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Auch Bauernverband plante verdeckte Meinungsmache

Nicht nur die Deutsche Bahn hat versucht, handfeste wirtschaftliche Interessen getarnt als individuelle Meinung von Bürgerinnen und Bürgern in den Medien oder dem Internet zu platzieren und damit die öffentliche Meinungsbildung zu steuern. Der Neuen Osnabrücker Zeitung liegt ein Dokument vor, das zeigt: Der Deutsche Bauernverband hat offenbar internetaffine Mitglieder dazu aufgefordert, sich aktiv in Internet-Foren zugunsten des Bauernverbandes zu beteiligen.

Während DBV-Generalsekretär Helmut Born erklärt, der Verein habe seine Mitglieder lediglich aufgefordert, “sich engagiert in diese Internet-Debatte einzubringen (…)”, scheint das, was der Neuen Osnabrücker Zeitung vorliegt – eine interne Email – doch eine andere Sprache zu sprechen: Wie eine Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in dieser Email erklärt, sei es Ziel der “Internet Task-Force”, “Diskussionen und Meinungsbildung gegen den Bauernverband frühzeitig zu entdecken, aktiv einzugreifen oder selbst auch Themen positiv zu besetzen”.

Anders als bei der Bahn sind hier zwar keine Gelder geflossen und keine Agenturen zwischengeschaltet worden. Es ist aber dennoch hoch problematisch, wenn sich in agrarischen Internetplattformen sowie in den Diskussionsforen der Tageszeitungen Mitglieder als Privatpersonen äußern und nicht mehr erkennbar ist, dass dahinter ein Verband steckt, der seine Mitglieder zu diesen Äußerungen animiert hat. Die Parallelen der verdeckten Meinungsäußerung liegen auf der Hand.

Den ganzen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung mit Statements von Heidi Klein lesen…

Nina Katzemich

Autor: Nina Katzemich

Geboren 1975, arbeitet seit Mai 2009 bei LobbyControl insbesondere zum Lobbyismus in Brüssel.

5 Kommentare

  1. Ich denke auch, hier muss genau geprüft werden, mit welcher Taktik sich der Bauernverband zu dieser Meinungsoffensive aufgestellt hat. Ich bin auch eher geneigt, misstrauisch zu werden, wenn ein Verband solch einen Aufruf startet. Allerdings muss man auch konstatieren, dass es weder verboten noch sonst wie verwerflich ist, wenn eine Interessensgruppe seine Mitglieder animiert nach dem Motto “Tue gutes und rede darüber”. Wenn die Einflussnahme allerdings tiefgreifender ist (gezielt Meinungen zu beinflussen und virales Marketing zu praktizieren), finde ich es richtig, hier genauer hinzuschauen und dies öffentlich anzuprangern.

  2. Nun wenn ich davon ausgehe das eine Empfehlung auf eine kritische Stimme einzuwirken keine Verdeckte Einflussnahme gleichkommt Hat entweder etwas von Bauernschläue als Aufforderung an die Dummheit der unkritischen Leserschaft oder ist selbst Ferngesteuert ohne Kenntnis von Unterscheidung im Rechtsverständnis. Oder die Ansicht vertretend aus freien Stücken von mir selber kommt eh nix, wenn es keiner von Oben herab verkündet. Das grenzt ja schon an Naivität mit dem Hang zu Mittäterschaft.

  3. Leider findet sich kein Artikel mehr auf der Seite der Osnabrücker Zeitung.

  4. Aus meiner Sicht ist der Vorwurf der verdeckten Einflussnahme etwas an den Haaren herbei gezogen. Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass Verbandsmitglieder dieselben oder ähnliche Meinungen vertreten wie ihre Organisation. Ob sie diese Auffassung nun selbständig vertreten oder dazu ermuntert werden, spielt wohl kaum eine Rolle. Schließlich gab der Bauernverband ja noch nicht einmal eine bestimmte Meinung vor, oder?

  5. Sehr geehrte Damen und Herren von LobbyControl,
    verschärfend kommt noch hinzu, daß die landwirtschaftlichen Fachmedien im Printbereich zu 90%, sowie deren Internetplattformen mehrheitlich auch vom Deutschen Bauernverband kontrolliert werden. Weitere Infos gerne per Mail. Allein dadurch ist die Meinungsbildung der zu erreichenden Zielgruppe schon derart eingeschränkt, da kritische Betrachtungen (redaktionelle Beiträge, Leserzuschriften, usw.) gegenüber dem Bauernverband überhaupt nicht in „seinen eigenen“ Medien stattfindet, bzw. stark kontrolliert und sogar aktiv zensiert wird. Um jetzt die letzte Bastion, die freie Meinungsäußerung der Bauern und Bäuerinnen in Internetforen ebenfalls zu manipulieren, werden jetzt abhängige Hauptamtliche und linientreue Ehrenamtliche des Bauernverbandes in der oben genannten „Task Force“ eingesetzt um dieses Loch der Meinungsbildung auch noch zu stopfen. Es ist äußerst abstoßend wie hier ein Berufsverband mit seinem eigentlich zu vertretenen Klientel umgeht. Die treuen und ehrlichen Bauern sind dabei wieder einmal die Verlierer, wenn das gesamte Ansehen der Branche nun unter dieser Peinlichkeit leiden muß.