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Unveröffentlichte und Industrie-finanzierte Studie lässt EU-Behörde Grenzwerte für Chemikalie Bisphenol A lockern

153 öffentlich finanzierte Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Chemikalie Bisphenol A, kurz BPA, negative Effekte auf den menschlichen Körper hat. BPA ist Ausgangsstoff für den Kunststoff Polycarbonat, aus dem u.a. Lebensmittelverpackungen und Haushaltswaren wie Babyfläschchen hergestellt werden. Die Mehrheit der Studien kam zu dem Ergebnis, dass die Chemikalie wie ein Hormon wirkt. Schon in kleinsten Mengen kann sie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, das Erbgut und die Gehirnfunktion schädigen.

Dennoch erhöhte die europäische Lebensmittelbehoerde EFSA Anfang diesen Jahres die gesetzlichen Grenzwerte von täglich 10 Mikrogramm auf 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Noch viel erstaunlicher jedoch ist, dass die Studie, auf deren Aussagen sich die EFSA beruft, noch immer nicht veröffentlicht worden ist; der EFSA lag nur ein Entwurf vor. Das Team um die Biologin Rochelle Tyl hatte am amerikanischen Research Triangle Institute in North Carolina untersucht, wie BPA auf Mäuse wirkt. Über zwei Generationen hätten sich keine negativen Effekte gezeigt. Diese Beurteilung reichte der EFSA aus, um den Grenzwert für BPA heraufzusetzen. Durch Nachforschungen der Süddeutschen Zeitung kam ans Licht, dass die Studie vom American Plastic Council finanziert wurde – ein Interessenverband der US-Kunststoffindustrie. Und auch die Bunderegierung übernimmt die Bewertung der EU-Behörde und „sieht keinen zwingenden Grund zu handeln“.

Doch warum wird BPA nicht verboten oder mit einem niedrigeren Grenzwert versehen? Die Wirtschaftslobby der Plastikindustrie scheint zu stark zu sein und einen großen Einfluss auf die Politik zu haben. In den USA werden jährlich über eine Million Tonnen BPA produziert, in Europa rund 700.000 Tonnen. Die größten Produzenten sind Bayer, Dow Chemicals und GE Plastics. Der Bayer Konzern hat gerade neue BPA-Fabriken in Thailand und China eröffnet, die natürlich genutzt werden sollen. Um zu verhindern, dass die Politik BPA verbietet oder die Verwendung einschränkt, betreibt der Konzern erfolgreich Lobbyarbeit. Dazu Philipp Mimkes vom Beirat der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. bereits 2005: „Seit Jahrzehnten ist die hormonelle Wirkung von Bisphenol A bekannt – trotzdem verharmlost der größte deutsche Hersteller, der Leverkusener Bayer-Konzern, beharrlich die Risiken und verhindert durch politische Einflussnahme ein Verbot risikoreicher Anwendungen.“ Der Verein fordert deshalb ein Verbot von BPA für alle Produkte, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Bei den politischen Entscheidungsträgern stößt er auf taube Ohren, diese lauschen -und folgen- lieber den Forderungen der mächtigen (Plastik-)industrie.

Heidi Bank

Autor: Heidi Bank

Politikwissenschaftlerin, Jahrgang 1978, hat in Bremen und Lille (Frankreich) Politikwissenschaft und Ökonomie studiert. Seit Herbst 2007 ist sie gemeinsam mit Ulrich Müller hauptamtlich als geschäftsführender Vorstand tätig.

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