Aktiv für Transparenz
und Demokratie.

Journalistin wegen Lidl-Kritik gefeuert

Die taz berichtet, dass einer Journalistin der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) gekündigt wurde, nachdem sie kritisch über Lidl berichtet hatte. Sie war von Lidl ins Zentrallager Bietigheim (Baden-Württemberg) eingeladen worden und hatte in der BNN über die Arbeitsbedingungen und die hohe Fluktuation unter den Mitarbeitern berichtet. Dabei habe sie den in Bietigheim bestehenden Betriebsrat zitiert („Bei uns ist das nicht so schlimm“), aber auch das „Schwarzbuch Lidl“ von Ver.di. Lidl habe dann die Geschäftsführung der BNN einbestellt und mit dem Hinweis auf die Anzeigenwerbung Druck gemacht. Offiziell gekündigt wurde der Journalistin, weil sie gegen die vom Verleger vorgegebene Blattlinie verstoßen habe. Die taz findet das absurd, denn BNN hatte bereits früher über das „Schwarzbuch Lidl“ berichtet. Ein weiteres Beispiel für die Sammlung, wie Unternehmen mit kritischen Berichten umgehen und wie sie Druck machen, über Anzeigen oder in anderen Fällen über juristische Mittel.

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse.

7 Kommentare

  1. Avatar

    LIDL hat doch schon einmal ähnlich auf kritische Berichterstattung reagiert. Der Trend geht hin zur Regionalzeitung, die kann man wohl eher Beeinflussen durch angerohten Geldentzug.

  2. Avatar

    Die BNN hat, von mir per E-mail auf die hier und in der taz angeprangerte Entlassung der Redakteurin angesprochen, mit Datum vom 04.10.2005 nachfolgende Stellungnahme übersandt:

    Sehr geehrter Herr Schöfer,

    bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu einem arbeitsrechtlichen Vorgang in unserem Hause nicht äußern können. Sehr wohl können wir aber sagen, dass die Darstellungen des Vorgangs, wie sie ein Karlsruher Sender und die Berliner TAZ verbreitet hat, in wesentlichen Aspekten verzerrt sind – und in anderen sogar komplett nicht der Wahrheit entsprechen.
    Wir haben Verständnis dafür, dass Sie nach dieser Berichterstattung in Sorge versetzt sind. Wir nehmen Ihr Schreiben auch sehr ernst. Wir können Ihnen aber versichern: Wir sind eine freie Zeitung, sind überparteilich und in der Berichterstattungslinie von keinem Unternehmen – auch nicht von einem Anzeigenkunden – abhängig. Genauso ist es undenkbar, dass eine Firma auf unsere personellen Entscheidungen Einfluss nehmen oder uns in anderer Hinsicht unter Druck setzen kann.
    Die Kontroverse über die besagte Discounterkette haben wir übrigens in der Vergangenheit immer wieder beleuchtet und werden dies auch in Zukunft tun.

    Mit freundlichen Grüßen
    gez.
    Klaus Michael Baur
    Herausgeber und Chefredakteur

  3. Avatar

    Eine ganze Reihe von Medienunternehmen dienen als Multiplikatoren politischer Meinungsmacher. Die Funktion solcher Sprachrohre wird dabei oft durch den persönlichen Kontakt verschiedener Teile unserer Gesellschaft sichergestellt. ( um’s mal zu umschreiben)

    Vielleicht nicht als Beispiel hierfür aber dennoch ganz interessant ist z. B. ein Blick in die Mitgliederlisten und Statuten von Medienclubs. Das kann schon mal Bände sprechen. (z.B. Bonner Medienclub ;)

  4. Avatar

    Das ist ja eine kleine Regionalzeitung – Lidl dürfte in den Regionalausgaben durchaus ein sehr wichtiger Werbekunde sein, der z.B. ganzseitige Anzeigen schalten und das in steter Regelmäßigkeit, ausserdem fallen bei unserem Regionalen Blatt auch öfters mal Beilagen von LIDL und co. heraus. Das ist sicherlich nicht billig. Lidl dürfte damit schon ein grosser Werbekunde der Zeitung sein. Die Reaktion sowohl von Lidl als auch (besonders!) der BNN ist unglaublich.
    ihr seid deutschland ;-)

  5. Avatar

    „einbestellt“ klingt aber sehr danach als wäre da jemandem keine Wahl geblieben. Klingt etwa wie „vor den Chef zitiert werden“.
    Was heisst das nun? Das Lidl anruft und direkt droht „ihr kommt sofort her oder wir werben nicht mehr bei euch“? Und soll ich wirklich glauben das die Zeitung dann ruiniert wäre? Steht in der „Blattline“ etwa „wir berichten nicht negativ über anzeigenkunden?
    Und sollte Journalismus nicht eigentlich unbeieinflussbar, unparteiisch und wahrheitsgemäss sowie objektiv sein?

    Alles Makulatur! Solange es einfacher ist mit finanziellem Liebesentzug zu drohen als die Missstände im eigenen Unternehmen zu korrigieren wird sich an der Ohnmacht des einzelnen gegenüber den Großen nichts ändern. Das ist meine Ansicht dazu.

  6. U. Müller

    Stimmt – Lidl hat natürlich die Geschäfstführung der Badischen Neuesten Nachrichten einbestellt. Sorry. Der Fehler ist jetzt korrigiert.

  7. Avatar

    Lidl hat die Geschäftsführung von Lidl einbestellt? Irgendwas ist da schiefgelaufen.