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PR-Kampagne von Glos in der Kritik

Der Kölner Stadt-Anzeiger meldete am Wochenende, dass eine für das Bundeswirtschaftsministerium arbeitende PR-Agentur Tageszeitungen öffentliche politische Veranstaltungen und Redaktionsbesuche durch einen Staatssekretär angeboten und dafür „Gegenfinanzierungen“ durch „Anzeigen“ in Aussicht gestellt habe.

Wirtschaftsminister Glos distanzierte sich von dem Vorgehen der Agentur. Die umstrittene PR-Kampagne wurde vorerst ausgesetzt und die betreuende Agentur abgezogen. Jan Flaskamp, Mit-Inhaber der Agentur, räumte Fehler ein. Laut Spiegel-Online wirft auch die Berliner Industrie- und Handelskammer der Agentur vor, ähnliche Methoden für Veranstaltungen in Berlin geplant zu haben. PolitikerInnen von SPD, Grüne und FDP sowie der Deutsche Journalisten-Verband übten scharfe Kritik an dem Vorgang und forderten eine schnellstmögliche Aufklärung.

Die taz sieht den eigentlichen Skandal hinter dem Skandal: es werde geflissentlich darüber hinweggesehen, dass der Einfluss der PR Agenturen auf die Medien stetig wächst und derlei Koppelungen von Anzeige und positiver Berichterstattung branchenüblich sei. Da die Verbraucher die Flut an Werbung satt hätten, würde der Weg über Product- und Themen-Placement gesucht. Auch die Nachdenkseiten weisen darauf hin, dass die Verquickung von PR und redaktionellen Inhalten weit verbreitet ist. Außerdem verweisen sie nicht zu Unrecht darauf hin, dass Rainer Wend von der SPD jetzt Glos kritisiert, aber früher selbst im Aufsichtsrat der umstrittenen PR-Agentur WMP saß.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli