Aktiv für Transparenz
und Demokratie.

Umfragen leicht gemacht, Teil 2

Ergänzend zu dem Beitrag über die letzte Reform-Umfrage der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein weiterer Hinweis darauf, wie man Umfragen so gestaltet, dass sie das gewünschte Ergebnis liefern. Wolfgang Lieb kritisiert auf den Nachdenkseiten eine Umfrage des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE, 75% von der Bertelsmann-Stiftung finanziert) zum Vergleich von privaten und öffentlichen Hochschulen. Die Umfrage sieht so aus:

„Privaten Hochschulen wird nachgesagt, dass sie besser ausbilden: effektiver, praxisnäher, erfolgreicher für den Arbeitsmarkt. Was meinen Sie?

o Das trifft zu.
o Das trifft nicht zu, staatliche Hochschule sind dazu ebenso in der Lage.
o Das geht vorbei, die staatlichen Hochschulen holen auf.“

Die Umfrage setzt voraus, dass Privatunis besser seien, und erlaubt als Antwort höchstens den Gleichstand für staatliche Universitäten. Oder wie Wolfgang Lieb schreibt: „Wie stimmt eigentlich derjenige ab, der entgegen der „Nachsage“ der Meinung ist, dass private Hochschulen eben gerade nicht besser sind und vielfach mit ihrem kleinen Fächerspektrum kaum den Namen „Hochschule“ verdienen“?

Ulrich Müller

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse.

4 Kommentare

  1. Avatar

    Neuem gegenüber sollte Aufgeschlossenheit praktiziert werden. Allerdings alles was neu ist (z.B. private universitäten)
    muß deshalb mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet werden. Fehlentwicklungen können so ausgemerzt werden. Die UNI Herdecke hat zunächst einmal in der Medizinerausbildung große Schwächen gezeigt. Und wer kann zu den verlangten hohen Gebühren dort wohl nur studieren? Arbeiterinder bestenfalls im Ausnahmefall! Oder?
    Deshalb sind öffentliche Universitäten für Studentenunverzichtbar und bleiben die bessere Alternative. Meinungsumfragen sind immer abhänig von der Fragestellung. So kann man gegenüber der Umfragetechnik des ZDF (Politikbarometer) durchaus 3 Fragezeichen setzen.

  2. Ulrich Müller

    Den Verweis auf unterschiedliche Bewertungskriterien finde ich sinnvoll. Allerdings reicht es nicht zu sagen, dass die Umfrage sich nur auf die Anbindung auf den Arbeitsmarkt bezog und deswegen ok ist. Meine Kritik orientiert sich an der verzerrenden Struktur der Umfrage:

    1) Sie baut auf einer bestimmten These auf (eingeführt durch ein „wird nachgesagt“ ohne Beleg).
    2) Die Antwort-Optionen sind so formuliert, dass eine Ablehnung der Grundthese nicht möglich ist. Man kann nicht antworten, dass man öffentliche Hochschulen besser findet.

    Eine seriöse Umfrage müsste diese Option bieten. Ansonsten dient sie nur dazu, die gewünschten Antworten auf die eigene These zu liefern – und zwar unabhängig vom Kontext. Das ist die Kritik, die in dem Beitrag formuliert ist – mit einem Verweis auf die Nachdenkseiten. Das diese eine eigene politische Position vertreten, ist mir klar. Aber die Kritik an der CHE-Umfrage ist aus meiner Sicht berechtigt.

  3. Avatar

    Obwohl es richtig ist, sich bei Umfragen genau anzuschauen, wer sie in Auftrag gegeben hat und ob es dabei vielleicht einen Interessenkonflikt geben kann, stimmt der Umkehrschluß nicht zwangsläufig: Dass wer kritisch gegenüber Umfragen ist automatisch recht hat.

    Die „Nachdenkseiten“ werden von Albrecht Müller herausgegeben, und wer sein Buch „Die Reformlüge“ (dass auf der Seite denn auch gleich empfohlen wird) gelesen hat, wird schnell auffallen, dass Albrecht Müller genau so neutral ist wie das CHE.

    Natürlich hat das CHE eine Agenda, die hat aber auch Albrecht Müller, und ehrlich gesagt finde ich die Formulierung der Frage auch gar nicht schlimm. Es kommt bei Umfragen eben immer auf den Kontext an, und der scheint in diesem Fall die Anbindung an den Arbeitsmarkt zu sein. Die Aussage „Privaten Hochschulen wird nachgesagt, dass sie besser ausbilden: effektiver, praxisnäher, erfolgreicher für den Arbeitsmarkt. Was meinen Sie?“ kann deswegen auch kaum mit dem Argument „Wie kann man privaten Hochschulen, die bisher in Deutschland kaum durch wissenschaftliche Leistungen hervorgetreten sind, eigentlich nachsagen, dass sie besser, und das heißt doch wohl bitte immer auch noch „wissenschaftlicher“ ausbilden?“ gekontert werden.

    Denn das würde bedeuten, dass die Autoren vorraussetzen, dass es nicht auch beides geben kann, öffentliche Hochschulen mit einer exzellenten Grundlagenforschung, Sonderforschungsbereichen der DFG und der EU, Konferenzen etc. und private Hochschulen, die ihre Nische eben in der Ausbildung für einen nichtwissenschaftlichen (im klassischen Sinne) Arbeitsmarkt suchen. Und es sind immerhin zahlenmäßig die meisten Absolventen, die nach ihrem Abschluss in der Wirtschaft arbeiten, nicht in der Wissenschaft!

    Also: Kritischer mit den Kritikern sein!

  4. Avatar

    »Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing.« – Diesem Grundsatz entsprechend wurde auch die oben genannte Umfrage gestaltet.

    Die NachDenkSeiten lese ich gelegentlich. Eine sehr gute Nachrichtenquelle.

    Auf der Hauptseite ihres LobbyControl-Blogs können Sie auch einen Banner auf die NachDenkSeiten einfügen. Näheres dazu unter diesem Link.