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Jetzt veröffentlicht: Diskussionspapier zu Lobbyismus an Schulen

Lobbyismus an Schulen

titel_schulpapierLobbyismus macht auch vor der Schultüre nicht halt. Wir haben untersucht, mit welchen Methoden Lobbyisten Einfluss auf den Unterricht nehmen und welche Motive dahinter stecken. Das alarmierende Ergebnis haben wir in unserem Diskussionspapier „Lobbyismus an Schulen“ veröffentlicht. Es zeigt: Die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche wird professionell organisiert und ist Teil langfristiger und umfassender Lobbystrategien.

Mit einem offenen Brief an die Bildungsminister protestieren wir gegen diese Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche.Die Unteschriften haben wir am 17. Juni 2013 an Stephan Dorgerloh, Präsident der Kultusministerkonferenz, übergeben.

Lobbyismus an Schulen – Wo gibt`s denn so was?!
Immer mehr Lobbyisten erstellen Unterrichtsmaterialien, veranstalten Schulwettbewerbe und bilden Lehrer fort. Doch hinter dem scheinbar wohlmeinenden Engagement stehen konkrete Interessen, die dazu führen, dass die Inhalte einseitig werden. Kinder und Jugendliche als Wähler und Konsumenten von morgen werden zum Ziel einer langfristigen und umfassenden Lobbystrategie.

Dass die Inhalte einseitig werden, ist nicht verwunderlich. Denn der Einsatz an den Schulen soll letztlich den Verbands-, Unternehmens-, oder Vereinszielen dienen. Inhaltlich ausgewogenes Engagement, das auch die kritische Gegenmeinung ausführlich darstellen würde, widerspräche diesem Ziel. Deswegen schlägt VW in seinem Unterrichtsmaterial zum Thema Mobilität und Klimaschutz natürlich nicht vor, mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Und die Lobbyorganisation der Erdgas- und Erdölförderunternehmen will mit ihrem Schulengagement: „die Reputation der Branche verbessern“.

Mit dieser indirekten Lobbyarbeit soll die Stimmung in der Bevölkerung beeinflusst werden, um so Einfluss auf die Politik auszuüben. Den Akteuren geht es nicht um Bildung, sondern um Meinungsmache und Marketing. Und die Politik schweigt dazu oder fördert sogar zweifelhafte Kooperationen. Dagegen protestieren wir in einem offenen Brief an die Bildungsminister, den Sie hier unterzeichnen können.

Wie und wo Einfluss genommen wird
Es gibt viele Möglichkeiten, die Unterrichtsinhalte an Schulen zu beeinflussen. Einseitige, meist kostenlos zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialien sind ein Beispiel. Da Schulbücher an Schulen oft veraltet sind, eignen sich die Materialien gut, die politische Botschaft mit aktuellen Themen zu verknüpfen und so in die Schule zu tragen. Eine weitere Möglichkeit ist es, Vertreter von Unternehmen oder Verbänden als „Experten“ in den Unterricht zu schicken.

Auch Schulwettbewerbe und Spiele werden für Meinungsmache genutzt. Der unterhaltsame Ansatz soll die Inhalte für die Kinder und Jugendlichen attraktiv machen und ein positives Image erzeugen. Und sogar offizielle Schulbücher sind vor der Einflussnahme nicht sicher. In unserem Diskussionspapier liefern wir zu allen Vorgehensweisen anschauliche Beispiele.

So öffnet sich die Schultür
Wie schaffen es Lobbyisten überhaupt, in die Schulen zu kommen? Einer der wichtigsten Tricks ist, dass die einseitigen Inhalte so geschickt verpackt werden, dass sie auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Vor allem Unternehmen und Wirtschaftsverbände haben viel Geld und Know-how, um einseitiges Unterrichtsmaterial herzustellen, neutral zu verpacken und so in die Schulen zu bringen. Ein weiterer Grund ist die schlechte Finanzierung der Schulen. Der Druck, sich auf zweifelhafte Angebote einzulassen, nimmt damit zu.

Um den Zugang zu Schulen zu erleichtern, rücken Lobbygruppen zudem durch Studien bestehende oder auch nur vermeintliche Mängel im Bildungssystem in den Fokus. Mehr Engagement von Unternehmen an Schulen wird dann als Lösung verkauft. Auch die Wahl vermeintlich unverfänglicher Themen wie etwa Verschuldung, Energiesparen oder die Berufswahl dienen als Türöffner für Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.

Was tun?!
Die Politik muss einen kritischen Umgang mit externen Materialien und Angeboten fördern. Besonders bedenkliche Praktiken müssen unterbunden werden. Dazu gehören Werbung, intransparente Finanzierung oder Kooperationen, die finanzielle Abhängigkeiten schaffen.

Auch die Schulen müssen sich aktiv mit der Einflussnahme auf Inhalte auseinandersetzen und diese thematisieren. Lehrerinnen und Lehrer sollten sich beispielsweise genau anschauen, wer hinter einem Angebot steht. Lobbyismus im Klassenzimmer wirksam einzudämmen, kann nur gelingen, wenn sich alle Betroffenen beteiligen.

Das Diskussionspapier lesen und bestellen
Laden Sie hier das Diskussionspapier kostenlos herunter oder bestellen Sie das Papier als gedrucktes Heft.

Oder lesen Sie es einfach online:

Weitere Informationen zum Schwerpunkt Lobbyismus an Schulen.

Autor: Felix Kamella

Studierte in Bonn Politische Wissenschaft, Osteuropäische Geschichte und Slavistik. Seit Februar 2011 arbeitet er bei LobbyControl. @felixkamella

29 Kommentare

  1. Siehe zu den bis zu 10 Mio € der INSM für die Manipulation der Inhalte usw. an Schulen, Unis, Wikipedia, in sonstigen Medien usw. für die Umverteilung nach oben meine diversen Quellen mit Google unter
    [insm schulen site:rossaepfel-theorie.de]
    und http://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft

  2. Als Lehrerin, die sich zur Zeit intensiv mit dem fehlenden Altenschutz auseinandersetzt,
    wird mir immer bewusster, dass es nicht darum gehen kann, Kinder kompatibel für die Wirtschaft zu machen: „Kinder Business Workshop.“ Wichtig ist es, Menschen zu erziehen, die sich mit der Wirtschaft, die natürlich die Basis eines Landes ist, kritisch auseinanderzusetzen. Da in einigen Bundesländern die Schulen selbstständig werden – der Staat gibt die Verantwortung gerne ab – wird die Wirtschaft nicht uneigennützige als Geldgeber parat stehen. Alle Hauptaufgaben/ Verantwortungen des Staates werden abgegeben ( Ein schlimmes Beispiel ist unsere gewinnorientierte Pflegeindustrie.)

    Die Schule ist ein Bildungsort. Verantwortung, Kompetenzen: Das macht doch den mündigen kritischen Bürger aus, den die Politiker doch angeblich wollen.
    Obacht!

    Gruß
    M.Lenzen

  3. Sehr schön, wenn immerhin durch euch das brandaktuelle Thema Lobbyarbeit an Schulen aufgegriffen und etwas näher beleuchtet wird, zumal bislang weder in der Politik noch bei den Verantwortlichen ein Interesse zu bestehen scheint, an diesem Zustand irgendetwas zu verändern. Es ist deshalb vermutlich nicht weiter erstaunlich, wenn sich bereits seit Längerem zahlreiche Mitglieder unterschiedlicher Fraktionen, Ämter und Ministerien, über angeblich rein verbraucherfreundliche Aktionen von Landesmedienanstalten, Kreismedienzentren, Workshops, speziellen Veranstaltungen in Häusern der Wirtschaft und industriefreundlichen Trainings- und Fortbildungs-programmen für Eltern und Lehrer wie bspw. auch den Lernmessen im Stile Didactas Lerntecs & Co., als Befürworter und Unterstützer und somit als Förderer geschickt platzierter, strategisch vorangebrachter neuster IT Projekte der MOFU Industrie, wissentlich oder nichtwissend, um was es sich eigentlich dreht, hier vor den Karren der Hersteller und Betreiber von Tabletts, Apps und Smartphones als Rechtsgaranten und Zugpferde spannen zu lassen. Mehr zielgerichtet als verantwortungsbewusst, soll der vermutlich wohl von allen gleichzeitig erspähte, künstlich geschaffene Absatz- u. Wirtschaftsmarkt für mobile Kommunikationsmittel, angeblich unverzichtbar und von allen gewünscht, als ebenso propagiertes neues Lehrmittel der Zukunft, innerhalb der nächsten drei bis sechs Jahre, Klassenzimmer Schüler und deren Unterricht, als weitere Strahlungs- und Einnahmequelle beglücken, um möglichst rasch den gewünschte Effekt zu erhalten. Die erst vor Kurzem auf bundesweit rd. 16.9 Mio. geschätzte Gesamtschülerzahl, kommt deshalb sicherlich nicht nur als Beifang, sondern als erwünschte Hauptfangquote, ins ohnehin bereits randvoll bestückte Beutenetz der MOFU Industrie und weiterer Nutznießer. Schülerinnen und Schüler incl. betreuender Lehrer, werden somit nicht nur transparent und „ferngesteuert einsehbar“ und zensiert sein, sondern auch als zukünftige Neukunden und wochentägliche Nutzer der als elementar beworbenen neuen Schulmedien, sowohl mit Hilfe privatwirtschaftlicher als auch Landes- und Staatsbezogener Förderung und Investitionen , zum kalkulier- und kontrollierbaren festen Kundenstamm dieser Industrie gehören, die fraglos das dazugehörige Potential mit sich bringt. Eher fragwürdige, da vermutlich zweischneidige Projekte wie 101 Schulen, Kinderland Baden- Württemberg oder funky school und Co., tun ihr Übriges und entpuppen sich bei genauerer Betrachtung wohl eher als Wegbereiter dieser vielgelobten Technik, mit all den ungeahnten Möglichkeiten zur Wissensvermittlung, vorgefertigter Meinungsmache und Allgemeinbildung im Stil des großen Teiches – Facebooks Microsofts Googels und alle Schlapphüte dieser Erde sind glücklicher Weise für die, die genauer Hinsehen, zwischenzeitlich ebenfalls viel besser zu erkennen. Wäre alles legitim und richtig, was machbar und lukrativ erscheint, und dabei noch völlig harmlos, ungefährlich und zum eigenen Schutz, hätte sich z.B. auch Herr Snowden den ganzen derzeitigen Terz ganz sicher nicht angetan. So wird ihm nun, bei aller derzeit an den Tag gelegten Dummheit Unverfrorenheit und Ignoranz, hoffentlich irgendwann einmal wieder danach sein, sich vor lauter Lachen über so viel freiwillige Selbstaufgabe und Zurschaustellung, vor lauter Lachen kräftig auf die Schenkel zu klopfen, während andere sich kraftvoll enthalten. Beste Aussichten und strahlende Zukunft im ehemaligen Land der Dichter, Denker und Erfinder.

  4. Lobbyismus in Schulen. Wenn da nur Manipulation ist zugunsten wirtschaftlicher Geschäftemacherei und Lernende verdummt werden, müssten alle – Lehrkräfte wie Schulaufsicht – aufklären und diesen unheilvollen Strategien Einhalt gebieten. Aber haben sie die dazu nötige Kraft, Mut und Eigeninitiative? Ja und was ist, wenn Vertreter bestimmter Methoden landauf und landab reisen, um den Beteiligten/Betroffenen bessere Unterrichtsinhalte und -methoden nachdrücklich zu empfehlen, um nicht zu sagen, vorzuschreiben? Kann man das auch Schullobbyismus im eigenen Interesse nennen? Denn wo wird evaluiert und bestätigt, dass solche Vorgehensweisen pauschal umsetzbar sind?

  5. Grundsätzliches:
    Der Lobbyismus schreitet auch an den Universitäten stetg weiter voran.

    Das mwerke ich bei fast jedem SPD-Parteitag, bei welchen von Diskussionsrednern (nicht nur Jusos) finanz- und wirtschaftspolitische „Weisheiten“ (nach meinem Eindruck nachgeplappert) verkündet werden, die bei gezieltem Nachfragen nicht nur nicht verstanden, sondern auch nicht hinterfragt worden sind. Bei Studenten noch verständlich wegen des Arbeitsdrucks, wegen der Abhängigkeit von Dozenten bezgl. der Klausur-Ergebnisse, sollten jedoch alle sich immer wieder Fragen zu diesem Thema stellen.

  6. In den landwirtschaftlichen Berufsschulen siet die Lage gefühlt noch dramatischer aus: Bayer, BASF, Monsanto und Co. liefern die Probleme und gleich dazu ihre Lösungen dazu. Habe selbst die Ausbildung gemacht und jedes zweite Unterrichtsmaterial kam aus der Privatwirtschaft. So ist es kein Wunder, dass der Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern nicht zurückgeht. Hier besteht auch dringender Handlungsbedarf, wenn wir die Landwirtschaft nachhaltig gestalten wollen.

  7. Hinweis zur Broschüre, die als PDF-Download bereitgestellt wird: Auf Seite 10 ist in der linken Spalte von „…882.540 solcher Materialien…“ die Rede, die die Uni Augsburg in einer Studie im Jahr 2012 gezählt hat. Diese Zahl bezieht sich auf die Anzahl ALLER kostenlosen Materialien im Netz.
    Die Anzahl an Unterrichtsmaterial, das dem Lobbyismus zuzuordnen ist, ist weit kleiner. Nicht dass ich Lobbyismus an Schulen gutheißen möchte, aber die Zahlen sollten schon richtig widergegeben werden.

    • Hallo Christian Schwarzbauer,

      ja, das ist uns bewusst. „882.540 solcher Materialien“ bezieht sich auf „kostenloser und online zugänglicher Unterrichtsmaterialien“. Vielleicht haben wir das an der Stelle etwas unglücklich formuliert.

      • Herr Herr Kamella,

        ich finde es in der Tat irreführend, da es in Ihrer Broschüre ausschließlich um Lobbymaterial geht, die Zahl von 882.540 sich jedoch auf alle kostenlos downloadbaren Unterrichtsmaterialien bezieht. Das geht aus dem Text nicht hervor.

  8. BERLITZ-SPRACHSCHULEN SCHENKEN GANZEN SCHULKLASSEN SPRACHREISEN! UND DAS WIRD VON SPRACHLEHRERN ANGENOMMEN UND VON SCHULEN ABGESEGNET! DA KANN ICH NUR SAGEN: „MY (social-political) BRAIN HURTS!“ (leicht verfremdetes Zitat Monty Pythons)

  9. Dieser Artikel hatte gestern schon über 50 Kommentare. Wo sind sie geblieben?

  10. Weil sie merken, dass der Widerstand wächst und immer mehr Menschen erkennen, dass die Konzerne das Allerletzte sind, was wir wirklich brauchen, versuchen sie nun, schon bei den Kindern einen guten Eindruck zu erwecken, um sie auf Linie zu bringen. Diese Bande hat an Schulen nichts verloren. Sie wissen ganz genau, dass diese Art von Werbung für ihre meist ohnehin überteuerte Monopolistenware praktisch nichts kostet und sehr effektiv ist, können sie doch für den Preis eines sekundenlangen Radiospots viel wirksamer manipulieren und programmieren. Unser Staat, dieser Vollpfosten, der heute vom Großkapital wie ein Bulle am Nasenring durch die Arena geführt wird, sollte endlich aufwachen und diese üble Entwicklung stoppen.

  11. Da gibt/gab(?) es ein Strommobil von e-on für die 3. und 4. Klassen; perfekt gestylte Männer in schnieken Anzügen mit Aktentasche klärten über Energie auf. Jeder Schüler bekam zur Belohnung noch ein buntes Arbeitsheft zum Ausfüllen und Anmalen, eine Plastik-Brotzeitbox mit e-on Aufdruck und ein e-on Männchen als Schlüsselanhänger. „Nichts begreifend“ wurde dieses Mobil von den LehrerInnen organisiert und für ganz toll befunden.
    Warum werden von Staat nicht ausgebildete unabhängige Pädagogen für diese Aufklärungsaktion abegestellt? Deren Finanzierung könnte über höhere Steuern von e-on möglich sein, aber leider würden dann die Aktienkurse vermutlich etwas fallen.

  12. Ich finde es erbärmlich,in welcher Weise öffentlich rechtliches Fernsehen über Privatwirtschaftlich organisierte Aktivitäten berichtet. Ich hatte in keinster Weise den Eindruck, das hier Lobbyarbeit betrieben wurde. Zumal ich hier sogar die Mitbewerber an diesem Tag vertreten habe. In dieser Veranstaltung wurden Schüler informativ an das Thema Wirtschaft und Bank heran geführt.Vielen Dank dafür.
    Im heutigen Lehrplan findet das Thema Wirtschaft eher eine ungeordnete Rolle statt.
    Ich habe selten einen dermaßen schlecht recherchierten Artikel im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verfolgt. Ich habe in diesem Zusammenhang eher das Gefühl, dass das ZDF enttäuscht war, nicht so eine tolle Veranstaltung ausrichten zu dürfen.
    Frontal 21 ist in dieser Form für mich gestorben.
    Vielen Dank dem Bundesverband der deutschen Banken für die Ausrichtung einer derartigen Veranstaltung.

    • Sehr geehrter Herr Baake,
      ob Sie nun mit Ihrem Kommentar zur Sendung des ZDF auf der Seite von LobbyControl so richtig sind, sei mal dahingestellt. Dass jedoch der Wettbewerb den der Bundesverband der Banken ausgeführt hat einseitige Darstellungen des aktuellen Wirtschaftsgebahren unserer Eliten betrieb, nehme ich zweifelsfrei an.
      Ja, die Unterrichtsmaterialien welche den Lehrern der Sekundar- und Oberstufen – auch der entsprechenden Berufsschulen – sind veraltet. Die Entwicklungen – speziell im Finanzbereich – sind einfach zu schnell fortgeschritten, als dass die staatlichen Behörden ausreichend regelmäßige Aktualisierungen des Unterrichtsmaterials hätten finanzieren können (hierbei unterstelle ich jedoch auch, dass das in Deutschland hierfür zur Verfügung gestellte Budget viel zu klein ist – gegenüber anderen Haushaltsposten geradezu lächerlich). Diese Problematik jedoch sollte nicht dazu führen, dass es Wirtschaftsvertreter mit Ihren Interessen bis zu unserer Zukunft – etwas anderes sind unsere Kinder nicht – schaffen und diese einseitig beeinflussen. Ich denke schon, dass Weglassen in den Unterrichtsmaterialien, soweit ich sie bisher gesichtet habe (sogar auch noch selber im Unterricht vorgelegt bekommen habe) ein wichtiges Stilmittel zur Meinungsbeeinflussung ist, denn welcher Schüler recherchiert schon gegenteilige Meinungen, zu deren Diskurs kein Anlass gegeben wird?
      Der Beitrag von Frontal21, sowie das Diskussionspapier von LC bringen mich wieder dazu, über eine alternative Privatschule für meine Kinder nachzudenken, da es mir zu viel Arbeit erscheint, die von Interessenverbänden gesäten Meinungen in eine nachhaltig zukunftsträchtige Richtung zu biegen, damit unsere Kinder nicht mit der Fortführung des aktuellen Wirtschaftsgebahren unsere Gemeinschaft und unseren Planeten zerstören. Spätestens jetzt Ihr Kommentar, Herr Baake, der mich annehmen lässt, dass Sie eine Lehrkraft sind, die arglos die Materialien der Wirtschaft an unsere Kinder durchwinkt, bestätigt mir diese Meinung ein weiteres mal. Unsere Schulen sind darauf ausgelegt den aktuellen zerstörerischen Wirtschaftskurs auch in der Zukunft mit willfährigen Sklaven zu füttern, die ohne umfassende systemische Gedanken einfach mit ihren Scheuklappen in Richtung schöne neue Welt galoppieren. Aus meiner Sicht unverantwortlich! Ich wünsche meinen Kindern andere Lehrkräfte, auch wenn das bedeuten würde, aus meiner Heimat weg zu ziehen und außerhalb Deutschlands Homeschooling zu betreiben.
      „Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht…“ bekommt unter diesen Umständen wieder ganz neue und aktuelle Bedeutung. Wobei man ja eigentlich – um bei Heine zu bleiben – bezüglich der aktuellen Finanzmarktgeschehen eher an die Weber denken muss…

      Gruß,

      A. H.

  13. Die Omnipräsenz der Firma Microsoft an den meisten Schulen ist die gelungenste Lobbyarbeit. Lehrer werden vielfältig beschenkt und die Schüler auf die Produkte eingeschworen. Hat schon mal jemand versucht, in einer Schule eine mitgebrachte Keynote- oder Impresspräsentation abzuspielen?

    • Vorab: Ich bin für OpenSource. Ich setze Linux und viele freie Werkzeuge ein. Aber der Einsatz von MS-Office-Software an den Schulen ist nicht so eindeutig gut oder schlecht, wie Sie das darstellen.

      Es gibt inzwischen auch viele Schulen, die OpenSource (LibreOffice) einsetzen. Das benachteiligt allerdings wiederum die Schüler, die zu Hause mit Powerpoint arbeiten möchten. Denn beide Systeme sind nicht kompatibel.

      Ein Schüler, der keine Microsoft-Produkte einsetzen will, kann aus seinen Präsentationsfolien jedenfalls problemlos eine PDF-Datei erstellen (mit LibreOffice oder OpenOffice). Eine Präsentation aus Keynote kann man als Video oder PDF speichern und überall abspielen bzw. vorführen.

  14. Sorry, aber das ist eine sehr unvollständige Arbeit. Die größte Lobbyorganisation und ihre sehr professionell gemachten Materialien werden schlicht ignoriert: Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften.
    Link hier: http://schule.dgb.de/materialien
    oder
    jugend.verdi.de/community/service/ver.di_school/unterrichtsthemen/mindestlohn/data/UE_Mindestlohn_new2.pdf

    • Manche Kommentare hier scheinen wiederum von Lobbyisten zu stammen. Wäre ja auch konsequent als Teil der Manipulationsstrategie. Deshalb ist klar zu stellen: Der kritikwürdige Lobbyismus vertritt verdeckt Interessen, die zwar finanzstark sind, hinter denen aber kein nennenswerter Bevölkerungsanteil steht. Dazu gehören die Gewerkschaften in der Regel gerade nicht. Auch die Erwähnung der Lobbytätigkeit der Solar- oder Windkraftbranche, die unverzichtbar sind, um den Klimawandel zu bekämpfen, ist unseriös, wenn man nicht gleichzeitig die Milliarden erwähnt, die etwa Exxon in die völlig unwissenschaftliche Leugnung des menschengemachten Klimakatastrophe investiert.

      • Gesetzt den Fall, es gäbe für die Menschen wirklich Möglichkeiten, den Klimawandel zu bekämpfen. Dann gibt es ineffiziente und effiziente Methoden. Zwischen diesen beiden Arten muss man unterscheiden.

        Die Methoden der Solar- oder Windkraftbranche haben sich ganz offensichtlich als sehr ineffizient herausgestellt. Die Kosten sind sehr hoch, der Nutzen ist sehr gering. Die meisten Unternehmen der deutschen Solar-Industrie sind inzwischen pleite. Somit haben die Aktionäre und Gläubiger Geld verloren, Milliardensubventionen des Staates wurden in den Sand gesetzt.

        Den Strom aus Wind und Sonne kann man nicht speichern. An manchen Tagen gibt es zu viel davon. Dann muss er billig verschleudert werden. An anderen Tagen gibt es kaum Strom aus Wind und Sonne. Dann stehen die Anlagen sinnlos in der Gegend herum. Die Verbraucher sollen sogar für Strom aus nicht angeschlossenen Windparks in der Nordsee zahlen.

        Am Ende haben wir folgendes Ergebnis: Die Verbraucher müssen eine hohe EEG-Umlage bezahlen und der Nutzen für die Natur hält sich in engen Grenzen. Die EEG-Umlage ist eine Umverteilung von den ärmeren Bevölkerungsgruppen zu denen, die sich eine Solar- oder Windkraftanlage leisten können.

        Wie lautete noch mal Ihre Argumentation für die Lobbyarbeit der Solar- und Windenergiebranche an Schulen? Sie sei gerechtfertigt, weil sie gesellschaftlichen Nutzen bringt? Im Gegenteil: Kaum eine Lobby hat jemals so viel gesamtgesellschaftlichen Schaden angerichtet.

        • Dann erzähl mal, warum Solar und Windenergie ineffizient sein soll, wo doch die Strompreise dieser Erzeugungsarten unter den realen Kosten von Öl, Kohle und Atomenergie liegen?

          Zumal die konventionellen früher oder später zu ende gehen, bleibt uns nichts anderes übrig, als zu wechseln.

          Dass der Strom momentan nicht gespeichert werden kann, liegt daran, dass zum einen die Stromspeicher durch konventionell erzeugten Strom blockiert sind und bspw. Leitungen nach Norwegen noch nicht in Betrieb sind.

          „Die Verbraucher sollen sogar für Strom aus nicht angeschlossenen Windparks in der Nordsee zahlen.“
          Da wende Dich bitte an die Regierung, die durch Lobbyisteneingabe dieses überhaupt ermöglicht.

          „Am Ende haben wir folgendes Ergebnis: Die Verbraucher müssen eine hohe EEG-Umlage bezahlen und der Nutzen für die Natur hält sich in engen Grenzen.“

          Bedank Dich bei denen, die diese für den Bau von Kohlekraftwerken missbrauchen.

          „Die EEG-Umlage ist eine Umverteilung von den ärmeren Bevölkerungsgruppen zu denen, die sich eine Solar- oder Windkraftanlage leisten können.“

          Hast Du schon mal nach einer Genossenschaft geschaut, die vllt. freie Anteile hat?

          „Kaum eine Lobby hat jemals so viel gesamtgesellschaftlichen Schaden angerichtet.“

          Wo hat sie Schaden angerichtet?

    • Die Materialien sehen aber recht ausgewogen aus, bspw. werden bzgl. des Mindestlohns Pro- als auch Contra Unterrichtstexte zur Verfügung gestellt.

      Können Sie präziser sagen an welcher Stelle der DGB einseiteige Meinungsmache betreibt?

    • Als Teil der Manipulationsstrategie ist es nur konsequent, dass manche Kommentare hier von Lobbyisten stammen. Das Perfide an dieser Manipulationsstrategie ist die strategische Miteinbeziehung der Kommentarfunktion, denn die meisten Kommentare sind den Zielen irgendwelcher Lobbyisten förderlich – kostenlos, aber unfreiwillig. Zerlegen wir beispielsweise den Plot von Udo Sürer (um anschliessend meinen eigenen zu zerlegen). Darin kolportiert er folgende Botschaften:

      1. Es gibt Lobbyismus, der nicht kritisiert werden darf.
      2. Sofern ein nennenswerter Bevölkerungsanteil dahinter steht, darf Lobbyismus verdeckt Interessen vertreten.
      3. Gewerkschaften dürfen verdeckt Interessen vertreten, weil ein nennenswerter Bevölkerungsanteil dahinter steht.
      4. Der Klimawandel muss bekämpft werden.
      5. Die Lobbytätigkeit der Solar- oder Windkraftbranche ist unverzichtbar um den Klimawandel zu bekämpfen.
      6. Die Erwähnung einer Lobbytätigkeit kann unter bestimmten Umständen unseriös sein.
      7. Es gibt eine Klimakatastrophe.
      8. Exxon investiert Milliarden in die Leugnung der Klimakatastrophe.
      9. Die Leugnung der Klimakatastrophe ist UNwissenschaftlich.
      10. Das Bekenntnis zur Klimakatastrophe ist wissenschaftlich.
      11. Die Klimakatastrophe ist menschengemacht.

      …aber vielleicht werde ich von Exxon bezahlt und ärgere mich lediglich über Punkt 8. … :-)))

      ( Offtopic-Modus ON: Hier ein Link für diejenigen unter uns, die keine Diskussion über die globale Erwärmung erlauben, denn darüber sei sich die Wissenschaft angeblich einig: http://tinyurl.com/bmmvhgj )

    • Danke für den Link!
      Da gibt es auch die Broschüre „Wirtschaft in der Schule“ die sich kritisch mit der Ökonomisierung der Bildung auseinandersetzt, u.a. auch mit Broschüren der INSM. Empfehlenswert!

      http://schule.dgb.de/materialien/++co++72a0fb66-199e-11e0-676c-00188b4dc422

    • Kein Wunder, dass Sie das erwähnen Herr Pinger, sitzen Sie doch genau am anderen Ende des Tisches. Der DGB und seine Unterorganisationen vetreten die Arbeitnehmerinteressen und arbeiten somit, dass sollte man zumindest annehmen, für die Masse der Menschen und nicht gegen sie. Somit wird sich der Fokus von LobbyControl nicht auf dessen Handeln legen, sondern vielmehr auf Ihres und Ihren Verband.

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