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FIFA und Metro gegen ZDF-Bericht über RFID-Funkchips

Wenn man die eigenen Interessen durchsetzen will, muss man nicht nur seine eigenen Botschaften in Politik und Öffentlichkeit geschickt platzieren, sondern auch alternative Sichtweisen an den Rand drängen. Beobachten kann man dies aktuell an der Debatte um die RFID-Funkchips – einerseits gehen RFID-Nutzer wie Metro und FIFA gegen kritische Medienberichte vor, andererseits gründen die Unternehmen das Informationsforum RFID als neue Plattform für die eigene PR- und Lobbyarbeit (dazu demnächst mehr).

Metro und FIFA gegen ZDF-Bericht
Das Netzwerk Recherche (NR) berichtet in seinem neuesten Newsletter, dass Metro-Group und FIFA gegen einen Bericht des ZDF-Magazins Frontal21 vorgehen. Dieses strahlte am 16. August einen Beitrag mit dem Titel „Der gläserne Bürger – Überwachung per Funk-Chip“ aus, der sich u.a. mit dem Einsatz von Funkchips im Rahmen der WM 2006 und bei der Metro Group befasste. FIFA und Metro klagten gegen den Beitrag; der ZDF nahm das Sendemanuskript deshalb von der Webseite. Das Netzwerk-Recherche stellt ihn nun wieder zur Verfügung.

Der Auszug aus dem NR-Newsletter:

„Tickets zur kommenden Fussballweltmeisterschaft werden durch ‚Smart Tags‘ genannte RFID-Chips die Ueberwachung der Fans und das Anlegen personenbezogener Profile ermoeglichen. Die Metro Group setzt in ihrem Rheinsberger ‚Future Store‘ Warenetiketten mit RFID-Chips ein. Dort hatte Stoll mit verdeckter Kamera gefilmt, nachdem ein Interview-Wunsch ‚aus Zeitgruenden‘ ablehnt wurde.

Entgegen der Angabe der Metro-Group konzentriert man sich dort bei RFID nicht nur auf den Einsatz in der Logistik. Zitat aus dem Sendemanuskript: ‚Mit versteckter Kamera entdecken wir im Kundenbereich Kaesepackungen mit Funkchips. Und wir finden auch Musik-CDs, auf denen RFIDChips kleben. Die neue Technik soll offenbar unbemerkt in unseren Alltag eindringen. Das Ziel: Der glaeserne Kunde.‘

FIFA und Metro Group sind gegen die Sendung vorgegangen; letztere verlangt die ersatzlose Streichung ganzer Passagen. Das Video und das Sendemanuskript sind deshalb nicht mehr auf dem Server des ZDF verfuegbar. Eine VHS-Redigitalisierung des Beitrages kursiert bereits in Tauschboersen. Das Sendemanuskript koennen Sie von unserem Server laden: http://www.netzwerkrecherche.de/newsletter/25/ZDF-Frontal21-RFID-0,1896,2002438,00.pdf
{PDF-Datei, 4 S., 49 KB}“

Autor: Ulrich Müller

geschäftsführender Vorstand von LobbyControl

4 Kommentare

  1. Hallo

    Schließe mich meinem Vorredner (U. Müller) an. Wieso haben die FIFA und die Metro Group Angst vor einer kritischen Berichterstattung?

    Wenn man das Manuskript der Sendung liest könnte man der Sache schon näher kommen.

    Allein schon der versteckte RFID-Chip in den Metro Payback-Kundenkarten, welche nach Protesten wieder zurückgezogen wurden, sollte aufhorchen lassen.

    @Informatiker: Der EAN13 Code hat eine klare Zuweisung. Die drei „Zehen“ kann man hier eindeutig dem B und C Code der Ziffer 6 zuweisen.
    Und steht nicht in der Bibel „Jeder der nicht das Zeichen (des Tieres, 666) an Hand oder Stirn trägt, weder kaufen noch verkaufen kann“. (Oder so ähnlich. Bin ja kein Zeuge Jehovas, noch wirklich Bibelfest. Dieses Szenario regt aber trotzdem an, mal über den Sinn dieser „Zehen“-Zuweisung nachzudenken. Vorallem die Überwachung und speziell die Kontrolle die dieses System möglich macht.)

  2. Natürlich ist RFID erst mal ein „Stück Technik“ und kein Teufelswerk. Aber in der Anwendung gibt es ernstzunehmende Fragen, v.a. zum Datenschutz. Denn RFID-Chips werden eben nicht nur beim Managen der Produktpaletten eingesetzt, sondern auch bei der Auszeichnung einzelner Artikel, in Tickets oder möglicherweise in Zukunft in Reisepässen etc. Der Frontal21-Bericht, gegen den FIFA und Metro jetzt vorgehen, zeigte gerade, dass Metro sagt, wir nutzen RFID nur in der Logistik (beim Managen der Produktpaletten), in Realität aber mit der RFID-Auszeichnung der einzelnen Produkte experimentiert. Aber hier ist nicht RFID an sich das Thema, sondern um den Umgang von FIFA und Metro mit kritischer Berichterstattung. Wer sich für RFID weiter interessiert, kann sich auf beiden Seiten informieren, z.B. den RFID-Seiten von Metro und den RFID-Seiten des FoeBuD, der zu den profiliertesten RFID-Kritikern gehört. Man macht es sich etwas zu einfach, wenn man sich nur an den Zeugen Jehovas „abarbeitet“.

  3. Das Problem mit RFID ist wie mit dem Bar-Code.
    Die Zeugen-Jehovas sehen darin ein Symbol des Satans mit seinen drei Zehen. Wenn ich die liebenswürdigen Prediger bitte, mir den Barcode aus Sicht des Informatikers zu erklären (Barcode = Binär-Code) dann ist Sendepause.

    RFID ist eine sehr gute Technologie; sie hilft den Unternehmen Kosten zu sparen und die Produktpaletten besser zu managen. Mehr nicht. Es ist nur ein Stück Technik und kein Matrix-Schwachsinn.

  4. Während es Firmen wie der Metro vermutlich nur darum geht, ihren Kunden ein Maximum an Geld aus der Tasche zu ziehen, verstehe ich die Motivation der FIFA nicht. Was haben die davon dass eine Oma ihrem Enkel kein Ticket als Geschenk mehr kaufen kann? Der organisatorische Overhead für die personalisierten Tickets ist gigantisch, kostet unsummen und bringt der FIFA was?

    Ich persönlich sehe einen neuen Sport für gelangweilte Jugentliche aufkeimen, nämlich diese ganze Überwachung auszutrixen mit Metallfolien, selbstgebastelten Störsendern und was einem alles so einfällt dazu. Nur aus Spass.

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