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Schleichwerbung auch in SAT1

berichtet die Süddeutsche Zeitung. Danach haben sich Pharma-, Versicherungs- und Finanzkonzerne mehrfach in das Frühstücks- und Vorabendfernsehen eingekauft. Die zuständige Landesmedienanstalt in Ludwigshafen hat ein Verfahren eingeleitet, die Pro Sieben SAT 1 Media AG will nun alle eigenen TV-Kanäle (Pro Sieben, Kabel 1, N24) auf Schleichwerbung überprüfen lassen.

Leider nicht online steht ein Artikel über die gegensätzlichen Positionen von Jürgen Doetz, langjähriger SAT 1-Geschäftsführer und nun Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT), und Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer AG. Doetz hat zugegeben, von der Schleichwerbung bei SAT 1 gewusst zu haben. Er möchte, dass im Rahmen der Revision der EU-Fernsehrichtlinie Product Placement erlaubt wird. Döpfner wendet sich gegen die Freigabe von Product Placement, weil er Spill-Over-Effekte in den Printbereich fürchtet (siehe den taz-Bericht zum Jahreskongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, 28.9.). Springer hat für seine Blätter im August 2003 „Leitlinien zur Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit“ erlassen, die eine klare Trennung von Redaktion und Anzeigen vorsehen (Die Rubrik Kommerzielles des BildBlogs zeigt allerdings, dass es in Praxis schon mal anders zugeht…). Zwei Fragen sind dabei interessant: wird sich die VPRT-Position zu Product Placement durch die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch Springer ändern? Und: wird Springer genauso kritisch über die Schleichwerbung bei Sat 1 berichten wie über den Schleichwerbe-Skandal bei der ARD? Zumindest bei Bild.de findet sich heute noch kein Artikel zum Sat1-Fall… Korrektur: Bild.de berichtet doch über den Sat.1-Fall und zwar hier (sorry, man sollte sich nicht auf die bild.de-Suchmaschine verlassen).

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse. @mueller_uli