dem Bundesverband der Verbraucherzentralen und Eva Matthes von der Universität Augsburg als kritische Stimme zu Wort. Leider wird eine Position von mir an einer Stelle missverständlich widergegeben. Dort heißt es: „Die Pädagogin [Eva Matthes] sieht die Schulen in der Pflicht: ,Hier sollten auch alternative Lebensentwürfe vorgestellt und diskutiert werden, die in den Materialien nicht aufgeführt werden.‘ Ähnlich sieht das die Nichtregierungsorganisation Lobbycontrol in Köln. Allerdings zweifelt Felix Kamella, der für die Organisation das Projekt ,Meinungsmache an Schulen‘ betreut, daran, dass Lehrer dazu in der Lage sind: ,Viele Lehrer haben nicht gelernt, kritisch mit dem Material umzugehen.‘“

Es stimmt, dass Meinungsmache an Schulen in der Lehrerausbildung kaum eine Rolle spielt. Das ist tatsächlich ein Problem. Daraus zu schließen, dass LehrerInnen insgesamt nicht in der Lage sind, Materialien von Unternehmen im Unterricht kritisch zu behandeln, ist jedoch falsch. Ich bin selbstverständlich überzeugt, dass LehrerInnen bei einer entsprechenden Sensibilität für das Thema fähig sind, einen kontroversen Unterricht zu gestalten.

Dennoch haben es auch kritische LehrerInnen bei vielen Materialien schwer: Man sollte nicht unterschätzen, wie professionell die Manipulation von Inhalten teilweise versteckt wird. Sie ist dann auch für ein kritisches Auge nicht immer zu erkennen. Hinter der Meinungsmache an Schulen steckt häufig viel Geld und Know-how mit dem Ziel, interessengeleitetes Material neutral zu verpacken und so in den Unterricht zu bringen.

Eine einseitig positive, werbende Darstellung oder die Platzierung von Markennamen ist vergleichsweise leicht zu durchschauen. Schwieriger zu erkennen ist das gezielte Weglassen einzelner unerwünschter Inhalte. So kann sich eine auf den ersten Blick kontroverse Darstellung auf den zweiten Blick als Scheinkontroversität entpuppen. Dabei können starke Gegenargumente verschwiegen, die Gegenseite eher mit Allgemeinplätzen zitiert oder Pro und Kontra durch einen vermeintlich neutralen Experten ergänzt werden, der dann das Interesse der Herausgeber stützt.

Eine kritische Auseinandersetzung wird zudem strukturell erschwert: Die zunehmend schlechte Finanzierung macht Schulen anfälliger, sich auf externe Angebote einzulassen, um einen attraktiven Schulalttag zu gewährleisten. Zudem ist es keine Seltenheit, dass LehrerInnen in Fächern unterrichten, in denen sie nicht ausgebildet wurden. Auch das macht es nicht einfacher.

Wir sehen daher auch die Politik in der Verantwortung, das Problem nicht allein auf die LehrerInnen abzuwälzen. Sie muss einen kritischen Umgang mit externen Materialien und Angeboten fördern und das Thema gezielt in der Schule und im Schulumfeld zu behandeln. Dabei geht es nicht um simple Verbote. Die Freiheit, die LehrerInnen vor allem im Umgang mit Materialien für den Unterricht haben, ist richtig und wichtig. Als „Gatekeeper“ können sie mit Materialien und Kooperationen kritisch umgehen und sie sogar verhindern. Wir fordern die Politik auf, sie dabei stärker zu unterstützen.

Das Diskussonspapier „Lobbyimus an Schulen“ kostenlos bestellen

Autor: Felix Kamella

Studierte in Bonn Politische Wissenschaft, Osteuropäische Geschichte und Slavistik. Seit Februar 2011 arbeitet er bei LobbyControl. @felixkamella

2 Kommentare

  1. Wo die Schwarze Null zum “Dogma” von einer “Schwäbischen Hausfrau” auserkoren und selig machender Schuldenbremse ewiglich geworden ist, sind die Wege frei gemacht , für die Wirtschaftlichen Interessen,in Schulen und Hochschulen endlich den “Fuß” vollständig in der Tür zu haben.
    Das Land der ” Dichter und Denker” im 21. Jahrhundert stellt sich selbst ein “Armutszeugnis” aus.Lehrer die Elternschaft und Elternrat wollen ja nus das Beste für die Kinder,sie sollen so früh wie möglich lernen, daß Ihr Geld bei der Sparkasse angelegt wird und dazu ein Bausparvertrag und eine Lebensversicherung die Zukunft sichert.
    Außer es gibt eine Banken und Finanzkrise, mit der niemand rechnen konnte.
    Da Schicksal kennt nur einen “Verlierer”- die Demokratie und Selbstbestimmung

  2. Die deutscher Wirtschaft finanziert doch stipendien unserer Lehrer http://www.sdw.org/studienkolleg/studienkolleg

    Welche Intressen haben Firmen – oder gibt eine Firma Geld ohne Gegenleistung?
    Ich kenne keine !
    Stiftung der deutschen Wirtschaft – Förderer & Partner -Kapitalgeber
    http://www.sdw.org/foerderer-partner/kapitalgeber

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