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Sabine Christiansen – Schaubühne der Einflussreichen und Meinungsmacher

LobbyControl hat heute eine Studie „Schaubühne für die Einflussreichen und Meinungsmacher – Der neoliberal geprägte Reformdiskurs bei ‚Sabine Christiansen’“ “ zur Einladepolitik der Talkshow „Sabine Christiansen“ vorgestellt. Sie liefert eine umfangreiche Analyse der Zusammensetzung der Gäste und Themen der Sendungen von Januar 2005 bis Juni 2006.

Die Kurzfassung der Studie (pdf) ist frei verfügbar.

Die komplette Studie können Sie für 5 Euro plus Versandkosten bestellen.

„In der Talkshow kommen verschiedene Stimmen zu Wort und es wird munter gestritten – aber wenn man alle Gäste über diesen Zeitraum auswertet, bleibt ein klares Ungleichgewicht: ein Übergewicht der Unternehmer und Wirtschaftsverbände gegenüber den Gewerkschaften sowie der Marktliberalen und Sozialstaatskritiker gegenüber Befürwortern des Sozialstaats“, kritisiert Ulrich Müller. Unternehmer und Wirtschaftsverbände kommen zusammen auf 50 Auftritte, Gewerkschaften nur auf 16. Weite Teile der Gesellschaft – etwa Bürgerinitiativen oder Verbraucherorganisationen – tauchten gar nicht auf der offiziellen Gästeliste auf.

„Christiansen spielt die Stichwortgeberin für einen neoliberal geprägten Reformdiskurs“, ergänzt Heidi Klein. Insbesondere bei Sendungen zu wirtschaftlichen oder sozialstaatlichen Reformen kämen marktliberale Wissenschaftler deutlich häufiger zu Wort als ihre Kollegen mit alternativen Standpunkten. „Von den zehn Wissenschaftlern, die um ihre Expertenmeinung gefragt werden, stehen sieben in direktem Zusammenhang mit marktliberalen Organisationen oder Denkfabriken“, erläutert Klein.

Neben der Unausgewogenheit des Gäste- und Themenspektrums bemängelt LobbyControl die fehlende Transparenz über die Hintergründe der Gäste. Verbindungen einzelner Gäste zu Denkfabriken und Kampagnen wie der Stiftung Marktwirtschaft, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder Unternehmen z.B. aus der Versicherungsbranche würden nicht genannt. „Damit werden den Zuschauern wichtige Informationen vorenthalten, mit denen sie sich ein eigenes Bild von den vertretenen Positionen machen könnten“, kritisiert Ulrich Müller. Nur der einzige Ökonom mit wirklich abweichender Meinung, Rudolf Hickel, wird von vornherein als „linker Ökonom“ ideologisch verortet.

Die Studie zeigt den Bedarf für eine konzeptionelle Neuausrichtung der Sendung. „In der jetzigen Form genügt die Sendung nicht dem öffentlich-rechtlichen Bildungs- und Informationsauftrag“, so Müller. „ARD und NDR müssen jetzt die Weichen für eine konzeptionelle Neuausrichtung der Sendung nach Christiansens angekündigtem Abgang Mitte 2007 stellen.“ LobbyControl fordert, die Verzerrung des Themenspektrums und der eingeladenen Gäste sowie die Intransparenz der Interessenverflechtungen der Gäste zu beenden.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli