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didacta: Wer will in die Köpfe unserer Kinder? Ein Rundgang über die Bildungsmesse zu Meinungsmache und Marketing

Lobbyismus an Schulen

Meinungsmache und Marketing sind an Schulen keine Ausnahme mehr. Unternehmen stellen ganze Lerneinheiten bereit oder schicken ihre Mitarbeiter als „Experten“ in Schulen. Letztes Jahr haben wir dazu ein vielbeachtetes Diskussionspapier veröffentlicht.

Auch auf der wichtigen Bildungsmesse didacta sind viele Unternehmen und Verbände vertreten. Einige davon sind in der Vergangenheit durch fragwürdige Aktivitäten an Schulen aufgefallen. Ein Team von LobbyControl war in diesem Jahr auf der didacta, um Beispiele für Marketing und Meinungsmache an Schulen zu sammeln. Die Dokumentation der Ergebnisse finden Sie weiter unten. Außerdem haben wir Journalisten über die Messe geführt. Die taz hat darüber berichtet.

Unser Besuch auf der didacta war aufschlussreich. Wir haben viel darüber erfahren, wie Meinungsmache an Schulen funktioniert und wie die Anbieter fragwürdiger Aktivitäten diese versuchen zu legitimieren. Wir haben außerdem erfahren, dass die sogenannte Bildungskommunikation als „wichtiger Bestandteil der Gesamtmarketingstrategie“ für Unternehmen gesehen wird. Solche „Bildungskommunikation“ öffnet Schultüren leichter als Werbung, da diese an Schulen nicht erlaubt ist. Und ein Verbandsverteter hat offen zugegeben, dass das Schulmaterial seines Verbandes „natürlich auch PR“ sei.

Die vielen Beispiele zeigen, dass es sich nicht um Ausnahmefälle handelt, sondern häufig viel Geld und Know-how hinter der Meinungsmache an Schulen steckt. Dabei wird das interessengeleitete Material neutral verpackt, um es leichter in den Unterricht zu bringen.

Die Politik hat dieses Problem zu lange ignoriert oder fragwürdige Kooperationen sogar gefördert. Es ist höchste Zeit zu handeln. Kritische Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sind gefragt. Und eine Politik, die einen selbstbewussten und kritischen Umgang mit externen Angeboten unterstützt.

Das Schulpapier und den Flyer „Lobbyismus an Schulen“ können Sie hier kostenlos bestellen.



Den Flyer „Lobbyismus an Schulen“ können Sie hier kostenlos bestellen, oder hier online anschauen (PDF).


 


 


 


 


 


 


Die Einflussnahme auf den Unterricht ist mit der Zeit immer professioneller geworden. Mittlerweile gibt es Agenturen, die sich auf die Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben. Die Agentur für Bildungskommunikation Capito erklärt in einem Video wie es funktioniert:


Ein spannender Tag auf der didacta geht zu Ende. Wir haben längst noch nicht alles gesehen, aber genug für heute.
Wenn Sie selbst zur didacta fahren, halten Sie die Augen offen. Über Hinweise an kontakt@lobbycontrol.de würden wir uns sehr freuen.



 


Das Portal „Unternehmergeist in die Schulen“ blendet dabei Gefahren und mögliche Nachteile für die Schulen praktisch aus. Schulen sollten jedoch immer Vor- UND Nachteile und die möglichen Motive der beteiligten Unternehmen beachten. Besonders dauerhafte Kooperationen können zu Abhängigkeiten und mangelnder Distanz führen. Seitens der Politik wären klare Kriterien nötig.


 

Mit der INSM haben wir uns im Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ schon ausführlich beschäftigt: „Im Bildungsbereich besonders aktiv ist etwa die INSM, die sich u.a. dafür einsetzt, dass der Arbeitsmarkt und das Bildungswesen stärker an den Bedürfnissen von Unternehmen ausgerichtet werden. Diese Sichtweise findet sich auch auf dem von der INSM Lehrerportal Wirtschaftundschule.de wieder, beispielsweise zum Thema Soziale Sicherung (pdf). In dem gleichnamigen Material konzentriert sich die INSM auf die Probleme und Gefahren sozialstaatlicher Maßnahmen und stellt soziale Gerechtigkeit als eine Utopie dar. Eine kontroverse und kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ist so kaum möglich.“ (S. 6)

Wie die INSM mit Studien versuchte, Mängel in Schulbüchern zu konstruieren, steht auf Seite 12 in unserem Diskussionspapier. Ein kritischer Blick auf die von Arbeitgebern finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft insgesamt findet sich in der Lobbypedia.


 

Hintergrund: Der Verband deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) gehört zu den ältesten Wirtschaftsverbänden, er wurde bereits 1892 gegründet. Zu den Mitgliedern gehören neben Mittelständlern auch die großen wie BMW, Bosch oder Siemens. In Brüssel gab der Verband laut EU-Transparenzregister 2012 zwischen 1,5 und 1,75 Mio. € für Lobbyarbeit aus.


 

Hier finden sich die Referenzen von Klett MINT, darunter umstrittene Materialien wie die Genius-Reihe für Daimler (siehe unten) oder für My Finance Coach (v.a. von der Allianz getragen).


 


 


 

Über den Werbefeldzug von Apple und Co. an Schulen gibt es einen interessanten Artikel auf Welt Online. Die großen Technikkonzerne werben alle mit eigenen Schulprogrammen um die Gunst der Lehrer. Von Google gibt es das „Certified-Teachers“-Programm, Microsoft zeichnet Lehrer als „Expert Educators“ aus und Samsung unterstützt die Initiative „Digitale Bildung neu Denken“. Ob iPad-Klasse oder Galaxy-Tab-Klasse macht für die Hersteller einen gewaltigen Unterschied. Es wäre eine Recherche wert, ob und wie die Technikkonzerne auf Bildungspolitiker oder Lehrpläne einwirken.


 

Auf unsere Anfrage, ob das Material der Daimler AG mit dem Schulgesetz vereinbar ist, antwortete das Schulministerium in NRW: „Das Beispielheft der Daimler AG beinhaltet ohne Frage Abbildungen unternehmenseigener Fahrzeuge, von denen eine gewisse Werbewirkung ausgeht. Gleichwohl sind sie in einen schulischen Gesamtkontext eingestellt, der dazu beiträgt, dass die Werbewirkung hinter dem schulischen Nutzen zurücktritt.“ So lässt sich eigentlich jegliche Aktivitäten an Schulen begründen.


 


 

Das Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ gibt es hier zum Runterladen oder Bestellen.

Hier unsere Pressemitteilung zum Start der didacta (PDF).

Autor: Felix Kamella

Studierte in Bonn Politische Wissenschaft, Osteuropäische Geschichte und Slavistik. Seit Februar 2011 arbeitet er bei LobbyControl. @felixkamella

29 Kommentare

  1. Hallo liebe Community,

    für noch drei Wochen bin ich Schüler und halte dann hoffentlich mein Abiturzeugnis in der Hand. Lobbyismus an Schulen wird bei uns in Bayern groß geschrieben. Ein Beispiel:
    Es gibt seit kurzem verpflichtend das P-Seminar an Schulen. Dies Seminar ist Pflichtseminar an jedem Gymnasium für jeden Schüler. Ziel dieses Seminars ist die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen. Das freut unsere Unternehmen selbstverständlich und Sie bieten selbstlos ihre Zusammenarbeit an. In der Umsetzung gestaltet sich das Ganze mit ordentlich Schwierigkeiten. Das interessiert unser Kultusministerium (in Bayern auch KUMI(ST) abgekürzt wenig. Warum also aufregen…

    Mittlerweile ist der Lobbyismus ja schon im Lehrplan integriert.

    Grüße aus dem Weiß Blauen Teil Deutschlands

  2. Vielen Dank für diese Arbeit! Auch die Partnerschaften vieler Schulen mit Wirtschaftsunternehmen müssten mal kritisch unter die Lupe genommen werden.. In den Gymnasien gehört das inzwischen zum guten Ton, das „man“ das hat. Kritische Nachfragen bleiben unbeachtet. Die Eltern haben kein Mitspracherecht. Es gibt keine Transparenz über das Geben und Nehmen. Schulen knien nieder vor Dankbarkeit, weil sie dann ja doch die Gesteinssammlung geschenkt oder das Whiteboard finanziert kriegen.

  3. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Bekämpfung von Lobbyismus, ganz besonders an Schulen!
    Unsere Kinder, aber auch wir Erwachsene, werden schon mehr als genug manipuliert durch häufig irreführende Werbung, aber auch durch die vielen Krimis, die sicher auch Nachahmer finden.

  4. danke, dass Ihr an so vielen Themen dran bleibt! Auf der didacta sind nicht nur die offensichtlichen Lobbyisten interessant. Schaut doch mal, wie viel Platz die großen Verlage haben, wie wenige kleine (und tatsächlich noch innovative) Verlage es gibt und bei wie vielen als „Zweit“name schon der Name der wenigen Großen draufsteht. Die Vielfalt der Angebote im Lehr- und Lernmittelbereich ist seit einigen Jahren auffallend rückläufig.
    Seid weiter für uns aufmerksam!
    Signe, 26.3.2014

  5. Die finanzielle Misere unserer Kommunen, die letztlich als Schulaufwandsträger wesentlich für die Finanzierung unserer Schulen in der Verantwortung stehen, lässt nicht gutes befürchten. Die Entwicklung des „Rohstoffes“ Bildung wird immer mehr von den Finanzministern bestimmt. Um zu wissen, wo das über kurz oder lang hinführen wird, braucht man kein großer Prophet zu sein. Wir sind auf gutem Wege von der Bundes- in die Bananenrepublik. Würden wir allen Steuerhinterziehern a´la Hoenes habhaft werden, könnten wir uns ein Bildungssystem leisten, das diesen Namen auch verdient. Aber möglicherweise ist das politisch gar nicht gewollt. Nicht umsonst sitzen die meisten Bundestagsabgeordneten in irgendwelchen Aufsichtsräten. Hier müsste zuallererst angesetzt werden. Es gibt allerdings nur eine Partei in der Bundesrepublik, die in ihrem Programm die Zugehörigkeit zu Aufsichtsräten und Firmenspenden kategorisch ausschließt. Diese ist leider noch nicht im Bundestag vertreten. Daher ist innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes auch keine Änderung zu erwarten. Das ist leider die Realität 2014 ff in Deutschland.

  6. Grandios – danke für Eure Ausdauer und Hartnäckigkeit!! Ich habe gerade mal ein wenig zu Klett-Mint recherchiert und stolpere immer wieder über die Selbstverständlichkeit, mit der für die hauseigenen Veröffentlichungen geworben wird:

    »Wir öffnen Ihnen die Türen in Schulen und Hochschulen«: »Als traditionsreiches Verlagshaus und führendes deutsches Bildungsunternehmen bieten wir Ihnen einen exzellenten Zugang in die Schulen. Profitieren Sie von der Marke Klett!«

    »Die gezielte Platzierung Ihrer Arbeitgebermarke, Produkte oder Dienstleistungen sichert eine frühzeitige Bindung an Ihr Unternehmen oder Ihre Hochschule. […] Die lange Lesedauer garantiert eine optimale Wahrnehmung Ihrer Themen.«

    Und selbstverständlich bietet Klett auch Extrawünschen Raum. Kunden können »Sonder- und Themenhefte (nach Ihren Wünschen)« in Auftrag geben: »Lassen Sie Ihre Inhalte in einer maßgeschneiderten Sonderausgabe für SchülerInnen journalistisch hochwertig umsetzen. So profitieren Sie von individuellen Themen, Erscheinungsterminen, Auflagen und Verbreitungsgebieten.«

    Und anstelle klassischer Anzeigen können sog. »Advertoriale« gebucht werden – »redaktionell gestaltete Anzeige[n], in der Sie Ihr Unternehmen und Ihre Ausbildungs-, Stellen- oder Produktangebote ausführlich vorstellen können. Wir setzen Ihr Advertorial nach Ihren Wünschen im „look & feel“ der Zeitschrift.« Man ist auch gerne bereit, werbende »Botschaft[en] an die Lehrkräfte direkt im Lehreranschreiben« einzubringen.

    Alles mit dem Impuls, »Industrie, Handwerk und Wirtschaft […] in den Schulen, den Universitäten und Hochschulen, bei Lehrkräften, Eltern, Schülerinnen, Schülern und Studierenden, aber auch in den frühkindlichen Bildungsangeboten zu platzieren.« Auf den Punkt gebracht: Der Verlag Klett – »eine kooperationsorientierte Dienstleistungseinheit«.

    Danke nochmal herzlichst für Eure Arbeit!! ;)

  7. Lobbycontrol weist auf Missstände hin, die häufig in den Medien gar nicht oder nur „so nebenbei“ erwähnt werden. So far, so good.
    Zum Thema Lobbyismus an Schulen muss aber gefragt werden, wie z.B. das Projekt „Neue Technologien und Schule“ in Nds. in den 90er Jahren ohne die Initiative der Wirtschaft/Industrie, hier besonders der IT-Branche, so erfolgreich umgesetzt worden wäre. Natürlich haben damals die großen und kleinen IT-Firmen ganze PC-Austattungen, Lehrgänge usw. gesponsert, weil die begrenzten Schuletats das gar nicht hergaben; außerdem waren die Kenntnisse der Lehrerschaft im Bereich moderne Technologien rudimentär und bedurften dringend der Weiterbildung durch Fachleute (Industrie, Wirtschaft). Aber halten Sie die Lehrerschaft für unfähig, das Problem „Lobbyismus“ im Unterricht einer kritischen Sicht zu unterziehen und den Schülern entprechende Informationen zu vermitteln? Zum Thema: „Einflussnahme der Wirtschaftslobby auf die Unterrichtsinhalte“ kann ich nur anmerken: Wenn man diese „Impulse“ nicht hätte, würden wir an unseren Schulen wohl noch immer in einer eigenen (Traum)Welt leben. „…für das Leben lernen wir“ beinhaltet doch auch: auf die Berufswelt vorbereiten. Tun wir das nicht, verkennen wir das Wesen unseres Berufes. Dass wir den GANZEN Menschen bilden müssen, versteht sich von selbst. Die Schulen sind ohnehin zu Reparaturstätten der Gesellschaft geworden in einer Zeit, in der viele Eltern zu einer sozialen Erziehung ihrer Kinder nicht willens oder nicht fähig sind. Fragen Sie einmal Insider „von der pädagogischen Front“ …

  8. Seit zwei Jahren unterstütze ich Lobby Control, da diese Arbeit eine sehr wichtige und bedeutende ist. Das heraus gegebene Papier: „Lobbyismus an Schulen“ verbreite ich, wann immer es mir möglich ist, da hier sehr genau hin geschaut wurde. Zusätzlich empfehle ich für die Materialauswahl den sog. Materialkompass des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Ein Expertenteam wertet Materialien nach Kriterien aus wie Sachrichtigkeit, Werbefreiheit, Lebensweltbezug und daran, ob Inhalte kontrovers, vergleichend, aus verschiedenen Perspektiven und unparteiisch dargestellt werden. Daumen hoch!

  9. Bei uns am Gymnasium gibt es eine gute Zusammenarbeit mit der Pharmafirma Roche.
    Natürlich ist es eine gute Sache solch einen finanzkräftigen Sponsor an der Seite zu haben, jedoch wird so ganz nebenbei den Jugendlichen vermittelt, dass es gut ist z.B. bei solch einer Firma eine Ausbildung zu machen oder dass die Produkte der Firma als gut und seriös gelten.
    Es zeigt auch, wie unterfinanziert unser Schulsystem ist. Sonst würde man auf Sponsoren verzichten können. Aber in einer Welt „Allianzarena, Audidome, Etihad Stadium“ und gesponsert von XXXXX wird so etwas zur Normalität
    Selbst Vereine, wie der Deutsche Alpenverein gehen solche Wagnisse z.B. mit Toyota und der Bayrischen Versicherungskammer ein. So bekommen die Firmen sogar einen Werbeplatz mitten in der Natur. Unsere Kinder kennen es bereits nicht mehr anders.

    http://www.gymnasium-penzberg.de/index.php/ueber-uns/kooperationen

    • Und das finden Sie wohl gut?!
      Die Unternehmen als Sponsoren machen es doch nicht umsonst,
      die erwarten doch gewissermaßen eine Art Gegenleistung.
      Bestimmte Sponsoren an Schulen geben doch dann den Ton an …
      Wo bleibt denn die Objektivität, die Vielseitigkeit an den Bildungsstätten?
      Es gibt dann oft eine Manipulation in nur eine Richtung hin, und das passt gar nicht, denn die Schüler werden in ihrer Meinungsbildung quasi nahezu deformiert und desinformiert.
      Sie sollten nach Möglichkeit nach allen Richtungen offen sein – und nicht sozusagen einen gewissen Tunnelblick seitens der Wirtschaft aufoktroyiert bekommen!

  10. früher gab es an schulen regelmäßig werbeveranstaltungen für die bundeswehr. aber das ist wahrscheinlich jetzt abgeschafft. wenn nicht, müsste man dagegen angehen.
    finde eure arbeit sehr wichtig!
    lg lissy

  11. Ich bin euch sehr dankbar für diese wichtige Arbeit ! Mich stört und ärgert der Einfluss der Lobbyisten auf Schule (und Kindertagesstätten !) schon sehr lange.
    Den Bibel-Bus solltet ihr besonders sorgfältig beobachten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht die evangelische (oder die katholische) Kirche damit Werbung macht. Es sieht mir sehr viel mehr nach Werbung für eine evangelikale/missionarische/pfingstlerische Gruppe aus. Mit der neutral klingenden Bezeichnung „Bibel-Bus“ soll den Interessierten
    Lehrkräften suggeriert werden, dass hier ganz neutral für „das Christentum“ geworben wird. Lasst euch mal ein paar Texte geben und schaut nach den presserechtlich Verantwortlichen, da zeigt sich vielleicht/hoffentlich, wes Geistes Kind sie sind.

  12. Wären Schulen ohne das, was ihr „Lobbyismus“ nennt, wesentlich besser?

    Meines Erachtens nicht. Ihr würdet immer noch Kinder zur Arbeit zwingen und fortwährend verhöhnen und beleidigen. Ihr müsstet nur nicht mehr auf der didacta rumlungern und pseudolinkes Gewäsch ins Internet absondern.

    Warum wird Lobbyismus für Schulen und/oder Lehrer nicht hinterfragt?

    Selbstverständlich, weil ihr Lehrer seid oder werden wollt, und weil Ihr Euren eigenen Lobbyismus braucht und machen wollt. Die vollends Geldbefreite „Bildungsmesse“ wird nicht lange auf sich warten lassen und dann auch gar nicht mehr als anstößig empfunden werden. Von Lehrern und anderen Mitläufern.

    • Auf Ihre Frage hin ob Schulen ohne den hier beschriebenen Lobbyismus besser wären kann ich Ihnen nur Sagen – Ja, es wäre so.

      Ich glaube Sie haben den Sinn und Zweck dieser Aktion nicht verstanden.

      Bildung muss frei von wirtschaftlichen Interessen sein, damit sich ein Kind ein unvoreingenommenes Weltbild aufgrund seiner „eigenen“ Meinung bilden kann. Jegliche Einmischung von Profitorientierten oder politischen Interessen sind da fehl am Platze, weil es zu erheblichen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes nimmt. Um dies zu erkennen muß man keinen Doktortitel haben.

      Darüber hinaus würde mich mal interessieren wie Sie darauf kommen, daß wenn es keinen Lobbyismus gäbe Kinder zur Arbeit gezwungen und darüber hinaus noch verhöhnt und beleidigt werden? Es würde mich jedenfalls stark wundern wenn Sie dazu eine stichhaltige Begründung finden würden und aufgrund dieser Erkenntnis kann ich daraus nur schließen, daß das einzig „Pseudolinke Gewäsch“ welches im Internet abgesondert wird von Ihnen kommt.

      Ich jedenfalls bin froh daß es noch Menschen gibt, die gegen sowas aktiv werden, wofür der Otto-Normal-Bürger in seinem stressigen Alltag mit Beruf, Erziehung und Haushalt einfach keine Zeit mehr hat. Man läuft sogar Gefahr, wenn dem nicht Einhalt geboten wird eines Tages unsere Kinder nur noch als Komsumzombies herangezüchtet werden, so abwegig dies auch für Menschen wie Sie klingen mag.

      Für den Fall daß Sie jetzt denken ich würde durch meine Antwort auf Ihren Beitrag Lobbyismus in eigener Sache machen weil ich Lehrer bin oder werden will kann ich Sie beruhigen – Ich bin kein Lehrer und will es auch nicht werden.

      • > Auf Ihre Frage hin ob Schulen ohne den hier beschriebenen Lobbyismus besser wären kann ich Ihnen nur Sagen – Ja, es wäre so.

        Bestimmt, irgendwie. Ein anderer Lobbyismus würde dessen Platz einnehmen.

        > Ich glaube Sie haben den Sinn und Zweck dieser Aktion nicht verstanden.

        Ad Personam.

        > Bildung muss frei von wirtschaftlichen Interessen sein, damit sich ein Kind ein unvoreingenommenes Weltbild aufgrund seiner “eigenen” Meinung bilden kann.

        Bildung an Schulen kann gar nicht frei von wirtschaftlichen Interessen sein, da Bildung ja die Teilnahme an der Wirtschaft ermöglichen soll. Bezeichnend, dass Sie das Wort „eigen“ in Anführungszeichen setzen. Was wollen Sie damit ausdrücken? Wie soll man gegenüber diesen Schulen nicht voreingenommen sein?

        > Jegliche Einmischung von Profitorientierten oder politischen Interessen sind da fehl am Platze, weil es zu erheblichen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes nimmt. Um dies zu erkennen muß man keinen Doktortitel haben.

        Das stimmt Inhatlich. Leider sind Lehrer ja auch am Profit interessiert und an Politik, und vor allem auch daran, beides Kindern aufzunötigen. Nach Ihrer doch recht ungewöhnlichen These müßte man Lehrern also Einfluß auf die Entwicklung von Kindern verunmöglichen. Auch ohne Doktortitel.

        > Darüber hinaus würde mich mal interessieren wie Sie darauf kommen, daß wenn es keinen Lobbyismus gäbe Kinder zur Arbeit gezwungen und darüber hinaus noch verhöhnt und beleidigt werden?

        Lehrer würden vermutlich auch ohne moralische Unterstützung durch die Industrie Schulen betreiben. An Schulen werden Kinder zur Arbeit gezwungen, von ihrer Umgebung verhöhnt und nicht nur durch „Zensuren“ oder andere Formen der Inwertsetzung Beleidigt. Schulen behandeln Menschen auf diese Art. Das ganze hat mit der Tatsache, dass Industrielle teilweise ganz ähnlich handeln nur am Rande zu tun. Lehrer sind Bildungsindustrielle – so herum wird ein Schuh daraus.

        > Es würde mich jedenfalls stark wundern wenn Sie dazu eine stichhaltige Begründung finden würden und aufgrund dieser Erkenntnis kann ich daraus nur schließen, daß das einzig “Pseudolinke Gewäsch” welches im Internet abgesondert wird von Ihnen kommt.

        Ad Personam.

        > Ich jedenfalls bin froh daß es noch Menschen gibt, die gegen sowas aktiv werden, wofür der Otto-Normal-Bürger in seinem stressigen Alltag mit Beruf, Erziehung und Haushalt einfach keine Zeit mehr hat.

        Was wäre denn, gäbe es ein Lobbyverbot an Schulen? „Lobby Control“ würde wohl in den Schulen kein Ziel mehr sehen, da die Schulen selber ja keine Lobby darstellen.

        Das ist übrigens ein interessanter Untersuchungsgegenstand: Lehrer dürfen eine Lobby haben oder betreiben, Schüler nicht.

        > Man läuft sogar Gefahr, wenn dem nicht Einhalt geboten wird eines Tages unsere Kinder nur noch als Komsumzombies herangezüchtet werden, so abwegig dies auch für Menschen wie Sie klingen mag.

        Inhaltlich ist das keineswegs Abwegig. Ich fürchte allerdings, dass auch, wenn „Lobbycontrol“ ihren Willen bekommen (was ja absehbar scheint), sich daran nicht viel ändern wird. Man muss halt dann nur daran glauben, an der Lehrer- und Schullobby sei irgend etwas besser als an Fast-Food-, Waffen-, Musikkonserven-, Bekleidungs-, Schulausrüstungs-, Alkohol- oder Zigaretten-Lobby. Andernfalls verstünde man den Zusammenhang. Die Bildungsmesse hat dann halt Logoverbot, Inhalte und Methoden bleiben gleich.

        > Für den Fall daß Sie jetzt denken ich würde durch meine Antwort auf Ihren Beitrag Lobbyismus in eigener Sache machen weil ich Lehrer bin oder werden will kann ich Sie beruhigen – Ich bin kein Lehrer und will es auch nicht werden.

        Zweiteres hatte ich nicht befürchtet. Ich denke trotzdem, dass sie Lobbyismus in eigener Sache machen. Ich darf anmerken, dass sich Ihre Beiträge zu dieser Debatte trotz umfangreicher Gelegenheit bislang auf subjektiv begründbare Angriffe gegen meine Person beschränkt haben. Mir ist schleierhaft, wie Verwechselungen zwischen solchem Verhalten und Politik zustandekommen konnte.

  13. Das ist aber super, dass Lobbycontrol sich mit der Meinungsmache an den Schulen befasst.
    Inwieweit die junge Lehrergeneration überhaupt noch dem firmenbezogenen Wirtschaftsdenken widerstehen kann oder will, lässt sich nicht sagen; aber die Firmen, Verbände und deren Strategien rechnen damit , dass viele Lehrer die gratis angebotenen Materialien unreflektiert einsetzen und dass ihre Schüler an den clever ausgedachten „Wettbewerben“ teilnehmen.

  14. Sorry, aber ich finde diese Panikmache von Lobbycontrol ziemlich dumm. Natürlich preisen die Unternehmen IHRE Produkte als die besten für die Schule, Lehrer und Schüler an. Ihnen das vorzuwerfen, ist nicht besonders klug. Würdet ihr Audi auch vorwerfen, dass es auf der IAA Werbung für seine Modelle macht?
    Ob ich ein Samsung Tablet oder überhaupt ein Tablet im Unterricht einsetze, entscheidet nicht Samsung, sondern ich als Lehrer (oder die Schule). Samsung kann Gründe liefern, warum man sie im Unterricht einsetzen sollte. Das sich das Unternehmen also darüber Gedanken macht, wie Tablets im Unterricht fördernd eingesetzt werden, ist erst einmal nicht schlechtes. Nichtsdestotrotz entscheidet nicht Samsung, sondern wie bereits geschrieben der Lehrer oder die Schule über den Einsatz.
    „Natürlich ist das auch PR“. Ja, klar Herr Kamella. Was dachten Sie denn? Sogar meine Schüler in der 8. Klasse wissen, dass sich auf einer Messe Unternehmen beteiligen, die für ihre Produkte „PR“ machen.

    • Ich finde diese Themen brisant und wesentlich. Die wenigen Gegner von LobbyControl äußern in ihren Beiträgen statt Argumenten weitgehend globale Abqualifizierungen. Wir haben uns leider daran gewöhnt daß aggressive Werbung menschlichen Wohn- und Lebensraum fast umfassend nutzt. Auch hier dominieren Tricks über sachliche Argumente, und genau das ist die riesige Gefahr! Unsere Kinder sollen auch lernen sich realistisch im Leben zu orientieren, und das gelingt nun mal nur mit sachlicher Prüfung aller Umstände. Die Feststellung daß Unternehmenswerbung allgegenwärtig sei ist gerade ein Argument für den Ausschluß von werbeverseuchtem „Unterrichtsmaterial“. Kultusminister die in Resignation aufgehört haben für die Inhalte echter Bildung zu kämpfen haben sich als amtsunfähig erwiesen und gehören zurück auf die Fortbildungsbank der Volkshochschulen, ausgestattet mit einem Existenzminimum von 1.500.-€ anstelle ihrer jetzigen horrenden Bezüge.

    • Also „Panikmache“ kann ich hier überhaupt keine erkennen. Und warum man genaues Hinsehen vor Ort bzw. Aufklärung darüber, welche Wirtschafts- und sonstige Interessen auf einer Pädagogik-Fachmesse vertreten werden, auch noch pauschal als „ziemlich dumm“ abwerten muss, ist mir gleichfalls ein Rätsel.

      Leider ist der Audi-Vergleich unglücklich gewählt, weil es z.B. im Falle von Daimler (s.o.) eben NICHT um die IAA geht – sondern um die didacta. Den Unterschied kennt vermutlich auch schon der eine oder andere Schüler der 8. Klasse.

      Sich mal die Frage zu stellen, was etwa Produktwerbung in Unterrichtsmaterial zu suchen hat, und ob es möglicherweise noch Zusammenhänge – wie z.B. die Schule – geben sollte, wo Heranwachsende nicht auch noch verdeckt oder ganz offen zum Konsum angehalten oder auf Marken konditioniert werden, erscheint mir persönlich doch eigentlich recht klug.

      @lobbycontrol: Besten Dank!

    • Sie vergleichen doch nicht im Ernst Schulen mit Messen und Ausstellungen wie z.B. mit der IAA?!
      So ein Blödsinn, das kann man doch nicht miteinander vergleichen!
      Da schießen Sie mit Ihrer Argumentation wohl ein Eigentor …
      Also – mit anderen Worten – begrüßen Sie ganz und gar den Lobbyismus seitens der Wirtschaft
      mittels Schulmaterialien, die aber in Wirklichkeit mehr oder weniger offene PR-Kampagnen
      der Unternehmen o.dgl. sind.

  15. Danke an Euch!
    Es ist unglaublich zu sehen, in welche Richtung unsere Gesellschaft driftet. Humanistische Errungenschaften werden in ihr perverses Gegenbild umgebogen und als Bildung verkauft. Das Schlimme daran: Der allergrößte Teil der Gesellschaft erkennt das nicht. Für viele ist das „Engagement“ der Wirtschaft und ihrer Lobbyisten bereits ganz normal – die lassen dafür eben auch mal was springen.
    Ich bin kein Verschwörungstheoretiker und glaube nicht an eine steuernde Macht hinter all diesen Bewegungen gegen „den Menschen“. das lässt aber dadurch nur einen furchtbaren Schluss zu: Die Beteiligten in den beschriebenen Organisationen sehen gar nicht, was sie da tun. Die scheinen tatsächlich daran zu glauben, dass ihre Philosophie von Geld, Leistung, Macht, Abhängigkeit und Ignoranz ein erstrebenswertes Ziel enthält, auf das sie mit unglaublich viel Energie und vor allem monetären Mitteln zuarbeiten. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Bildungslandschaft von bunten Sparprogrammen geprägt ist.
    Hier dagegen zu halten scheint mir fast aussichtslos. Die Politik proklamiert überall die „knappen Ressourcen“, setzt Legislaturperioden-getriebene Strukturänderungen schnell und hanebüchen um und als Lichtblick erscheint dann die Wirtschaftslobby und verteilt Gelder unter den bedürftigen Bildungsopfern, die dann die „Wahrheit“ freundlich und unverdaut schlucken.
    Der einzig wirkliche Lichtblick hier sind engagierte und vor allem öffentlichkeitswirksame Organisationen wie lobbycontrol, campact, attac etc., die konstruktive Kritik, ein offenes, humanistisches Weltbild und vor allem das Prinzip „Arsch hoch!“ leben und professionell fördern.
    Man kann Euch nicht genug dafür Danken.

    @alleLeser: SPENDET, SPENDET, SPENDET (nein, ich gehöre nicht zum Team)

    • Ein kluger Kommentar. Lassen wir uns nicht den Stempel „verschwörungstheoretiker“ verpassen, nur weil wir die Dinge durch unsere eigenen ungetrübten Filter sehen.
      Genauso wie wenn man Leute als Ausländerfeinde abstempeln will, die den Islam und dessen Vertreter hier kritisch sehen.
      Das schlimme ist auch, daß die Eltern der Kinder schon in einem Klima ausufernden Konsumterrors aufgewachsen sind. Wie will man da kritische Distanz erwarten? Und noch schlimmer finde ich es, wenn Lehrer (siehe „Robert“) ihren Arbeitsplatz mit der IAA vergleichen. Solche Leute haben an einer Schule nichts zu suchen.

  16. Vielen Dank für Ihre Arbeit!

  17. Es würde mich interessieren, ob die Körber-Stiftung dort auch vertreten ist: http://www.kurtkoerber.de/kurt-adolf-koerber

  18. Vielen Dank für das Infomaterial! Ich bin momentan noch Lehramtsstudent und bin mit dem Thema in einem Pädagogikseminar glücklicherweise schon in Berührung gekommen, bei einem besonders perfiden Fall, wo Kernenergie gegen regenerative Energien gesetzt wurden – und bei letzteren dann wenige, schlechtere und schlechter formulierte Argumente präsentiert wurden. Als angehender Deutschlehrer fände ich es eigentlich für den Werteunterricht interessant, gerade solche lobbygesteuerten Angebote zu nehmen und im Unterricht auseinanderzunehmen. Dass so etwas öffentlich gemacht wird ist von höchster Wichtigkeit. Vielen Dank dafür!

  19. Riesensauerei. Überall Kommerz! Die indirekte Privatisierung der Bildung, kostet eben auch etwas. Und was ein Bibelmobil da zu suchen hat, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Weil die Bibel ein Buch ist, oder was? Das ist Religion! Die hat dort nicht vertreten zu sein!

  20. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin strikt gegen die Einflussnahme der Konzerne auf die Bildungsinhalte des bundesdeutschen Schulsystems, das durch unsere Steuern getragen wird. Die Informationen auf Ihrer Internetseite werde ich weiterhin mit Interesse verfolgen. Es ist im Zuge der Militarisierung der Gesellschaft (siehe die Reden von Gauck und von der Leyen auf der diesjährigen Sicherheitskonferenz) zu erwarten, dass auch die Rüstungsbranche ihre PR in der Schule verstärken wird.
    Dem muss sich die Zivilgesellschaft vehement entgegenstellen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Bernhard Tiemann

  21. Ich bin froh, dass ihr das Thema aufgegriffen habt. Denn der Einfluss der Wirtschaft auf unsere „nachwachsenden geistigen Rohstoffe“ wird immer größer und ist der Demokratie abträglich.

    Vielen Dank für euer großes Engagement.

    Thomas Eberle

  22. Die Lobbyisten müssen unbedingt schärfer kontrolliert – also bekämpft – werden. Die Antwort des angefragten Ministeriums ist wertlos. »Der schulische Kontext trägt dazu bei« – das ist keine Gewährleistung, sondern eine schülerhafte Ausrede.
    Helmut Delbanco, 25. 03. 2014

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