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Rund um den G8-Gipfel

Noch ein paar Notizen abseits der Vorgänge rund um und hinter dem Sicherheitszaun in Heiligendamm:
1) Geldof hilft der Bundesregierung
2) Bespaßung der Medien in Heiligendamm
3) Nochmal Bilderberg

1) Geldof hilft der Bundesregierung
Die Süddeutsche Zeitung liefert interessante Informationen zur Kommunikationsstrategie der Bundesregierung vor G8 und zitiert aus einem vertraulichen Protokoll eines Treffens zwischen Bob Geldof und der Bundesregierung:

„Für den Gipfel will die Bundeskanzlerin ankündigen, dass Deutschland 750 Millionen Euro zusätzlich 2008 in den Haushalt einstellt. Bob Geldorf [sic] habe ihr versichert, dass bei einem solchen Schritt er persönlich auf Kritiker wie Herbert Grönemeyer Einfluss nehmen werde, um deren Kritik zu mäßigen.“

Das Klimathema sei gegenüber der Öffentlichkeit besser kommunizierbar als weltwirtschaftliche Fragen. Allerdings sollten die Erwartungen deutlich heruntergefahren werden, damit der Gipfel öffentlich nicht als gescheitert angesehen werde, wenn es keine überzeugenden Ergebnisse im Klimabereich gebe.

Grönemeyer erklärte den Vorgang selbst als ungeheuerlich: „Selbst, wenn es um eine gute Sache geht, zeigt es, mit welchen Mitteln Politiker arbeiten, um Kritiker ruhigzustellen […] Bisher hat noch niemand versucht, mich einzunorden und sollte es auch nicht wagen. Denn unsere Kritik braucht nicht gemäßigt zu werden, weil sie nicht maßlos ist, sondern völlig berechtigt.“ (Quelle: taz). Die FAZ berichtet, dass sich Grönemeyer entgegen eigenen Aussagen sehr wohl mit Politikern treffe, z.B. am Rande des G8-Gipfels 2004 im schottischen Gleneagles heimlich mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Neben diesen Einblicken in das Zusammenspiel von Popstars und Politik ist die Verkündigung der 750 Millionen Euro zusätzlicher Entwicklungshilfe auch inhaltlich interessant. Nach Berechnungen von Globalisierungskritikern sowie einer Projektion der EU-Kommission ist diese Aufstockung nämlich nicht ausreichend, um die beim G8-Gipfel 2005 in Gleneagles gemachten Zielsetzungen für die Entwicklungshilfe zu erreichen. Auch die Weltbank kritisiert die fehlende Umsetzung der Gleneagles-„Ergebnisse“. Das heißt, dass die jetzt groß verkündete vermeintliche Wohltat in Wirklichkeit hinter den gemachten Zusagen zurückbleibt. Aber wen stört das schon, wenn man auf die Hilfe von „Bild“ und Bob Geldof zählen kann.

> Zu dem ganzen Spektakel der Pop-Politik rund um den G8-Gipfel lohnt sich auch ein Blick auf
www.deine-stimme-zaehlt-eh-nicht.de.

2) Bespaßung der Medien in Heiligendamm
Zu dem Thema G8 und PR noch eine kleine Anekdote von einer Lobbyismus-Tagung im Januar. Dort erzählte Wolf-Dieter Zumpfort, der Lobbyist der TUI, dass die Bundesregierung vor dem G8-Gipfel Unternehmen aus der Tourismusbranche (z.B. ihn als TUI-Vertreter) gefragt habe, wie denn die Journalistinnen und Journalisten in Heiligendamm unterhalten werden könnten. Denn diese würden ja in großer Zahl nach Heiligendamm reisen, aber nur zweimal zu dem eigentlichen Gipfel zugelassen. Na, dann viel Spaß.

3) Nochmal Bilderberg
Nochmal ein kleiner Nachtrag zu unserem Beitrag über das Bilderberg-Elitentreffen vor dem offiziellen G8-Gipfeltreffen. Wie erwartet gab es bislang keine Berichte in deutschen Mainstream-Medien. Der österreichische Standard hat immerhin einen Text der Austria Presse Agentur in der Online-Version veröffentlicht. Der Artikel ist nicht besonders kritisch, aber immerhin erfahren die Leser überhaupt von dem Treffen. Lustig ist das Ende des Artikels: „Traditionell gibt es keine Medienteilnahme [an Bilderberg-Treffen]“. Dabei steht wenige Zeilen davor, dass der „Herausgeber der Tageszeitung ‚Der Standard‘, Oscar Bronner,“ bei dem Bilderberg-Treffen dabei war. Immerhin hat Der Standard den Bericht veröffentlicht.

Warten wir mal die morgige Ausgabe der „Zeit“ ab… aber die Wahrscheinlichkeit eines Berichts dürfte gering sein. Josef Joffe, Mit-Herausgeber der Zeit, hat sein Plädoyer für die Abschaffung der G8-Gipfel ja unter anderem mit der fehlenden Vertraulichkeit des Gipfels begründet. Da wird er kaum die Geheimniskrämerei rund um die Bilderberg-Treffen ankratzen. In den Kommentaren zu Joffes Artikel wurde übrigens ein Kommentar, der sich auf das Bilderberg-Treffen bezog, gelöscht. Wobei man zugestehen muss, dass der Kommentar einen verschwörungstheoretischen Einschlag hatte (mit Tendenz ins Antisemitische). Verschwörungstheorien sind leider häufig ein gutes Schutzschild gegenüber einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Machtstrukturen.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli