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Intransparente Finanzierung der europäischen Klimaskeptiker

Unsere europäische Partnerorganisation Corporate Europe Observatory hat heute einen Bericht über sogenannte „klimaskeptische“ Denkfabriken in Europa und deren intransparente Finanzierung veröffentlicht. Der Bericht untersucht acht europäische Denkfabriken, die Publikationen veröffentlichen oder verbreiten, die in verschiedener Form den menschengemachten Klimawandel in Frage stellen: das Institute of Economic Affairs (IEA), das International Policy Network (IPN) und die Global Warming Policy Foundation (GWPF) aus Großbritannien, CFACT Europe mit Sitz in Deutschland, das spanische Institut Instituto Juan de Mariana, die dänische Organisation CEPOS, das französische Institut Économique Molinari und das Hayek Institut aus Österreich. CEO betont, dass dies keine umfassende Liste aller „klimaskeptischer“ Organisationen in Europa ist, sondern nur ein Auszug.

Keine dieser Denkfabriken hat sich in das freiwillige EU-Lobbyregister eingetragen. Auf Anfragen von CEO gaben sie kaum Auskunft über ihre Finanzierung. So zitiert die Studie etwa ein Telefonat mit Holger Thuss von CFACT Europe, zugleich Präsident des Europäischen Instituts für Klima und Energie: „Why would I tell you about my money? CFACT is my property.“ Leider geht die Studie nicht intensiver auf die Verflechtungen von EIKE und CFACT Europe ein und lässt das Berlin Manhattan Institut (ehemals Institut für unternehmerische Freiheit) außen vor, das mit EIKE zusammen jüngst eine Klima(skeptiker)konferenz in Berlin organisierte. Zu dem politischen Wirken der Klimaskeptiker in Deutschland lohnen sich ergänzend drei Berichte in der Financial Times Deutschland, auf Spiegel Online und Telepolis.

Auch Unternehmen nur teilweise auskunftsbereit
CEO fragte umgekehrt auch bei einigen Unternehmen an, ob sie die klimaskeptischen Denkfabriken unterstützen. Gefragt wurden die acht größten CO2-Emittenten in der EU (ArcelorMittal, BASF, Bayer, BP, E.ON, GDF Suez, Lafarge und Solvay) sowie drei weitere Ölkonzerne (Repsol, Shell and Total). Nur BP räumte ein, eine der acht Denkfabriken finanziell zu unterstützen, nämlich das Institute for Economic Affairs (IEA).

Shell und der Stahlriese Arcelor Mittal verweigerten jegliche Information. Die spanische Ölfirma Repsol und GDF Suez antworteten nicht. Total, Lafarge, E.ON, Solvay und BASF sagten, dass sie keine der acht Denkfabriken unterstützen, aber in anderen Lobbygruppen zum Thema Klimawandel Mitglied oder aktiv sind, etwa dem World Business Council on Sustainable Development, der International Emissions Trading Association und dem European Roundtable of Industrialists (ERT). Bayer gibt nach eigener Auskunft kein Geld an Denkfabriken für das Thema Klimawandel.

Die Kampagne des US-Institute of Energy Research gegen erneuerbare Energien
Die CEO-Studie fragt auch nach der Finanzierung des spanischen Instituto Juan de Mariana und der dänischen Denkfabrik CEPOS, die Auftragsstudien für die US-Lobbygruppe Institute of Energy Research (IER) machten. Diese Studien waren Teil einer Kampagne gegen erneuerbare Energien und gegen die These von „grünen Jobs“. In Deutschland wurde das Rheinisch-westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) vom IER mit einer Studie beauftragt, die ohne Nennung des Auftraggebers dann in den Medien zirkulierte – bis das ARD-Magazin Monitor dazu einen guten Beitrag machte: Die Lüge vom teuren Ökostrom.

Auch in Spanien wollte man die Verbindung zu der US-Lobbygruppe scheinbar unter den Tisch fallen lassen. In der CEO-Studie heißt es: „In their reply to CEO, Instituto Juan de Mariana affirmed that it finances all its activities through the individual donation of his over 250 individual members and that they did not receive corporate funding with the exception of a small Spanish insurance company.“ Als CEO jedoch nachfragte, ob für die vom IER in Auftrag gegebene Studie keine Bezahlung geflossen sein, antwortete das Instituto nicht mehr.

Das IER erhielt in der Vergangenheit Geld von ExxonMobil und der Unternehmensgruppe Koch Industries, die zu den großen Unterstützern von Klimaskeptikern gehören. Dazu hat Greenpeace USA eine interessante Studie veröffentlicht: Koch Industries: Secretly Funding the Climate Denial Machine. Die Studie geht auch auf das IER und seine Studien gegen erneuerbare Energien ein und zeigt, wie diese von einem Netz unternehmensnaher, marktliberaler Denkfabriken in den USA promotet wurden.

Autor: Ulrich Müller

Mitgründer von LobbyControl, seit 2016 Schwerpunkt Recherche und Analyse.

5 Kommentare

  1. die klimaerwärmung durch den menschen zu bestreiten, kommt der holocaust-leugnung gleich, so werden wissenschaftler diskreditiert und mundtot gemacht, schöne neue bezahlte welt, der unveränderbaren wahrheit, der menschengemachten klimaerwärmung, sogar unsere kinder werden mit dieser absolutistischen wahrheit indoktriniert, böse wer anders darüber denkt, vorallem hätten dann al gore und konsorten, probleme bei ihrem ablasshandel, sorry co2 handel.

    zur vollständigen information gehört, interdisziplinäre wissenschaft. hier einen beitrag, so auch in fachzeitschriften publiziert, sollte doch auch zur kenntnis genommen werden, deswegen diesen link von prof. henrik svensmark?, dänemark

    http://www.youtube.com/watch?v=l8rn_MsfiYc

    das geheimnis der wolken: wurde in arte gezeigt, dient auch zur vervollständigung des gesamten bildes.

  2. Trotz aller Zahlenspielerei von den verschiedensten Seiten: Das Wichtigste ist doch, dass wir uns alle täglich darum bemühen, das Verschwenden von Ressourcen massiv einzudämmen. Leider gibt es Personen die meinen, dass sie nur dann weiterhin “gut” leben bzw. verdienen, wenn das Verschwenden der Großen Masse der Menschheit anhält – oder sogar gesteigert wird!

  3. Um den Gedanken von Herrn Itzel fortzuführen: Die Atomlobby ist auch ganz glücklich darüber, dass sie mit dem Klimawandel die Atomkraft als „Brückentechnologie“ darstellen kann (auch wenn Atommüll und Kohlendioxid schwer gegeneinander aufzuwiegen sind) und die Finanzlobby freut sich über die CO2-Zertifikate als neues Spekulationsobjekt.
    Das traurige Fazit an der LobbyControl-Nachricht ist für mich, dass man kritische Klimaforschung anscheinend nur außerhalb von öffentlicher Finanzierung betreiben kann, weil die öffentliche Finanzierung fest in der Hand der Vertreter der These der menschgemachten kohlendioxidgetriebenen Klimaerwärmung ist. Eine These lässt sich nicht dadurch bestätigen, dass man ausschließlich nach ihrer Bestätigung sucht. Eine gute These zeichnet sich dadurch aus, dass sie erstens nicht-offensichtliche Voraussagen erlaubt und zweitens sich auch mit intensiver Anstrengung nicht ernsthaft widerlegen lässt. Noch mehr: Jeder Forscher muss seine Thesen konsequent selbst anzweifeln, denn nur er kennt und versteht die Details.
    Ich denke, dass man den interessengesteuerten Denkfabriken nur die Macht nehmen kann, wenn kritische Klimaforschung in Zukunft auch aus öffentlichen Mitteln gefördert wird.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte darauf hinweisen, dass auch das Potsdam Institut zur Erforschung des Klimawandels von der Bundesregierung finanziell unterstützt wird.

    Aus welchem Grund wurde das Potsdam Insitut gegründet?
    Um unabhängig zu forschen oder um die Linie der Bundesregierung zu unterstützen?

    Durch die Veröffentlichungen des Potsdam Institutes ist mir eine sachliche Forschung in keinster Weise ersichtlich!

    Als Handelsvertreter für Wärmedämmmaßnahmen in Gebäuden sehe ich vielmehr die Tatsache, dass Private Investoren(Eigenheimbesitzer) Dämmmaßnahmen vollziehen, die sich erst in ca. 50 Jahren amortisieren.
    Firmen, investieren in Wärmedämmmaßnahmen jedoch nur dann wenn sie eine Amortisation in max. zwei Jahren erreichen. Ansonsten investieren sie ihr Geld in die Erschließung neuer Märkte.

    Wird der deutsche Bürger hier zu Unrecht ausgenommen wie eine Weihnachtsgans?

  5. Wertes Lobby-Control-Team,

    ich befasse mich auch schon seit längerer Zeit als Laie mit diesem Thema. Von daher hört sich jedes Argument seitens der Befürworter, aber auch der Gegner, plausibel und einleuchtend an.

    Zu bedenken ist aber, dass jede Seite von irgendwelchen geschäftlichen Interessen gesteuert sein muss. Der Glaube daran, dass es hier wirklich um das Wohl und den Schutz unseres Planeten geht, ist mir definitiv verloren gegangen. Man denke nur an die menschengemachten Umweltkatastrophen im Golf von Mexiko und dem Nigeriadelta, usw., usw..

    Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass speziell die Mineralölkonzerne, die insgesamt betrachtet über die weitaus größte wirtschaftliche Macht verfügen, bereits ebenfalls in alternative Energien involviert sind. Es ist immer lukrativer zweimal die Hand aufzuhalten, als nur einmal. Sollte unserem Planet tatsächlich in absehbarer Zeit das Erdöl tatsächlich ausgehen, ist doch logisch nachvollziehbar, dass man sich frühzeitig an anderen Unternehmen beteiligt, oder gar diese übernimmt, ohne dass dies sofort offensichtlich werden dürfte. Die heutigen Konzernverflechtungen sind dermaßen intransparent, dass man schon längst nicht mehr weiß, welches Unternehmen überhaupt noch unabhängig auf dem Weltmarkt agiert.

    Sie sollten fairerweise dies in Ihre sicherlich richtigen Überlegungen mit einbeziehen. In der Tat könnte es tatsächlich so sein, dass der CO2 basierte Klimawandel eine gigantische Lüge ist, der aber gigantische neue Wachstumsmärkte erschließt. Man denke dabei alleine an erforderliche Dämmmaßnahmen für Immobilien, die nur auf Deutschland bezogen, ein langfristiges Investitionsvolumen von weit über 1 Billion Euro mit sich bringen.

    Herzliche Grüße

    Peter Itzel

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